Der Kunstschatz ist nicht versichert

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Allein das „Mädchen mit Pfingstrosen“ hat einen Versicherungswert von etwa fünf Millionen Euro. Archivfoto: Von der Heydt-Museum

Nach Raub in Dresden: Sicherheit auf Prüfstand.

Von Andreas Boller und Monika Werner-Staude

Wuppertal. Der Kunstraub in Dresden hat für internationales Aufsehen gesorgt. Von einer Beute im Wert von einer Milliarde Euro ist die Rede. Angesichts des Schadens wird auch in Wuppertal über Sicherheitsstandards nachgedacht werden müssen.

Vergleichbare Schätze hat die Stadt Wuppertal zwar nicht in Form von Schmuck und Juwelen zu bieten – dafür hat das Von der Heydt-Museum eine Sammlung von Gemälden und Skulpturen in einer vergleichbaren Größenordnung. Mit 750 Millionen Euro hat allein die Stadt Wuppertal in ihrer Bilanz die Kostbarkeiten ausgewiesen. Hinzu kommen Gemälde im Besitz des Kunst- und Museumsvereins, die etwa ein Drittel der Sammlung ausmachen. Der Wert dürfte deutlich über einer Milliarde Euro liegen.

Wie in Dresden sind die Kunstschätze in Wuppertal nicht versichert, bestätigen Stadtdirektor Johannes Slawig und Joachim Schmidt-Hermesdorf, Vorstandsvorsitzender des Kunst- und Museumsvereins. „Es ist nicht bezahlbar und es ist zwecklos, weil man den Verlust eines solchen Gemäldes nicht durch Geld ersetzen kann“, sagt Slawig.

In Dresden, so schätzen Experten, wäre eine Versicherungsprämie von 150 000 Euro pro Jahr fällig gewesen. Vergleichbare Summen würden auf die Stadt Wuppertal zukommen. „Nach einem Vorfall wie in Dresden ist es selbstverständlich, dass man Sicherheitsstandards hinterfragt und falls erforderlich Verbesserungen vornimmt“, sagt Slawig. 700 000 Euro wurden 2015 in die Sicherheitstechnik des Gebäudes zum Schutz vor Einbrechern und Dieben investiert. Absolute Sicherheit könne es aber an einem öffentlichen Ort wie dem Museum nicht geben.

Das Thema Sicherheit und Versicherungen spielte in den vergangenen Jahren bei den großen Ausstellungen im Von der Heydt-Museum und bei Ausleihen eine wichtige Rolle. Die Bilder aus Wuppertal sind in aller Welt gefragt. „Das Gemälde Mädchen mit Pfingstrosen von Alexej von Jawlensky hat bei einer Ausleihe einen Versicherungswert von fünf Millionen Euro“, sagt Joachim Schmidt-Hermesdorf. Verleiht Wuppertal Gemälde an andere Museen, dann übernehmen diese alle Transport- und Versicherungskosten. Im Gegenzug fallen jedoch immer höhere Kosten an, wenn Gemälde für Sonderausstellungen nach Wuppertal verliehen werden.

Kostengründe: Schauen wie Monet kann es nicht mehr geben

Aus Kostengründen werde es daher die Block-Buster-Ausstellungen, wie sie in Wuppertal mit Werken von Monet und Manet zusehen waren, nicht mehr geben, kündigte Schmidt-Hermesdorf an.

Dass Wuppertal seine Bilder nicht versichert, hat zumindest für eine Tätergruppe abschreckende Wirkung, die beim Diebstahl bekannter Bilder darauf spekuliert, dass Versicherungen die gestohlenen Bilder unter dem Versicherungswert zurückkaufen.

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