Kriminalität

Kinderporno-Fall: Ermittler finden Fotos von Kita-Kindern bei Rentner (83)

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Mit einem Spezialbagger des THW Remscheid suchten die Ermittler bis Dienstag im Garten des 83-Jährigen nach möglichen Kinderleichen.

WUPPERTAL Der Beschuldigte aus Wuppertal-Nächstebreck hatte nicht nur 50 Festplatten mit Kinderpornografie in seinem Besitz, sondern auch Porträt-Fotos von Jungen und Mädchen, denen er in Kindergärten vorgelesen hat.

Von Daniel Neukirchen

Die Ermittler haben bei dem 83-jährigen Rentner, bei dem 50 Festplatten mit Kinderpornografie gefunden wurden, auch Fotos von Wuppertaler Kita-Kindern entdeckt. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert. Der Mann habe diese Porträt-Bilder wahrscheinlich selbst im Rahmen seiner Tätigkeit als Vorlese-Pate in verschiedenen Kindergärten angefertigt. „Die Einrichtungen wussten davon. Er hat gesagt, dass er sich mithilfe der Bilder die Namen der Kinder einprägen möchte“, sagt Baumert. In der Tat seien auf der Rückseite der Fotos, die bei der Polizei-Durchsuchung in seinem Haus gefunden wurden, die entsprechenden Namen der Jungen und Mädchen notiert. „Die Bilder sind strafrechtlich unverfänglich“, betont der Oberstaatsanwalt. Die Kinder auf den Aufnahmen seien vollständig bekleidet. Anders bei dem Material, das auf den Festplatten des Senioren gespeichert war. Auf den 50 Datenträgern sichteten die Ermittler „ganz erhebliche Mengen“ an Kinderpornografie, so Baumert.

Die Polizei hat im Garten des Rentners bislang keine Hinweise darauf gefunden, dass der Beschuldigte etwas mit den verschwundenen Kindern zu tun gehabt hat, dessen Zeitungsartikel er in einem Safe sammelte. Die Staatsanwaltschaft möchte sich nicht dazu äußern, für welche Vermisstenfälle sich der Wuppertaler interessiert hat. Auch um die Angehörigen nicht unnötig aufzuwühlen.

Am Dienstag liefen noch letzte Restarbeiten im Garten. Wer für den Schaden im Garten des Beschuldigten aufkommt, das hängt auch davon ab, was die weiteren Ermittlungen ergeben. Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert: „Wer verurteilt wird, zahlt alles.“

Unser Bericht vom 1.07.2019: Kinderporno-Fall in Wuppertal: Verdächtiger 83-Jähriger wieder auf freiem Fuß

Von Manuel Praest

Die Polizei will die Grabungen im Garten des 83-Jährigen, in dessen Haus in der vergangenen 50 Festplatten mit Kinderpornografie entdeckt worden sind, am Montag oder Dienstag abschließen. Gefunden worden sei bei den Erdarbeiten bislang nichts Verdächtiges. Der Rentner, der am Freitag in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen war, ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß, wie die Staatsanwaltschaft bestätigt. Zu den Gründen konnte Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert keine Angaben machen. Die Zwangseinweisung sei auf Betreiben der Stadt Wuppertal erfolgt. Zuvor war ein Haftbefehl gegen Auflagen — unter anderem musste der Wuppertaler seine Reisedokumente abgeben — aufgehoben worden. Andere Möglichkeiten, den Verdächtigen festzuhalten, gebe es nicht, so Baumert. Die Freilassung bedeute nicht automatisch, dass von dem Mann sicher keine Gefahr ausgehe. Allerdings gebe es „für einen sexuellen Missbrauch bisher keine Beweise“.

Bereits seit 8 Uhr am Montagmorgen wird auf dem gut 1300 Quadratmeter großen Grundstück am Dellbusch in Nächstebreck wieder gebuddelt. Zwei Bagger waren im Einsatz, dazu mehrere Hunde. Diese müssen den Aushub immer wieder durchsuchen, so ein Polizeisprecher. Für die Tiere eine anstrengende Aufgabe, gerade bei den hochsommerlichen Temperaturen. Man hoffe aber, die Arbeiten noch im Laufe des Montags abschließen zu können, erklärt der Sprecher.

