Tödlicher Angriff in Wuppertal

Kampfhund beißt Malteser „Socke“ tot

+
Für Hunde, deren Rasse als gefährlich gilt, gilt ein Maulkorbzwang. 

WUPPERTAL Das Unglück ereignete sich am Pfingstsonntag vor der Haustür eines Mehrfamilienhauses in Wuppertal. Polizei und Veterinäramt untersuchen den Fall.

Von Michael Bosse

Auch gut fünf Tage nach dem verstörenden Ereignis ist Frank Schnaack und seiner Ex-Frau die tiefe Erschütterung anzumerken. Betrübt und den Tränen nah sitzen die beiden am Küchentisch in der Wohnung der Frau und können es immer noch kaum fassen: Am Sonntagabend wurde ihr gemeinsamer Hund – ein kleiner, acht Jahre alter Malteser mit dem Namen „Socke“ – von dem Hund der Nachbarn angegriffen, gebissen und so schwer verletzt, dass er in einer Tierklinik starb. Die Polizei ermittelt nun gegen die Familie, die den aggressiven Hund – ein Staffordshire Terrier, der zu den sogenannten Kampfhunden zählt – in ihrer Wohnung gehalten hatte.

Lesen Sie auch: Kampfhundesteuer beträgt 1200 Euro

Zu der Tragödie kam es, als die Ex-Ehefrau von Frank Schnaack mit ihrem derzeitigen Lebensgefährten und dem Hund am späten Abend zu der gemeinsamen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus Am Jagdhaus zurückgekehrt war. „Weil die Nachbarn gerade ein Auto entluden, hatten sie die Wohnungs- und die Haustür offengelassen“, erzählt Schnaack. Das nutzte der Hund der Familie offenbar dazu, auf die Treppe vor das Haus zu laufen. Als er von dort aus das zurückkehrende Paar mitsamt „Socke“ sah, sei er sofort aggressiv auf das viel kleinere Tier losgegangen, habe es in den Nacken gebissen und geschüttelt, erzählt Schnaack.

Als die Halterin des Staffordshires den Vorfall bemerkte, versuchte sie mit Pfefferspray ihren Hund von dem anderen Tier zu trennen. Dabei wurde die Ex-Frau von Frank Schnaack verletzt, die immer noch verzweifelt versucht hatte, den angreifenden Hund von „Socke“ zu trennen. Zudem erlitt sie Verletzungen an den Knien, weil sie sich während der Attacke hingekniet hatte.

Nachdem die Tiere getrennt werden konnten, brachten Schnaacks „Socke“ in eine Tierklinik in Haan, wo er trotz einer Notoperation am Dienstag starb. Die Polizei wurde eingeschaltet und ermittelt nun gegen die Nachbarsfamilie wegen fahrlässiger Körperverletzung – wobei es sich dabei um die Verletzungen der Frau handelt, nicht die Verletzungen des Hundes.

Der Hund wurde im Tierheim untergebracht

Die geschädigte Familie erhebt schwere Vorwürfe gegen die direkt unter ihr lebenden Nachbarn. Diese hätten keine Berechtigung gehabt, das Tier zu halten, sagen sie. Vielmehr hätte die Familie den Kampfhund, für dessen Haltung besondere Auflagen gelten, über eine an der Nevigeser Straße lebende Frau erhalten – angeblich zu Besuch. Tatsächlich habe das Tier drei bis vier Monate lang bei den Nachbarn gelebt, so Schnaack. Auch gegen die Vermittlerin des Hundes – die Eigentümerin des Tieres ist – wurde Anzeige erstattet.

Zudem wurde das Bergische Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt in Solingen informiert, das für Wuppertal zuständig ist. Das Amt ermittelt nun, ob bei der Haltung des Hundes alles ordnungsgemäß war. Ein Amtsveterinär soll zudem das Tier begutachten und eine Empfehlung für das weitere Vorgehen abgeben.

Laut Landeshundegesetz gelten für gefährliche Hunde wie American Staffordshire Terrier und Staffordshire Bullterrier besondere Auflagen wie ein Sachkundenachweis zum Halten des Tieres und der Nachweis der verhaltensgerechten Unterbringung. Zudem gibt es eine Maulkorb- und Leinenpflicht für diese Hunderassen. Wer mit seinem Tier eine Verhaltensprüfung ablegt, kann von dieser Pflicht entbunden werden.

ZAHLEN

Hunde In Wuppertal sind derzeit mehr als 16 600 Hunde gemeldet. Die Dunkelziffer der tatsächlich gehaltenen Tiere dürfte allerdings deutlich höher liegen. Die Steuer für einen Hund liegt bei 160 Euro pro Jahr, ab dem zweiten Hund muss der Halter pro Tier 288 Euro zahlen. Für sogenannte Listenhunde – also Tiere, die aufgrund ihrer Physis eine mögliche Gefahr darstellen – müssen Halter 1000 Euro pro Jahr zahlen. Wer mit seinem Tier erfolgreich einen Wesenstest absolviert, wird auf den niedrigeren Steuersatz heruntergestuft.

Die Familie, die den Staffordshire gehalten hat, wollte sich gegenüber der Redaktion nicht zu dem Vorfall äußern und verwies darauf, dass der Fall „bei der Polizei“ liege. Der Hund selbst wurde unterdessen in das Tierheim Velbert gebracht. Schnaack hofft nun darauf, dass das Veterinäramt auch kontrolliert, was mit dem Hund weiterhin geschieht, und verhindert, dass das Tier in falsche Hände gerät. „Es wäre schlimm, wenn dieser Hund wieder zur Vermittlung freigegeben wird“, sagt er.

Mehr zum Thema

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Nach Urteil: Stadt will mit Adolphe Binder reden

Nach Urteil: Stadt will mit Adolphe Binder reden

Die Wupper wird noch erlebbarer

Die Wupper wird noch erlebbarer

Schwerer Unfall in Wuppertal - Auto überschlägt sich

Schwerer Unfall in Wuppertal - Auto überschlägt sich

Im November soll die Trasse asphaltiert sein

Im November soll die Trasse asphaltiert sein

Versuchter Raub: 13-Jähriger in Wuppertal angegriffen - Täter flüchten

Versuchter Raub: 13-Jähriger in Wuppertal angegriffen - Täter flüchten

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren