Medizin

Kardiologe geht in den Ruhestand – fast

Die Verantwortlichen vom MVZ Medi-Wtal wissen die Arbeit von Dr. Andreas Lauber zu schätzen. Er macht zumindest mit der Szintigrafie weiter. Foto: Andreas Fischer
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Die Verantwortlichen vom MVZ Medi-Wtal wissen die Arbeit von Dr. Andreas Lauber zu schätzen. Er macht zumindest mit der Szintigrafie weiter.

Dr. Andreas Lauber reduziert sein Arbeitspensum und blickt auf medizinische Entwicklungen zurück

Von Martin Lindner

Wuppertal. Der Abschied fällt Dr. Andreas Lauber nicht leicht. 33 Jahre lang kümmerte sich der 68-jährige Kardiologie um die Herzen vieler Wuppertaler und Bergischen, nun hat er den Entschluss gefasst, seine aktive Arbeit in der Praxis weitgehend zu beenden und in eine Art Ruhestand zu treten. „Ich danke allen Patienten von Herzen dafür, dass sie mir über die vielen Jahre die Treue gehalten und mir ihre Herzen anvertraut haben“, sagt er mit einer Prise Wehmut. Erhebende Momente waren für ihn immer, wenn er Patienten mit Herzklappenfehlern nach rund einem Jahr wiedergesehen hat, nachdem sie operiert worden waren, und es ihnen gut ging. Ein Kardiologe operiert nämlich nicht, wie Dr. Lauber erklärt, dies ist die Arbeit eines Herzchirurgen.

„Es ging bei mir auch darum, die Patienten davon zu überzeugen, dass die Operation notwendig ist“, berichtet er. Angst sei bei den Männern und Frauen selbstverständlich gewesen, schließlich musste der Brustkorb aufgeklappt und das Herz stillgelegt werden. Zwei Patienten von hunderten, die bei ihm waren, haben einen solchen Eingriff nicht überstanden, erinnert er sich.

„Ein bisschen mache ich noch.“

Dr. Andreas Lauber wird weiter Szintigrafie betreiben

1988 kam Dr. Lauber nach Wuppertal. Die Wahl fiel auf die Bergische Metropole, weil die Mediziner unbedingt Herzkatheteruntersuchungen durchführen wollten. Das Gerät, das dafür notwendig war, war nach der Großgeräteverordnung aber auf eines pro 500 000 Einwohner begrenzt. Düsseldorf hatte schon eines, Wuppertal bisher keins.

Als sich 28 Jahre später, 2016, der Weg in der Medizin für Lauber langsam dem Ende zuneigte, habe man sich überlegt, was nun zu tun sei: Praxis verkaufen oder übergeben? Die Suche nach Nachfolgern gestaltete sich schwierig. Als der Klinikverbund St. Antonius und St. Josef nachfragte, ob die Praxis nicht als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) Medi-Wtal umgestaltet werden könne, erschien das als beste Lösung.

Dr. Andreas Lauber kam 1988 nach Wuppertal.

Zu der Zeit, als Dr. Lauber seine Ausbildung begann, faszinierte ihn, dass man Herzklappenfehler nur nach dem Geräusch, dem EKG und dem Röntgenbild klassifizieren konnte. „Da wusste man schon, um welchen Herzfehler es sich handelte“, erklärt der Mediziner. Anfang bis Mitte der 60er-Jahre wurden nach dem heutigen Stand der Technik primitive Kugelventilklappen eingesetzt. Sie bestanden aus kleinen Käfigen mit einer Kugel, die sich durch sich ändernde Druckverhältnisse im Herzen hin- und herbewegte. Das Gehäuse bestand dabei aus Metall, das Bällchen aus Kunststoff. Die nächste Generation der Klappen hat nicht mehr mit den Bällchen gearbeitet, sondern mit Deckeln aus Stahl, die auf- und zugingen. Diese werden in weiterentwickelter Form bis heute eingesetzt.

Die neueste Generation von Herzklappen besteht aus tierischem Gewebe von Schweinen. Vorteil: Mit ihnen entfällt die Einnahme von Blutverdünnern, die bei den Klappen aus Metall notwendig ist. „Blut mag kein Metall, bei Kontakt bilden sich Gerinnsel“, erklärt der Mediziner. Menschen, denen diese Herzklappen eingesetzt wurden, müssen die Medikamente ihr Leben lang einnehmen. Nachteil der biologischen Herzklappen ist, dass deren Haltbarkeit auf 15 Jahre begrenzt ist. Neueste medizinische Erkenntnisse erlauben es in einigen Fällen, dass der Brustkorb nicht mehr aufgeschnitten werden muss, sondern die Klappen über einen Herzkatheter eingesetzt werden: ein feiner biegsamer Schlauch, der unter Röntgenkontrolle durch ein Blutgefäß vorgeschoben wird.

So ganz will Dr. Lauber die Medizin, die ihn sein Leben lang fasziniert hat, aber noch nicht loslassen. „Ein bisschen mache ich noch“, sagt der 68-Jährige lächelnd. Jedoch wird er seine Tätigkeit auf eine Untersuchungsmethode beschränken: die Szintigrafie. Dr. Lauber ist einer der wenigen niedergelassenen Kardiologen in der Bundesrepublik, der diese Methode anwendet, bei der die Durchblutung des Herzmuskels durch radioaktives Kontrastmittel untersucht wird. Diese Untersuchungsmethode liegt sonst eher in der Hand von Nuklearmedizinern. „Solange das Gerät funktionsfähig ist, ich Lust habe und mein Dienstherr keine Einwände hat, mache ich das noch weiter“, sagt er. Tipps für gesunde Herzen möchte Dr. Lauber nicht geben. Das meiste sei ohnehin schon aus den Medien bekannt, nämlich dass Rauchen und Übergewicht dem Herzen schaden.

Die Verantwortlichen vom MVZ sind sehr glücklich, ihn als Kardiologen zu haben. „Noch ist er bei uns und hat auch eine feste Stelle, die reduziert ist“, sagt Geschäftsführerin Mariam Pütz. Sobald er das Haus gänzlich verlässt, wird er gebührend verabschiedet, versichert sie. „Er ist ein hervorragender Mediziner.“

Hintergrund

Persönlich: Dr. Lauber wurde in Düsseldorf geboren, hat in der Landeshauptstadt Medizin studiert und dort auch die ersten Schritte als Arzt absolviert. 1988 eröffnete er in Barmen gemeinsam mit einem Kollegen eine eigene Praxis.

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