Juwelier-Mord: Prozess ab Ende August

Große Anteilnahme nach dem brutalen Überfall auf dem Werth, bei dem eine Verkäuferin (33) starb. Eine weitere Angestellte des Juweliergeschäftes wurde schwer verletzt. Foto: Archiv

ÜBERFALL Nach den tödlichen Schüssen im Oktober 2012 in Barmen müssen Angeklagte mit lebenslanger Haft rechnen.

Von Andreas Spiegelhauer

Wuppertal. Es war die brutalste Gewalttat, die Wuppertal in der jüngsten Vergangenheit erleben musste: Am späten Nachmittag des 17. Oktober 2012 überfielen zwei Männer ein Juweliergeschäft am Werth. Dabei erschossen sie eine langjährige Angestellte (33) und verletzten deren Kollegin (25) schwer. Noch am selben Abend nahm die Polizei zwei Männer (38, 23) aus Montenegro fest. Jetzt wird dem Duo vom Balkan der Prozess gemacht. Ab Ende dieses Monats müssen sich die beiden Männer unter anderem wegen Mordes, versuchten Mordes und Raubes mit Todesfolge vor dem Landgericht verantworten.

„Es geht um eine Tat, die in ihrer Sinnlosigkeit nicht zu überbieten ist.“

Carsten Rebber Opfer-Anwalt

VORSTRAFENVERHAFTET Der Ältere der beiden Angeklagten ist vorbestraft. Während sich sein mutmaßlicher Komplize (23) in Untersuchungshaft befindet, verbüßt der 38-Jährige seit seiner Festnahme eine Straftat aus einem alten Verfahren – bis zum Jahr 2015.Die Ermittler gehen davon aus, dass die Angeklagten aus Habgier gemordet haben und mit den Schüssen die Zeuginnen des Überfalls beseitigen wollten. Die beiden Männer haben unmittelbar nach ihrer Festnahme durch Spezialkräfte der Polizei auf einer Schnellstraße bei Bergheim den Überfall und die Schüsse gestanden.

Allerdings soll einer der beiden gesagt haben, er habe geglaubt, eine Gaspistole in der Hand zu halten. Laut Anklage wurde bei den Männern eine FN Browning (Kaliber 7,65) gefunden. Und wie unsere Zeitung erfuhr, haben die Ermittler damit probeweise geschossen. Ergebnis: Die Waffe funktioniert.

Wie berichtet, gibt es ein Video aus der Überwachungskamera, auf dem die Täter zu erkennen sein sollen. Außerdem sollen die Angeklagten am Tag des Überfalls mehrfach bei dem Juwelier gewesen sein und vorgetäuscht haben, Gold verkaufen zu wollen. Bei ihrem dritten Besuch fielen die Schüsse.

Bei der 33-Jährigen habe der Ältere der Angeklagten die Waffe nahezu direkt an den Kopf gehalten und geschossen. Auch auf die jüngere Verkäuferin wurde mehrfach geschossen. Sie überlebte wahrscheinlich nur, weil sie sich in ihrer Angst tot gestellt haben soll. Die Tat, die auf dem Video zu sehen ist, soll teilweise wie eine Hinrichtung wirken.

Wie berichtet, haben sich verschiedene Gerüchte über einen Auftragsmord, eine Beziehungstat oder eine ausländerfeindliche Tat nicht bewahrheitet.

Weil die Angeklagten aus Couillet in Belgien angereist waren, nahmen die Fahnder Kontakt zu den Kollegen dort auf. Ergebnis der Recherchen in Belgien: Das Duo soll in Finanznot gewesen sein und habe in Wuppertal Geld „verdienen“ wollen. Der Ältere soll vor vielen Jahren in Barmen gelebt haben und kannte sich vor Ort aus. Das Motiv sieht die Staatsanwaltschaft nach wie vor in der Beute. Die war gering: Nach den Schüssen habe sich das Duo lediglich ein paar Ringe und wertlose Papiere gegriffen.

Für den Prozess sind bislang neun Verhandlungstage vorgesehen. Die Anklage listet mehr als 30 Zeugen auf. Die jüngere Verkäuferin und Hinterbliebene der getöteten 33-Jährigen wollen als Nebenkläger am Prozess teilnehmen. Carsten Rebber – er vertritt als Opferanwalt den Ehemann der 33-Jährigen: „Es geht um eine Tat, die in ihrer Sinnlosigkeit nicht zu überbieten ist.“

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Warnungen vor Sturzfluten blieben ungehört
Warnungen vor Sturzfluten blieben ungehört
Warnungen vor Sturzfluten blieben ungehört
Fenster fliegen aus einem Wuppertaler Gebäude
Fenster fliegen aus einem Wuppertaler Gebäude
Fenster fliegen aus einem Wuppertaler Gebäude
Treibgut drückt gegen Brücken
Treibgut drückt gegen Brücken
Treibgut drückt gegen Brücken
Ampel bei Unfall schwer beschädigt
Ampel bei Unfall schwer beschädigt
Ampel bei Unfall schwer beschädigt

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare