Kulturausschuss

Kalkofen soll zum Wahrzeichen werden

Hans-Peter Thomas, Herbert Wagner, Bernd Udo Hindrichs und Christian Hörning (von links) am Kalkofen. Foto: Andreas Fischer
+
Hans-Peter Thomas, Herbert Wagner, Bernd Udo Hindrichs und Christian Hörning (von links) am Kalkofen.

Der Bürgerverein Sonnborn-Zoo-Varresbeck will das Industriedenkmal in Schuss bringen – und mit Veranstaltungen beleben.

Von Manuel Praest

Der Kalktrichterofen soll das Wahrzeichen für die Varresbeck werden. Dieses Ziel hat sich der Bürgerverein Sonnborn-Zoo-Varresbeck auf die Fahnen geschrieben. Eine Arbeitsgruppe um den zweiten Vorsitzenden des Vereins, Christian Hörning, engagiert sich für den Ofen.

Der Kulturausschuss des Rates der Stadt Wuppertal hat sich in seiner jüngsten Sitzung dafür ausgesprochen, noch einmal zu prüfen, welche Möglichkeiten es für eine Sanierung des Viaduktes gibt. Hörning selbst hatte sich in der Ausschusssitzung zu Wort gemeldet und für den Erhalt plädiert. „Das ist sozusagen ein Time-out für uns gewesen“, sagt Bernd Udo Hindrichs, der Vereinsvorsitzende. Es werde an einem neuen Gesamtkonzept gearbeitet, „an dem wir uns auch beteiligen wollen“. Jetzt könne auch der Verein sich in Ruhe Schritte überlegen.

Dass es mit Sicherheit kein Schnellschuss werden wird, ist allen Beteiligten klar; das wird auch beim Ortstermin mit unserer Zeitung deutlich. Aber eine der drei von der Verwaltung ins Auge gefassten Lösungsoptionen kommt für Hörning und seine Mitstreiter gar nicht in Frage: Der Abriss des Viadukts – oder wie es so schön im Verwaltungssprech heißt: der Rückbau, den auch Bezirksbürgermeisterin Ingelore Ockel, die in der Nachbarschaft wohnt, kategorisch ablehnt.

„Das ist kein Totalschaden hier“, betont der zweite Vorsitzende. Natürlich herrsche Handlungsbedarf, und dass das Viadukt seit Jahren eingerüstet ist, „geht gar nicht“, wie Hindrichs ergänzt. Aber das Denkmal am Eskesberg sei der einzige erhaltene Kalktrichterofen in der Region.

Dass der Ofen selbst noch verhältnismäßig gut aussehe, sei vor allem Herbert Wagner zu verdanken, lobt Hörning den ehemaligen Mitarbeiter der Rheinischen Kalkwerke. Seit Jahren leitet Wagner gemeinsam mit Kollegin Ute Sänger immer am ersten Sonntag im Monat die Führungen durch den Ofen – und ist seit dem Tod von Erika Heilmann 2013, die den danach aufgelösten Verein der Kalkofenfreunde mit gegründet hatte, praktisch alleine verantwortlich, das Gelände in Schuss zu halten. „Wenn sonntags die Führung ist, komme ich immer schon am Samstag und mache sauber“, erklärt er. Leider eine Notwendigkeit – und sonst kümmere sich ja niemand. Denn immer wieder gibt es Vandalismusschäden, das Schloss wird geknackt und der Müll rings um den Ofen zeugt von ausgeuferten Partys.

Zukünftig soll es mehr Veranstaltungen geben

Der Verein hofft, dieses Problem durch soziale Kontrolle eindämmen zu können. Schließlich wurde erst in der vergangenen Woche die neue Skateanlage direkt neben dem Ofen eingeweiht. Zugegeben, deren Nutzer dürften einer anderen Altersklasse angehören als die Besucher des Ofens.

Hörning und Hindrichs setzen aber auf ein Generationen übergreifendes Konzept, eine Art Landschaftspark. Schließlich liege die Nordbahntrasse als ehemalige Industrieroute praktisch in der Nachbarschaft. Die und der Ofen gehören doch zusammen, sind sich die beiden mit Hans-Peter Thomas einig, dem letzten Vorsitzenden der Kalkofenfreunde.

Zukünftig soll es mehr Veranstaltungen rund um den Ofen geben. Zum Beispiel ein Adventsfeuer, schlägt Hindrichs vor. Wenn nicht dieses Jahr, „dann spätestens 2018“. Eine weiter

BERGISCHER GESCHICHTSVEREIN

STELLUNGNAHME In der Diskussion um den Erhalt des Kalktrichterofens hat sich auch Prof. Dr. Michael Werling, der Denkmalschutzbeauftragte des Bergischen Geschichtsvereins, zu Wort gemeldet. Werling schreibt unter anderen an den Vorsitzenden des Kulturausschusses: „Ich darf Ihnen schon jetzt mitteilen, dass der komplette Abriss der Rampe und der Ersatz dieser historischen Zuwegung zur Ofenplattform durch eine Spindeltreppe einen erheblicher Eingriff in die Denkmalsubstanz darstellen würde und deshalb aus Sicht der Denkmalpflege niemals genehmigungsfähig ist. Der Ansatz, die auf einer Bogenkonstruktion ruhenden Rampe durch eine moderne Stahlkonstruktion zu ersetzen, ist ebenfalls nicht genehmigungsfähig, weil wir noch über die originale Bausubstanz verfügen. 

NORDBAHNTRASSE Der Kalkofen Eskesberg gehöre zu den wichtigen industriegeschichtlichen Baudenkmalen an der Nordbahntrasse, weshalb seine noch komplett erhaltene Bausubstanz nicht leichtfertig aufgegeben werden dürfe.

e Idee: Eine Beleuchtung, damit der Ofen schon von der Trasse zu sehen ist. „Wir wollen das Denkmal wieder ins rechte Licht rücken“, fasst Hindrichs zusammen. Ein Ziel sei auch die Gewinnung von Helfern, Sponsoren und Fördergeldern für die Sanierung. Hörning ist optimistisch. „Es gibt die Töpfe.“ Man habe ja auch ein bisschen Zeit gewonnen. Vorbild ist das Engagement des Bürgervereins für den Märchenbrunnen im Zooviertel. Der sprudelt jetzt wieder – „und der Kalkofen soll wieder leuchten“. Wer den Arbeitskreis Kalkofen unterstützen will, kann sich an Christian Hörning wenden.

ra.hoerning@mac.com

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Behinderungen im Sonnborner Kreuz
Behinderungen im Sonnborner Kreuz
Behinderungen im Sonnborner Kreuz
Feuerwehr rettet Bewohner aus brennendem Mehrfamilienhaus
Feuerwehr rettet Bewohner aus brennendem Mehrfamilienhaus
Feuerwehr rettet Bewohner aus brennendem Mehrfamilienhaus
Mehrere Baustellen sorgen tagelang für Zugausfälle in Wuppertal - eine Übersicht
Mehrere Baustellen sorgen tagelang für Zugausfälle in Wuppertal - eine Übersicht
Mehrere Baustellen sorgen tagelang für Zugausfälle in Wuppertal - eine Übersicht

Kommentare