Handel

Karstadt und Kaufhof schließen in Düsseldorf

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Noch sind die Lichter an, aber wohl nicht mehr lange: Karstadt und Galeria Kaufhof sollen an der Schadowstraße/ Tonhallenstraße schließen.

Die Traditions-Kaufhäuser in Düsseldorf machen wohl im Oktober dicht, rund 350 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Unklar ist, was aus den Immobilien wird.

Von Alexander Schulte

Düsseldorf. Damit hatten nur Pessimisten gerechnet: An der Schadowstraße schließen gleich beide großen Kaufhäuser, Karstadt und Kaufhof. Ende Oktober soll Schluss sein. Offen ist noch, was aus Karstadt Sports wird. Für die Einkaufsstadt Düsseldorf ein Schlag ins Kontor. Und natürlich für die Schadowstraße als wichtigste Einkaufsmeile der Stadt.

OB Thomas Geisel sagte: „Ich hatte zuletzt gehofft, dass zumindest ein Standort am Wehrhahn erhalten bleibt. Ich werde mit dem Betriebsrat Kontakt aufnehmen und mich dafür einsetzen, dass sozialverträgliche Lösungen gefunden werden.“ Geisel zeigt sich überzeugt, dass die Signa Gruppe den Standort des Kaufhofs mit einer attraktiven städtebaulichen Vision entwickelt, „sodass möglichst viele Arbeitsplätze in der Innenstadt erhalten oder gar zusätzlich geschaffen werden“.

„Das ist sehr schädlich für den Wirtschaftsstandort Düsseldorf“, sagt SPD-Fraktionschef Markus Raub. Dass eins der beiden Häuser auf Dauer nicht zu halten sein würde, damit habe man seit Jahren gerechnet, sagt Raub, insbesondere nach der Fusion von Kaufhof und Karstadt 2018. Auch sein CDU-Kollege Rolf Tups nennt die Schließungen „sehr bedauerlich“. Er glaubt nicht, dass sie sich allein durch die Folgen der Corona-Krise erklären lassen. Tups fürchtet vielmehr, dass Corona nun als Alibi dienen könnte. Vor allem der Onlinehandel grabe den Kaufhäusern das Wasser ab. Er nimmt freilich auch die Düsseldorfer in die Pflicht: „Wer beklagt, dass hier wieder Traditionsgeschäfte verschwinden, muss sich fragen, ob er selbst oft genug dort eingekauft hat.“

Das haben die Kaufhäuser mit Vorgängern wie dem Stern-Verlag und vielen anderen gemein. Generationen von Düsseldorfern verbinden mit dem „In die Stadt fahren“ das Einkaufen oder Stöbern bei Karstadt und/oder Kaufhof an der Schadowstraße.

In erster Linie betroffen sind nun aber die rund 350 Mitarbeiter, die ihren Job verlieren. Der vom Unternehmen mit dem Gesamtbetriebsrat und Verdi ausgehandelte Sozialplan soll unter anderem vorsehen, dass sie für mindestens sechs Monate in eine Transfergesellschaft wechseln können. Zugleich hofft die Gewerkschaft, die Zahl der Filial-Schließungen in Deutschland noch weiter senken zu können. Da sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Auch Helmut Born (Die Linke), lange Betriebsratsvorsitzender im Kaufhof am Wehrhahn, hofft noch auf eine Wende. „Kaufhof und Karstadt an der Schadowstraße müssen Düsseldorf erhalten bleiben. Dafür braucht es ein zukunftsfähiges Konzept. Ob dies mit dem Immobilienbetreiber Benko zu machen ist, ist aber sehr fraglich“, sagt er. Von der Stadtspitze verlangt er, Benko auf keinen Fall das Kaufhof-Gebäude abzukaufen.

Tatsächlich ist noch gar nicht absehbar, was aus den beiden großen Immobilien werden soll, vor allem aus dem denkmalgeschützten Karstadt-Gebäude. Seit 1952 sitzt Karstadt dort, früher gab es auch noch zwei kleinere Filialen in Garath und Oberbilk, die längst geschlossen wurden. Das gilt auch für den Kaufhof an der Berliner Allee, der 1994 in dem charakteristischen Kachelbau des Architekten Egon Eiermanns Horten beerbte, aber Ende 2014 ebenfalls die Segel streichen musste.

Der Kaufhof am Wehrhahn zog im Oktober 1969 in sein neues Domizil mit der weißen Komplettverkleidung ein. Mitte 2000 wurde das Haus umgebaut und bekam die gläsernen Eck-Schaufenster in den oberen Etagen. Die Probleme des Kaufhofs verschärften sich, als 2009 Saturn seine Etagen räumte und damit ein starker Frequenzbringer verschwand, den die „Sportarena“ nie ersetzen konnte.

Somit bleiben nur der Kaufhof an der Kö und das Carschhaus gegenüber übrig. Zu letzterem sagt OB Geisel: „Ich gehe davon aus, dass die Pläne von Signa zum KaDeWe weiter Bestand haben.“ Rainer Gallus, Geschäftsführer des Handelsverbandes NRW Rheinland, richtet seinen Fokus zunächst auf die Schadowstraße, die gerade umgebaut wird: „Es droht das Ende zweier traditionsreicher Frequenzbringer. Umso wichtiger wird es nun, die Schadowstraße zu einer attraktiven Fußgängerzone zu gestalten, die Anbindung an Königsallee und Altstadt gestalterisch aufzuwerten und sich gemeinsam um eine für den Handelsstandort aufwertende Nachnutzung zu bemühen.“

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