Der Kaiserwagen fällt bis Sommer 2022 aus

Sowohl der Kaiserwagen als auch die himmelblaue Wagengeneration der Schwebebahn sind derzeit mehrheitlich in der Werkstatt anzutreffen. Beide Wagen haben Probleme mit den Rädern. Foto: dpa
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Sowohl der Kaiserwagen als auch die himmelblaue Wagengeneration der Schwebebahn sind derzeit mehrheitlich in der Werkstatt anzutreffen. Beide Wagen haben Probleme mit den Rädern. Foto: dpa

Renovierung und Modernisierung dauern länger: Unter dem Lack sind Mikrorisse im Stahl entdeckt worden

Von Andreas Boller

Wuppertal Die Wiederinbetriebnahme des Kaiserwagens der Wuppertaler Schwebebahn verzögert sich bis Sommer 2022. Laut Angaben der Wuppertaler Stadtwerke sind zwar bereits wesentliche Teile der Generalüberholung sowie der Planung für Neuteile weit fortgeschritten, aber im Zuge der laufenden Untersuchungen und Umbaumaßnahmen seien im Herbst neue, unerwartete Schäden an den Rädern erkannt worden.

Für die Touristik in Wuppertal ist das keine gute Nachricht. Die bei Wuppertalern und Besuchern der Stadt sehr beliebten Kaiserwagenfahrten sind die Haupteinnahmequelle von Wuppertal Marketing.

„Die Schäden sind beim Entlacken der Räder entdeckt worden. Unter der Lackschicht sind Mikrorisse aufgetaucht, die man vorher nicht gesehen hat, aber natürlich nicht ignorieren konnte“, berichtet Stadtwerkesprecher Holger Stephan. Sofort eingeleitete Materialuntersuchungen bei externen Prüflabors hätten den Umfang der Schäden offengelegt. Die über 100 Jahre alten, gegossenen Speichenräder weisen unzulässige Risse im Stahl auf. Das jetzt vorliegende Untersuchungsergebnis lasse nicht zu, dass die Räder im Fahrbetrieb weiter verwendet werden können. Es ist nach gutachterlicher Auffassung auch nicht möglich, die Räder für die Testfahrten des neuen Betriebssystems einzusetzen. Auch eine Reparatur ist nach Aussage der Experten nicht möglich.

Da kein Hersteller Schwebebahn-Speichenräder auf Lager hat, müssen die Räder komplett neu hergestellt werden. „Wir sind überzeugt, dass wir einen Hersteller finden werden. Doch so weit sind wir noch nicht“, sagt Holger Stephan. Die Fachplanung und Produktion der neuen Räder werde mindestens zwölf Monate dauern. Da erst anschließend mit den Testfahrten, den abschließenden Prüfungen und dem Genehmigungsverfahren bei der Technischen Aufsichtsbehörde begonnen werden könne, sei die Inbetriebnahme vor Sommer 2022 nicht möglich.

Seit 1901 hat der Kaiserwagen vier Millionen Kilometer zurückgelegt

Der Kaiserwagen der Baureihe 00 wurde 1900 in Dienst gestellt, mit ihm unternahm Kaiser Wilhelm II. am 24. Oktober 1900 eine Probefahrt. Seinen Linienbetrieb nahm der Kaiserwagen am 1. März 1901 auf. Seitdem hat er rund vier Millionen Kilometer zwischen Vohwinkel und Oberbarmen zurückgelegt. Der Kaiserwagen, der vor allem für touristische Zwecke eingesetzt wird, ist seit November 2018 nicht mehr in Betrieb, als sich nahe der Station Stadion/Zoo eine Stromschiene vom Gerüst löste. Der Zwischenfall hatte eine bis August 2019 dauernde Vollsperrung der Strecke zur Folge. Danach begann der Betrieb der neuen Bahnen mit einem modernen Betriebssystem, auf das der Kaiserwagen noch umgerüstet werden muss.

Während die Arbeiten der WSW zur Wiederaufnahme des Regelbetriebs der Schwebebahn im August 2021 im Plan liegen, wird sich die Inbetriebnahme des Kaiserwagens nach seiner Generalüberholung bis Sommer 2022 verzögern, was vor allem für die Wuppertal Marketing GmbH schmerzlich ist. Geschäftsführer Martin Bang spricht mit einer Portion Galgenhumor von einer „schönen Bescherung“. Natürlich habe er sich mehr Tempo bei der Restaurierung gewünscht, aber er befürworte, dass die WSW noch einmal alle Details auf Herz und Nieren prüfe, damit „sichergestellt ist, dass der Kaiserwagen dann auf viele Jahre einsatzfähig und die Sicherheit der Fahrgäste gewährleistet ist.“

Verständnis äußert Martin Bang dafür, dass der Kaiserwagen nicht ganz oben auf der Prioritätenliste der Wuppertaler Stadtwerke stehe. „Die höchste Priorität liegt bei der Aufrechterhaltung des Öffentlichen Nahverkehrs“, so Bang. Die Marketing GmbH müsse mit neuen Impulsen und Ideen auf die Verzögerung reagieren. Im Souvenirbereich habe man im November die bisher höchsten Umsätze erreicht. Das trage dazu bei, das dünne Finanzgerüst der Marketing GmbH stabil zu halten. Die Stadtmarketinggesellschaft wird finanziell von der Stadt und zahlreichen Wuppertaler Unternehmen und Einrichtungen unterstützt.

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