Weltall

Legende oder nicht: Was war der Stern von Bethlehem?

Michael Winkhaus forscht zum Stern von Bethlehem.
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Michael Winkhaus forscht zum Stern von Bethlehem.

Wuppertal. Spurensuche mit dem Physiker Michael Winkhaus.

Von Daniel Diekhans

Was war der Stern von Bethlehem? Diese Frage passt nur zu gut in die Weihnachtszeit. Kein Wunder, da viele Lieder den Stern mit dem charakteristischen Schweif besingen. Auf Abbildungen der Weihnachtsgeschichte darf er ebenso wenig fehlen wie die drei heiligen Könige, denen er den Weg zur Krippe Jesu Christi gewiesen haben soll.

Weitere Fragen stellen sich ein: Gab es diesen „Stern“ überhaupt? Ist seine Existenz eine biblische Legende – oder leuchtete zur Zeit der Geburt Christi ein besonderes Gestirn am Himmel auf?

Michael Winkhaus ist Diplomphysiker, Lehrer und Leiter der Schülersternwarte am Carl-Fuhlrott-Gymnasium Wuppertal. Bei seiner „astronomischen Spurensuche des Weihnachtssterns“ macht er zunächst einen Ausflug in die Kunstgeschichte. Denn vor den Wissenschaftlern der frühen Neuzeit haben Künstler den Stern von Bethlehem auf ihre Weise interpretiert. Giotto di Bondone zum Beispiel stellt Anfang des 14. Jahrhunderts den Stern über der Krippe als Kometen dar. Die Vermutung liegt nahe, dass der Maler damit auf die Erscheinung des Halleyschen Kometen vom Oktober 1301 reagiert hat.

Gut 250 Jahre später faszinierte ein noch größerer Komet die damaligen Astronomen. Unter diesem Eindruck habe Kepler den Stern von Bethlehem mit einem Kometen gleichgesetzt. Diese These verwarf er aber wieder – schon allein deshalb, weil der Halleysche Komet alle 74 bis 79 Jahre periodisch wiederkehrt und als „Unglücksbote“ gilt. In einer zweiten Annahme ging er davon aus, dass der Stern von Bethlehem mit einer Supernova – der Explosion eines Sterns – identisch sei. Jede Supernova führt laut Winkhaus zu einer „unglaublichen Leuchterscheinung“. Doch im Jahr 6 vor unserer Zeitrechnung, in dem die Wissenschaft Christi Geburt datiert, habe es solch eine Sternenexplosion nicht gegeben.

2020 war der Stern von Bethlehem zuletzt zu sehen

Um dem Weihnachtsstern doch noch auf die Spur zu kommen, zitierte Winkhaus aus dem „Proto-Evangelium des Jakob“ – einer der Schriften, die es nicht in den biblischen Kanon geschafft haben. Dort ist nicht von einem einzelnen Stern, sondern von „Sternen“ die Rede, die die „drei Magier aus dem Osten“ geleitet hätten. Daher, so Winkhaus, wolle er der Frage nachgehen, „welche Sterne wandern können“. Als aussichtsreichste Kandidaten nannte er die Planeten. Allein der Mond verändere alle paar Tage seine Position: „Der rast förmlich durch den Himmel.“

Für das wahrscheinliche Jahr von Christi Geburt lasse sich per Computersimulation sogar eine „Dreifachbegegnung“ von Planeten am Himmel rekonstruieren: Dabei rückten Saturn und Jupiter nah aneinander heran, und Mars „bedrohe“ diese Konstellation.

Dass der Stern von Bethlehem der „Dreifachbegegnung“ eine Form gibt, hat für den Diplomphysiker eine gewisse Plausibilität: „Diese himmlische Geschichte hat es in die Bibel geschafft.“

Mehr noch: Solche Ausnahmekonstellationen lassen sich bis heute am Himmel beobachten. „Der Stern von Bethlehem war im Jahr 2020 zu sehen“, so Winkhaus. Am 1. Dezember 2020 standen sich Jupiter und Saturn nämlich wieder sehr nah – wie im Jahr 6 vor unserer Zeitrechnung.

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