Junge Betroffene will Frauen Mut machen

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Die 23-jährige Marie Melchers leidet an Endometriose. Sie und ihr Freund Kevin Gentz (29) möchten anderen Betroffenen Mut machen. Foto: Marie Melchers

Die 23-jährige Remscheiderin Marie Melchers leidet an Endometriose, einer unheilbaren Krankheit. Melchers will öffentlich aufklären.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Gerade sind es Schmerzen im Bein oder im Rücken. Gleich könnten Magen- und Darmkrämpfe hinzukommen. Und bei manchem Spaziergang durch die Stadt steigt plötzlich die Übelkeit auf: Die 23-jährige Remscheiderin Marie Melchers leidet an Endometriose. Die bislang unheilbare, chronische Krankheit betrifft Frauen. Dabei treten Zysten und Entzündungen auf, die sich vorrangig an Eierstöcken, Darm oder Bauchfell ansiedeln. In selteneren Fällen kann es auch außerhalb des Bauchraums zu Endometrioseherden kommen (" siehe Experten-Interview). Das Tückische: Da die Krankheit so viele Facetten hat, dauert es, bis Betroffene eine Diagnose erhalten.

So auch bei Marie Melchers. „Es fing vor acht Jahren an mit Kopfschmerzen“, erzählt die Remscheiderin, die eine Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen macht. „Ich war erst wegen Verdacht auf Migräne beim Neurologen, dann beim Psychologen. Ich dachte, es stimmt was nicht mit mir.“ Es folgten Schmerzen in Bein und bei der Regelblutung, die so stark waren, dass sie wie betäubt auf dem Boden lag. „Ich ging dann zum Urologen, weil ich dachte, ich hätte einen Harnwegsinfekt.“

Ein halbes Jahr lang habe sie ein Antibiotikum erhalten – „völlig unnötig“, wie sie heute weiß. „Ich erhielt auch die völlig falsche Diagnose Refluxkrankheit der Nieren – was ich aber gar nicht hatte.“ Ende 2018 habe sie sich an ihre Frauenärztin gewandt. Die habe einen Ultraschall gemacht – und „etwas gefunden“. Nur was, das konnte die Gynäkologin nicht sagen.

Nach der nächsten OP begibt sie sich in die Kinderwunschklinik

Sie sei dann im Februar dieses Jahres im Bethesda-Krankenhaus Wuppertal operiert worden. Denn: „Die Endometrioseherde sieht man nur durch einen Bauchschnitt.“ Der Chirurg habe die OP abgebrochen und ein Spezialteam hinzugezogen. Die Mediziner fanden eine Zyste mit fünf Zentimetern Durchmesser hinter der Gebärmutter. „Nur die Hälfte wurde ausgebrannt“, erklärt Melchers. Zu gefährlich. „Es besteht nun das Risiko, dass demnächst die komplette Gebärmutter entfernt werden muss.“ Daher ist die 23-Jährige jetzt gezwungen, sich mit dem Thema Familienplanung zu beschäftigten. Nach ihrer nächsten OP im Endometriosezentrum Herdecke begibt sie sich daher in die Kinderwunschklinik.

Auch an der Psyche nagt die unheilbare Krankheit. „Ich war lange Zeit allein. Keiner hat mich verstanden.“ Freundschaften zerbrachen, Marie Melchers zog sich zurück. Hilfe fand die Remscheiderin im Internet. Auf Facebook und Instagram gibt es Frauen, die sich gegenseitig Mut machen, Tipps geben. „Endogirls“ nennen sie sich. Jede zehnte Frau in Deutschland ist betroffen.

Nun ist Marie Melchers auch ein „Endogirl“: Auf Instagram gibt sie Betroffenen Tipps, tauscht sich mit anderen Frauen aus. „Ich will zeigen: Man ist nicht allein. Aber man hat viele Fragen. Bei Insta gibt es immer schnell eine Antwort.“ Unterstützung bekommt die Remscheiderin von ihrem Freund Kevin Gentz (29). „Wenn ich ihn nicht hätte, würde ich untergehen. Man braucht jemanden, der einem den Rücken stärkt.“

Frau Eikholt, was ist Endometriose genau?

Kathrin Eikholt: Endometriose ist Gebärmutterschleimhaut, die sich an den falschen Stellen im Körper, also außerhalb der Gebärmutter, ansiedelt. Da sie aber ebenfalls hormongesteuert ist, blutet sie genauso, bildet Verwachsungen und wird bei Kinderwunsch insbesondere in den Eileitern ein Problem, die dadurch verkleben können.

Welche Symptome zeigt die Erkrankung Endometriose?

Eikholt: Schmerzen, vor allem während der Periode, beim Geschlechtsverkehr, beim Wasserlassen oder Stuhlgang und allgemein im Unterbauch.

Was sind die Ursachen?

Eikholt: Da ist sich die Wissenschaft noch nicht sicher, aber es gibt zwei Theorien: Die „Transplantationstheorie“ geht davon aus, dass durch sogenannte rückläufige Menstruation Schleimhautzellen und Blut über die Eileiter in den Bauchraum gelangen. Bei der „Metaplasietheorie“ wird davon ausgegangen, dass schon während der embryonalen Entwicklung Zellen im Körper falsch als Gebärmutterschleimhautzellen programmiert werden.

Welche Heilungs- und Therapiechancen bestehen?

Eikholt: Eine Heilung ist schwierig. Es gibt medikamentöse Hormontherapien, mit denen der Körper entweder sozusagen in die Wechseljahre versetzt wird oder alternativ eine Gestagenpille im Langzyklus gegeben wird, um die Endometrioseherde abzutrocknen. Aber die sind mit Nebenwirkungen verbunden. Operative Therapieformen reichen von Bauchspiegelung bis -schnitt, teilweise mit der Notwendigkeit der Organentfernung. Die beste Therapie ist eine Schwangerschaft – allerdings ist gerade das bei einem Teil der Betroffenen besonders schwierig.

Wann sollten Frauen einen Arzt aufsuchen?

Eikholt: Bei unklaren Schmerzen im Bauchraum, beim Wasserlassen und bei starkem Periodenschmerz. mw

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