Festplatten mit Bildmaterial werden ausgewertet

Abgesehen von dem bekannten Material im Haus — unter anderem 50 Festplatten, die aktuell auch mit Hilfe des Landeskriminalamtes ausgewertet werden, und mehrere Waffen — sei aber nichts weiteres Verdächtiges im Garten entdeckt worden. Den Ausschlag für die akribische Suchaktion hat ein Safe des Rentners gegeben, in dem die Ermittler eine Sammlung von Zeitungsartikeln über vermisste Kinder fanden. Diese sollen sich nach Angaben der Polizei auf mehrere Fälle konzentrieren.

Die Auswertung der beschlagnahmten Datenträger läuft derweil weiterhin. Es handele sich um „eine gewaltige Datenmenge“, so Baumert von der Staatsanwaltschaft. Die Polizei werde vom Landeskriminalamt unterstützt, ein Abschluss der digitalen Spurensicherung sei nicht absehbar. Nach seinem Kenntnisstand sei der Rentner selbst auf den ausgewerteten Bildern bisher nicht aufgetaucht.

Als Beschuldigter wird bei den Ermittlungen auch der Sohn des 83-Jährigen geführt. In dessen altem Kinderzimmer wurde ebenfalls inkriminiertes Material entdeckt; laut Baumert ist aber möglich, dass es vom Vater dort gelagert worden war. In der Dortmunder Wohnung des Mannes wurde keine Kinderpornografie gefunden. est/juki

Unser Bericht vom 27.06.2019: Kinderpornografie: Polizei nimmt 83-Jährigen fest

Bei der Polizei in Wuppertal ist bereits am Dienstag ein Hinweis eingegangen, nachdem ein 83-jähriger Rentner im Besitz von Kinderpornografie sein sollte. Nachdem die Staatsanwaltschaft einen Durchsuchungsbeschluss des hiesigen Ermittlungsrichters erwirkt hatte, begannen noch am selben Tag Durchsuchungsmaßnahmen der Polizei im Haus des Tatverdächtigen in Wuppertal. Im Rahmen der Durchsuchung stellten die Beamten umfangreiches Bildmaterial auf 50 Festplatten, mehreren Laptops und PCs sicher. Bei dem Material dürfte es sich nach einer ersten Sichtung jedenfalls teilweise um kinderpornografisches Material handeln.

Der 83-Jährige Beschuldigte wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft vorläufig festgenommen. Ebenfalls ins Visier der Ermittler geriet der in Dortmund lebende 52-jährige Sohn, in dessen ehemaligem Kinderzimmer die Ermittler auch auf entsprechendes Bildmaterial gestoßen waren. Aufgrund des großen Umfangs der Durchsuchungsmaßnahmen setzten die Beamten diese am Mittwoch auch in der Wohnung des 52-jährigen fort. Während die Durchsuchung in Dortmund negativ verlief, fanden die Polizisten im Haus des 83-jährigen unter anderem eine scharfe Schusswaffe (Revolver) sowie Bauteile einer Panzerabwehrrakete (ohne Sprengkopf), die der Kampfmittelräumdienst sicherstellte. 

In einem Safe befanden sich zahlreiche Zeitungsartikel, darunter auch Berichterstattungen zu vermissten Kindern. Aus diesem Grund wurden mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei, der technischen Einsatzeinheit und Diensthundeführern die Suchmaßnahmen auch auf das Grundstück des Beschuldigten ausgeweitet. Hier konnte bislang nichts Verdächtiges festgestellt werden. Inzwischen sind Kräfte des THW Remscheid zur Unterstützung angerückt. Das THW verfügt über Spezialgerät. Damit soll nun im Garten des Beschuldigten nach möglichen Kinderleichen gesucht werden.

Wie erste Ermittlungen ergaben, war der Beschuldigte ehrenamtlich in der Hausaufgabenbetreuung tätig. Die Polizei steht in engem Kontakt und Austausch mit den jeweiligen Einrichtungen. Nach jetzigem Stand intensiver kriminalpolizeilicher Ermittlungen, bei denen am Mittwoch in der Spitze mehr als 80 Polizisten eingebunden waren, liegen derzeit keine Hinweise vor, dass der Beschuldigte Kinder aus den Einrichtungen, in denen er zuletzt ehrenamtlich beschäftigt war, sexuell missbraucht hat. Bei den besonders aufwändigen Durchsuchungen und Auswertungen der großen Datenmengen werden die Ermittlungen seitens des LKA NRW unterstützt.

Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln mit Nachdruck um den Umfang und die Hintergründe aufzuklären. Die Durchsuchung des Grundstücks des Beschuldigten dauert an. red

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