Betrug

Kampf gegen die Passfälscher

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Der Ausweis des ST-Fotografen ist echt. Das zeigt das blaue Licht, mit dem die Behörden in Remscheid die Dokumente auf ihre Echtheit überprüfen. 

BERGISCHES LAND Remscheid setzt noch auf blaues Licht, um Betrüger zu entlarven. Wuppertal erprobt neue Technik.

Von Axel Richter

Wie viele Fälscher und Betrüger unentdeckt blieben, wissen sie weder in Remscheid noch in Wuppertal. Und damit auch nicht die Summe, um die sie die Städte gebracht haben. Allerdings können die Ordnungsbehörden im Bergischen immer wieder einzelne Täter entlarven: EU- und andere Ausländer, die mit falschen Pässen zu Unrecht Sozialleistungen kassieren. Wuppertal will den Fälscher-Banden jetzt mit moderner Technik auf die Schliche kommen.

Remscheid wartet gespannt auf die Erfahrungen der Kollegen. Im Ämterhaus am Friedrich-Ebert-Platz sind die Mitarbeiter der Ausländerbehörde, von Führerscheinstelle, Ordnungsamt, Standesamt nämlich auf UV-Licht als Hilfsmittel angewiesen. Wird jemand bei ihnen vorstellig, halten sie das Personaldokument unters blaue Licht. „Grobe Fälschungen kann man damit leicht erkennen“, erklärt Jürgen Beckmann, Leiter des Remscheider Ordnungsamtes. Auch wissen die städtischen Mitarbeiter, woran sich echte Dokumente von falschen unterscheiden. Gerade erst haben die Remscheider ihre Kenntnisse unter Beweis gestellt und einen Mann mit gefälschtem Ausweis der Polizei übergeben.

Ähnliche Szenen gab es immer wieder auch im Rathaus von Wuppertal. Doch können beide Städte auch nicht ausschließen, dass sie anderen Dokumentenfälschern auf den Leim gegangen sind.

„Wir haben es mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Dokumenten zu tun“, sagt Yvonne Hartmann, Leiterin des Wuppertaler Einwohnermeldeamtes. „Es gibt viel Missbrauch in diesem Bereich.“ Mit gefälschten Identitäten ist viel Geld zu verdienen. Der Schaden für den Steuerzahler ist enorm, sagt Hartmann. In Bremerhaven zum Beispiel zahlten Stadt, Land und Bund tausendfach Arbeitslosengeld und Sozialleistungen an Bulgaren und Rumänen. Auf Grundlage gefälschter Papiere.

In der Praxis funktioniert die neue Technik so: Bei Behördengängen – bei der Beantragung von Sozialleistungen oder beim Antrag auf die Kraftfahrzeug-Zulassung – wird das Dokument routinemäßig in ein Lesegerät geschoben. Eine Computersoftware gleicht es ab. Erkennt es Unregelmäßigkeiten, schlägt es Alarm. Den bekommen weitere Mitarbeiter auf den Bildschirm, die dann ohne das Wissen des möglichen Betrügers den Ausweis noch einmal prüfen. Bestätigt sich der Anfangsverdacht, informieren sie die Polizei.

In Hamm hat sich die Anschaffung bezahlt gemacht

Zwei dieser Geräte hat Wuppertal in der Erprobung. 1500 Euro kostet das die Stadt pro Gerät und Jahr. Danach wollen die Wuppertaler entscheiden, ob sie daran festhalten und weitere Behörden damit ausrüsten. Die Remscheider verfolgen die Erprobung mit Interesse. Beckmann weiß: Die Fälscherbanden rüsten auf, ihre Dokumente werden den Originalen immer ähnlicher. Allerdings sei die Anschaffung auch eine Frage der Kosten.

DELIKTE

ZUNAHME Die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte erhöhte sich 2017 um 141 Fälle. Das ist ein Plus von 10,7 Prozent. Beim Betrug verzeichnete die Polizei einen Anstieg von 71 Fällen (+ 7,7 Prozent), im Bereich der Urkundenfälschung von 30 Fällen (+ 17,1 Prozent). Dabei handelte es sich auch um Bandenkriminalität.

In Hamm hat sich die neue Technik derweil bezahlt gemacht. Innerhalb eines Jahres konnte die Stadt 35 Fälle von Identitätsbetrug aufdecken. Die 180 000 Einwohner zählende Stadt geht davon aus, dass sie damit einen finanzieller Schaden von 1,75 Millionen Euro verhindern konnte. Das habe sich in der Szene zudem herumgesprochen. Die Folge: Die Fälscherbanden haben ihren illegalen Handel in andere Städte verlagert.

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