Nostalgie

Krise: Museumsbahnen stellen Weichen

Wann die Bergische Museumsbahn wieder so fährt, ist offen – derzeit stehen die Wagen im Depot. Archivfoto: Christian Beier
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Wann die Bergische Museumsbahn wieder so fährt, ist offen – derzeit stehen die Wagen im Depot. 

Verein arbeitet an Konzepten zur Verbesserung der Angebote und zur Finanzierung.

Von Juri Lietz

Wuppertal. Im Kaltenbachtal ist es am Osterwochenende ruhig geblieben. Das wäre in dem wanderfreundlichen Waldgebiet nicht weiter verwunderlich, gäbe es nicht die Bergischen Museumsbahnen (BMB). An zwei Sonntagen im Monat verkehrt sonst der kleinste Straßenbahnbetrieb Deutschlands zwischen der Kohlfurth und Cronenberg. Üblicherweise beginnt die Saison im April, nun mussten die Fahrten eingestellt werden.

Von der Schließung ist auch das Museum betroffen, das die Ehrenamtler von den BMB in der Kohlfurth betreiben. Zwar gibt es im Gegensatz zum Einlass in das Museum keine konkrete Regel, die den Fahrbetrieb untersagt, jedoch können die nun obligatorischen Hygienestandards in den historischen Bahnen nicht umgesetzt werden, wie der Medienbeauftragte Sven Ekert erläutert: „Wir können den Fahrer nicht per Plane von den Gästen trennen oder die Wagen nach der Fahrt desinfizieren, das macht das Holz nicht mit.“ Die älteste Bahn, die in Cronenbergs Südwesten verkehrt, stammt aus dem Jahr 1927. Darüber hinaus werden Tickets stets im Wagen selbst beim Schaffner erstanden.

Da der weitere Verlauf der Pandemie nicht abzusehen ist, habe der Vereinsvorstand entschieden, noch kein Datum für die Wiederaufnahme der Fahrten zu bestimmen. Finanziell gesehen haben die BMB zwar auf kurze Sicht nichts zu befürchten, „wir haben Rücklagen gebildet“, verrät Ekert. Dennoch: Das Polster, das bei den Museumsbahnen fast ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Fahrkartenverkauf generiert wird, sei „schnell aufgebraucht“.

Aus diesem Grund wird nun an Konzepten gearbeitet, die auch während der Krise den Bestand sichern könnten. „Es gibt kreative Überlegungen, wie etwa einen Ticket-Vorverkauf oder Merchandise-Produkte“, berichtet Ekert.

Während keine Gäste im Straßenbahnmuseum begrüßt werden können, wird zumindest online der Museumseindruck simuliert. „Jeden Tag wird auf unserer Facebook-Seite ein Foto hochgeladen.“ So können Interessierte weiterhin verfolgen, welche Aspekte zum Bahnbetrieb gehören.

Das Ambiente für Hochzeiten wird derzeit optimiert

Auch für die Zeit nach Corona kann Ekert Verbesserungen ankündigen: Bei den Hochzeiten, die in den historischen Straßenbahnen gefeiert werden, wird aktuell an Optimierungen gefeilt. Und auch auf praktische Weise wird sich in der Kohlfurth weiterhin beschäftigt. „Wir sind nicht in einer Schockstarre“, sagt Ekert und erklärt, dass der Verein von Gleisbau bis zu den Wagen viele Arbeiten selbst übernimmt. Aktuell stehen zum Beispiel Lackierungen an, so werde „aus der Not eine Tugend“ gemacht.

Über die Pfingstfahrten wird nächste Woche entschieden

Sollte die Ausnahmesituation andauern, wird das den Museumsbahnern „finanziell zu schaffen machen“, wie Ekert erklärt. Zwar sei es für den Verein ein Vorteil, „relativ autark“ und somit unabhängig zu sein, jedoch ist er so auf Einnahmen angewiesen. Die könnten theoretisch auch beim beliebten Pfingstfest ausbleiben, über die Durchführung dieser Veranstaltung will der Vorstand in der kommenden Woche entscheiden.

NOSTALGIE

FRÜHER Hier noch jemand ohne Fahrschein? Das ist der Ruf, den ältere Passagiere noch zu gut aus den Straßenbahnen der Region kennen. In den Museumsbahnen ertönt er noch: „Steigen Sie ein und erfahren Sie ein Stück lebendige Nostalgie: Unsere Straßenbahnen klingeln, quietschen und brummen – ganz wie damals“, heißt es in der Beschreibung des Vereins: „Und der Schaffner verkauft Ihnen den Fahrschein am Platz.“

HEUTE Das wird Corona-bedingt sicherlich in der nächsten Zeit anders sein. Über die genauen Konsequenzen berät der Verein fortlaufend.

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