Ausstellung

Künstlerin ist eine Rebellin des Jugendstils

Die Sonderausstellung des Heine-Instituts „Rebellin des Jugendstils“ bietet bis zum 22. Mai die Gelegenheit, eine Auswahl von Ilna Ewers-Wunderwalds Arbeiten zu entdecken. Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Melanie Zanin
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Die Sonderausstellung des Heine-Instituts „Rebellin des Jugendstils“ bietet bis zum 22. Mai die Gelegenheit, eine Auswahl von Ilna Ewers-Wunderwalds Arbeiten zu entdecken.

Düsseldorf. Sonderausstellung im Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf zu Ilna Ewers-Wunderwald.

Von Stephan Eppinger

Nach rund 100 Jahren zeigt das Heinrich-Heine-Institut das Werk der Malerin, Zeichnerin und Illustratorin Ilna Ewers-Wunderwald (1875-1957) wieder in ihrer Geburtsstadt. Zuletzt war es 1923 in einer kleinen Schau im Düsseldorfer Kunstpalast zu sehen. Die Sonderausstellung des Heine-Instituts „Ilna Ewers-Wunderwald: Rebellin des Jugendstils“ bietet den Besuchern bis zum 22. Mai die Gelegenheit, eine Auswahl ihrer Arbeiten unterteilt in die Sektionen Unterwasser-Welten, Tiere, Pflanzen und Indien zu betrachten.

Neu zu entdecken sind exotisch-traumverlorene Zeichnungen zwischen Feder, Tusche und leuchtender Wasserfarbe, die heutige Kunstschaffende auf vielfältige Weise inspirieren. Anhand von Nachlassmaterialien widmet sich die Ausstellung zudem der Kabarettdarstellerin, Modedesignerin und Weltreisenden. So werden teilweise noch nie öffentlich gezeigte Nachlassmaterialien wie etwa das Tagebuch, das Ewers-Wunderwald während einer Indien-Reise führte, zahlreiche Fotografien, Buchillustrationen, Briefe oder ihre früheste erhaltene gestalterische Arbeit aus dem Jahr 1903 präsentiert.

Darüber hinaus bietet eine Medienstation audiovisuelle Einführungen in Leben und Werk sowie die mutmaßliche Aufnahme von Ilna Ewers-Wunderwalds Stimme im Rahmen eines Kabarett-Stücks (1901). Hinzu kommen filmische Werkstattberichte, die verdeutlichen, dass Ewers-Wunderwald Künstler aus verschiedenen Stilrichtungen zu Auseinandersetzungen mit ihrem Werk inspiriert: So führt der Kunstschmied und Bildhauer Gösta Gablick zwei Motive Ewers-Wunderwalds in der Skulptur „Der fliegende Fisch“, die auch in der Ausstellung zu sehen ist, auf spektakuläre Weise zusammen. Die Illustratorin Leonie Gizinski verfasst derzeit eine exklusive Graphic Novel über Ilna Ewers-Wunderwald. Sie dokumentiert den Entstehungsprozess dieses Projekts, das einer lange in Vergessenheit geratenen Düsseldorfer Künstlerpersönlichkeit mehr Sichtbarkeit verschafft.

Ein Blick auf die Biografie der Künstlerin lohnt sich: 300 Meter vom Heinrich-Heine-Institut entfernt, in der Benrather Straße 18, wird Karoline Elisabeth Wunderwald am 7. Mai 1875 geboren. Früh offenbaren sich künstlerisches Talent sowie ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Da Frauen ein Kunststudium verwehrt bleibt, verfeinert Ilna Ewers-Wunderwald, wie sie sich seit der Heirat mit dem Schriftsteller und Filmemacher Hanns Heinz Ewers (1871-1943) nennt, ihre zeichnerischen Fähigkeiten autodidaktisch.

Als Schauspielerin und Sängerin auf europäischen Bühnen

An bürgerlichen Lebensformen hat sie keinerlei Interesse. In Anlehnung an die Titelheldin aus dem von ihr übersetzten Théophile-Gautier-Roman „Mademoiselle de Maupin“, trägt sie – 20 Jahre, bevor es in der Damenmode populär wird – einen Kurzhaarschnitt und raucht. Als Schauspielerin und Sängerin des Kabaretts „Überbrettl“ steht sie auf europäischen Bühnen; sie macht sich als Buchillustratorin einen Namen, entwirft avantgardistische Kleider, ist Teil der Freikörperkultur auf Capri. Dort zeichnet Ewers-Wunderwald auch erste vom Meer angeregte Motive.

Überhaupt sammelt sie vielfältige Eindrücke: mit ihrem Mann bereist sie sämtliche Kontinente, als künstlerisch besonders nachhaltig erweist sich ein Indien-Aufenthalt im Jahr 1910. Kurz darauf wird die Ehe geschieden. Zunächst lebt Ewers-Wunderwald in Leipzig, wiederholt in Düsseldorf. Es folgt der Versuch einer Weltreise zu Fuß. Derweil geraten ihre Bilder, die in der Berliner Secession, der Münchener Secession, der Grossen Berliner Kunstausstellung oder im Düsseldorfer Kunstpalast gezeigt wurden, zunehmend in Vergessenheit. 1936 zieht sie mit ihrer Partnerin, der Bildhauerin Ellie Unkelbach, an den Bodensee. Die Verbindungen in die Heimatstadt, insbesondere zu vom NS-Regime verfolgten Freundinnen und Freunden, wie dem Rechtsanwalt und späterem Mitbegründer der Heinrich-Heine-Gesellschaft Friedrich Maase (1878-1959), reißen jedoch nie ab.

Ilna Ewers-Wunderwald stirbt am 29. Januar 1957 in Allensbach. Das Grab ist nicht mehr erhalten. Überliefert sind hingegen zahlreiche Werke. Beeinflusst von der Naturforscherin Maria Sibylla Merian (1647-1717) und dem britischen Illustrator Aubrey Beardsley (1872-1898), gelingen Ewers-Wunderwald mit ungemein präzis-dichter Linienführung beinahe mikroskopische Naturbehandlungen sowie eigenwillige Fantastik.

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