Forschungsprojekt der Uni Wuppertal

Katastrophenschutz soll besser werden

Nach dem Hochwasser im vergangenen Sommer erlebten die Bewohner besonders betroffener Gebiete eine hohe Hilfsbereitschaft.
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Nach dem Hochwasser im vergangenen Sommer erlebten die Bewohner besonders betroffener Gebiete eine hohe Hilfsbereitschaft.

Der Bevölkerungsschutz möchte künftig besser einschätzen können, wo sich Menschen bei Katastrophen aushelfen. Das soll den Schutz im Fall von Katastrophen verbessern.

Wuppertal. Im Sommer 2021 erlebten viele Bewohner Wuppertals, speziell in Bezirken wir Beyenburg, hohe Solidarität nach der Hochwasserkatastrophe, die ganze Stadtteile verwüstete. Solche Formen zivilgesellschaftlicher Unterstützungsbereitschaft bezeichnen Forscher der Bergischen Universität Wuppertal als Sozialkapital.

Sie untersuchten das Sozialkapital im gesamten Stadtgebiet und erfassten dazu relevante Kenngrößen wie Altersstrukturen, Wohndauer und mehr. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe fördert und begleitet das Projekt der Autoren Frank Fiedrich, Bo Tackenberg, Lucas Ferl und Tim Lukas. Fiedrich ist Inhaber des Lehrstuhls für Bevölkerungsschutz, Katastrophenhilfe und Objektsicherheit an der BUW.

Bevor dieser Sozialkapital-Radar (oder Sokapi-R) quantifizierbare Werte trägt, muss zunächst Vorarbeit geleistet geleistet werden. Die Autoren setzten sich mit der Bevölkerung der Stadt auseinander und veröffentlichten den „Sozialstrukturbericht für Wuppertal“. „Die Stadt Wuppertal leistet da vorbildliche Arbeit und veröffentlicht regelmäßig Daten. Diese haben wir zusätzlich noch um Gebäudedaten angereichert“, erklärt Bo Tackenberg, einer der Autoren.

Doch dieser Bericht ist nur der erste Schritt auf dem Weg zum Sozialkapital-Radar. „Im Laufe dieses Jahres werden wir eine schriftlich-postalische Bevölkerungsbefragung durchführen. 20 000 Personen werden dabei ausgewählt. Der Fragebogen beschäftigt sich etwa mit der zu erwartenden nachbarschaftlichen Unterstützungsbereitschaft im Quartier – aber auch mit der eigenen Bereitschaft“, sagt Tackenberg.

Der Autor erklärt weiterhin, dass Sozialkapital unter anderem auf sozialem Vertrauen und auch auf Normen der Gegenseitigkeit basiere: „Wenn ich Hilfe erhalte oder erwarte, dann bin ich auch selbst bereit, zu helfen. Überall dort, wo das soziale Kapital optimistischer eingeschätzt wird, dort ist auch die eigene Unterstützungsbereitschaft – aber auch die Erwartung – höher“, erklärt der Soziologe.

Ein solides Wissen über Sozialkapital in einzelnen Quartieren kann in der Praxis in den Bevölkerungsschutz fließen. „Mit diesem Wissen kann der Bevölkerungsschutz schon vor dem Katastrophenfall tätig werden“, sagt Tackenberg. So ließen sich präventiv Handlungsempfehlungen als Teil einer Risikoeinschätzungen aufstellen. „Und im Ereignisfall hilft ein Blick auf den Sozialkapital-Radar um zu prognostizieren, wo sich Menschen im Ereignisfall besonderes gut aushelfen. Das hilft bei der Planung.“

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