Einkaufserlebnis

So kann Einzelhandel gegen Online-Riesen bestehen

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Mathias Klein, Carla Müller und Maja Czurak wollen ihren Kunden auch durch Veranstaltungen ein Einkaufserlebnis bieten. 

WUPPERTAL Wuppertaler Modegeschäft „Square Eight“ setzt im Luisenviertel auf ein Einkaufserlebnis. IHK sieht Vorbildfunktion.

Von Andreas Eichhorn

Es waren ihre vielen Ideen, die Mathias Klein und seine Lebensgefährtin Carla Müller vor vier Jahren motivierten, ein eigenes Modegeschäft zu eröffnen. „Wir sind kreative Köpfe und umsetzungsstark“, sagt Klein. Der 30-Jährige war vorher Manager eines Bekleidungsgeschäfts in Bochum, wollte aber sein eigenes Ding machen. Dass er und seine Lebensgefährtin damit an der Friedrich-Ebert-Straße landeten, sei kein Zufall: „Unser Konzept passt nur in ein alternatives Viertel wie das Luisenviertel.“ Am 15. September feiert „Square Eight“ vierjähriges Bestehen.

Das Modegeschäft hat sich auf Kleidung aus Skandinavien spezialisiert: „Das entspricht einfach unserem Geschmack“, sagt Klein und verweist damit bereits auf einen Teil des Erfolgsrezepts, sich im Einzelhandel Wuppertals zu etablieren. Denn man müsse auch hinter dem Produkt stehen, dass man verkaufen möchte, findet der 30-Jährige. „Und man muss Erlebnis und Qualität bieten“ - besonders, um sich vom Onlinehandel abzugrenzen. „Für mich waren das in anderen Städten immer die besten Läden, die man fernab der Einkaufsstraßen entdecken konnte“, sagt Klein.

Das Konzept beinhaltet „Erlebniseinkauf“

Bei „Square Eight“ kann man sich in gemütlicher Dekoration komplett neu einkleiden - von den Schuhen bis zur Sonnenbrille. Dazu gibt es etwas zu trinken aus der Bar - ganz dem Konzept „Erlebniseinkauf“ getreu. Hinzu kommen regelmäßige Veranstaltungen wie Barbeques oder eine Weihnachtsfeier. So habe man sich einen Kreis an Stammkunden aufgebaut. Hinzu kommen Aktivitäten bei Facebook und Instagram sowie eine eigene Homepage, die als „Schaufenster“ dienen soll. Doch vieles entwickle sich über persönliche Kontakte. „Wir leben auch von den Empfehlungen unserer Kunden“, sagt Klein. Einen Onlineshop habe man noch nicht. Denn dafür brauche man ein sehr großes Lager. „Online sollen die Artikel möglichst immer in großer Auswahl vorrätig sein“, so Klein. Das lasse sich derzeit nicht mit dem Qualitätsanspruch des Shops vereinbaren.

FEIER

VERANSTALTUNG Das vierjährige Bestehen feiert „Square Eight“ in der Friedrich-Ebert-Straße 85 am Samstag, 15. September, von 17 bis 22 Uhr. Dabei gibt es Getränke an der Bar, Musik, Bingo, ein Gewinnspiel, Livegrillen und die Präsentation der neuen Herbstkollektion.

Bei der IHK sieht man bei „Square Eight“ einige Kriterien erfüllt, wie sich der lokale Einzelhandel gegen die Konkurrenz von Einkaufszentren und Onlinehandel behaupten kann. „Dort wird ein Lebensgefühl verkauft“, sagt Daria Stottrop, als Leiterin des internationalen Geschäfts bei der IHK. Kleidung, Schuhe und Sonnenbrille seien aufeinander abgestimmt. „Das können Standardläden nicht.“ Das Erlebnis, beim Einkauf oder durch kleine Events, spiele auch eine große Rolle: „Das haben Sie bei Amazon einfach nicht.“ Und wenn das Einkaufserlebnis stimme, spielten auch ein paar Euro mehr oder weniger für die Kunden keine Rolle - zumindest im gehobenen Niveau. Das gehe Hand in Hand mit der persönlichen Überzeugung der Inhaber für ihr Produkt.

„Man braucht eine gute Idee, viel Ausdauer und Herzblut“, ist sich Stottrop sicher. Vor Ort könne man punkten, indem man sich lokal engagiere und dort persönlich bekannt sei. Das Erlebnis habe große Bedeutung: „Es geht nicht mehr um Umsatz pro Quadratmeter, sondern um das Erlebnis pro Quadratmeter“, sagt Stottrop. Ganz klassisch könne der Einzelhandel nach wie vor mit gutem Service punkten.

Beim Sortiment grenzt sich „Square Eight“ immer mehr von den großen Ketten ab. „Wir verabschieden uns immer mehr von den großen Marken“, sagt Klein. Denn für Einzelhandelsgeschäfte gehe es nicht um Umsatz, sondern um Gewinn. Mathias Klein und Carla Müller haben weitere Ideen. „Wir hätten an einer eigenen Kollektion Spaß“, sagt Klein.

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