„Konsumenten müssen den Weg mitgehen“

Florian Preuß, Digitalisierung und Innovationsmanagement.
+
Florian Preuß, Digitalisierung und Innovationsmanagement.

Die Wuppertaler Gebr. Becker GmbH macht mit bei Circular Valley

Das Gespräch führten Lothar Leuschen und Andreas Boller

Wuppertal Die Gebr. Becker GmbH ist ein in der vierten Generation inhabergeführtes Familienunternehmen in Nächstebreck – und macht mit bei Circular Valley.

Welche Bedeutung hat das Thema Kreislaufwirtschaft für die Gebr. Becker GmbH?

Dorothee Becker: Das Unternehmen Gebrüder Becker besteht seit 136 Jahren und hat seine Wurzeln im Maschinenbau. Wir stellen äußerst langlebige und damit auch nachhaltige Produkte her, die in manchen Fällen ein halbes Menschenleben überdauern. Die Kreislaufwirtschaft ist eine Themenstellung, zu der wir uns als Familienunternehmen verpflichtet fühlen. Es geht darum, Umweltbelastungen und den eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.

„Die Initiative vereint Chancen für unsere Gesellschaft mit Chancen für die Region.“

Dorothee Becker

Es geht aber auch darum, unser Know-how im Bereich der Automatisierung bei der Montage von Produkten auf neue, sich entwickelnde Prozesse der Demontage von Produkten zu übertragen, und damit den industriellen Prozess des Recyclings mit unserem Know-how zu begleiten. Hier unterstützt perspektivisch auch Digitalisierung immens. So entwickeln sich über die Kreislaufwirtschaft nicht nur neue Produkte, sondern auch neue Geschäftsmodelle.

Was verstehen Sie unter Kreislaufwirtschaft?

Dorothee Becker: Ich sehe darin einen Dreiklang aus ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Themen. Alle drei Komponenten müssen in Einklang gebracht werden. Ich erwarte vom Projekt Circular Valley Antworten, ob die Kreislaufwirtschaft immer der effizienteste Weg ist, oder ob wir uns etwas schönrechnen, in dem wir vor- oder nachgelagerte Kosten nicht einbeziehen. Kreislaufwirtschaft muss mit Augenmaß betrieben werden und darf nicht dazu führen, dass die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet wird. Ein linearer Ansatz ist nicht von Grund auf falsch. Wir arbeiten mit den Materialien Guss und Stahl, da ist der Grad der Rezirkulierung hoch.

Die Gebr. Becker GmbH ist Marktführer auf dem Gebiet der Vakuumpumpen und Luftverdichter, was macht sie so erfolgreich?

Dorothee Becker: Wir bieten mit Luft-Technologie weltweit eine Vielfalt von Anwendungen durch Vakuumfixieren, Evakuieren, Pick-and-Place-Anwendungen etc. an, zum Beispiel bei Verpackungen oder im medizinischen Bereich. Wir bieten Sonderlösungen, besetzen Nischen und verstehen es gut, uns in die Anlagen unserer Kunden zu integrieren.

Wie können sie über Ihre Produkte Einfluss nehmen?

Florian Preuß: Die Digitalisierung bietet Möglichkeiten, die Energieeffizienz zu steigern. Jedes Gerät kann über einen QR-Code gesteuert werden. So können wir feststellen, ob das Gerät noch im Optimalzustand läuft, oder ein altes Bauteil ersetzt werden muss. Die entscheidende Frage ist: Wer hat die Datenhoheit? Viele Kunden wollen in diese Richtung gehen, andere sind noch nicht bereit. Es wird nach Wegen gesucht, und ich bin überzeugt, dass sich am Ende zwei oder drei Lösungsmöglichkeiten durchsetzen.

Das Misstrauen dem Staat gegenüber ist groß. Was erwarten Sie von der Politik?

Dorothee Becker: Ich würde mir wünschen, dass der Staat das Thema primär ordnungspolitisch begleitet – indem er es, wie bereits auf europäischer Ebene geschehen – zu einem Leitthema macht. Konkrete Eingriffe vom Staat sind nicht hilfreich, aber er kann zum Beispiel das Thema Standardisierung und Kennzeichnung unterstützen: Es muss Standards geben, die international gängig sind und die einen breiten Zugang für den Mittelstand ermöglichen. Die Konsumenten müssen diesen Weg mitgehen, sonst kommen die Entwicklungen nicht im Markt an. Bei Circular Valley ist eine breite gesellschaftliche Einbeziehung geplant, um die Konsumenten einzubeziehen – ein notwendiger Erfolgsfaktor. Florian Preuß: Produktion und Recycling werden sich weiter angleichen, das Know-how aus der Montage muss in die Re-Montage einfließen.

Sie liefern der Verpackungsindustrie zu. Sind Verpackungen nicht das Übel?

Dorothee Becker: Verpackungen sichern die Transportfähigkeit, sie halten Waren frisch und schützen sie vor Keimen. Verpackungen sind nicht das Problem, sondern wie wir mit ihnen umgehen. Jeder sollte seine Verantwortung sehen. Circular Valley ist ein wichtiges Kulturthema, und daher passt es in den Transformationsprozess, den wir in unserem Unternehmen durchlaufen. Die Initiative vereint Chancen für unsere Gesellschaft mit Chancen für die Region und für einzelne Unternehmen, seien es Start-ups oder etablierte Player.

Dorothee Becker, kaufmännische Geschäftsführerin.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Museumsbahn ist erneut Ziel von Metalldieben
Museumsbahn ist erneut Ziel von Metalldieben
Museumsbahn ist erneut Ziel von Metalldieben
Schwer verletzter Junge nach Verkehrsunfall
Schwer verletzter Junge nach Verkehrsunfall
Schwer verletzter Junge nach Verkehrsunfall
Baby-Biber in Beyenburg haben die Flut überlebt
Baby-Biber in Beyenburg haben die Flut überlebt
Baby-Biber in Beyenburg haben die Flut überlebt
Heimatpreis: Wuppertal klärt Missverständnis um Jury-Votum auf
Heimatpreis: Wuppertal klärt Missverständnis um Jury-Votum auf
Heimatpreis: Wuppertal klärt Missverständnis um Jury-Votum auf

Kommentare