Kahlschlag an Landstraßen

Land NRW fällt mehr als 1000 Bäume in Wuppertal

Anwohner Roland Bruch vermisst die Bäume entlang der Landstraße L 418, die auch für Schallschutz gesorgt haben. Foto: Stefan Fries
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Anwohner Roland Bruch vermisst die Bäume entlang der Landstraße L 418, die auch für Schallschutz gesorgt haben.

Wuppertal. Anwohner und Grüne wundern sich über die Gründe.

Von Daniel Neukirchen

An Wuppertals Landstraßen hat Straßen NRW seit Ende 2021 mehr als 1000 Bäume gefällt. Eine weitere große Maßnahme an der L 74 steht noch aus. Auch hier sollen nach Angaben des Landesbetriebs Anfang Mai mehrere 100 Bäume der Motorsäge zum Opfer fallen. Der Umweltausschuss erfuhr von den Maßnahmen dieser Dimension nur zufällig, weil die Grünen eine entsprechende Anfrage gestellt hatten.

Anwohner Roland Bruch wurde von den Arbeiten an der L 418 überrascht: „Die haben in einer Nacht- und Nebelaktion alles weggehauen, was ging.“ Es gebe einen Wanderweg, der nahe der Landstraße durch den Wald geführt habe - nun stehe man direkt neben der Landstraße und höre die Autos. „Die haben sogar die Sträucher entfernt“, wundert sich Bruch.

Straßen NRW spricht von Ausspülungen von Wurzelbereichen

Laut Straßen NRW wurden auf 20 000 Quadratmetern Bäume und Gehölze „aus dem Bestand genommen“. Das habe mit „Ausspülungen von Wurzelbereichen“ nach dem Starkregen im Juli 2021 zu tun gehabt, zudem habe es schwer erkrankten Altbestand gegeben. Anwohner Bruch ist von dieser Begründung überrascht. „Unterspülungen sind doch sichtbar. Hier hat es gar keine gegeben“, sagt er.

Auch Umweltausschussvorsitzender Ulrich Christenn (Grüne) ist von der langen Fällliste des Landesbetriebs erschrocken: „Diese Menge ist entsetzlich.“ Zudem sieht er ein großes Kommunikationsproblem. Bei städtischen Fällungen diskutiere man über jeden Baum, aber wenn das Land Bäume im vierstelligen Bereich fällt, komme die Information erst auf Nachfrage – und wenn alles zu spät ist.

Da es sich nach Angaben von Straßen NRW um „Notmaßnahmen“ gehandelt habe, wurde der Stadt im Vorhinein keine Mitteilung gemacht. Der Landesbetrieb kündigt aber an: „Planbare Maßnahmen wurden und werden auch zukünftig den kommunalen Naturschutzbehörden angezeigt.“

Zu den großflächigen Arbeiten an der L 418 kam noch die Fällung von rund 120 Bäumen an der L 527 in Beyenburg. Hier war ein Felshang nach dem Starkregen abgängig. An der L 411, ebenfalls in Beyenburg, mussten 25 Einzelbäume gefällt werden. Auch hier gibt der Straßenbetrieb Umwelteinflüsse von Pilzbefall bis zu Sturmschäden an.

Eine Großmaßnahme steht noch an. Der Landesbetrieb Wald und Forst will im Mai mehrere 100 Bäume an der L 74 zwischen der der Kohlfurth und Sonnborn fällen. Es gehe um 25 000 Quadratmeter Wald. Vom Borkenkäfer geschädigte Fichten seien nicht mehr sicher und drohten, auf die Straße zu fallen. Voraussichtlich wird die Landstraße für drei Wochen einseitig gesperrt. Ausgleichspflanzungen sind nicht geplant. Dies sei bei den sogenannten „Läuterungsfällungen“ nicht vorgesehen.

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