Sozialarbeiter sind vor Ort

Integrationsprojekt: „Das braucht Zeit und Kontinuität“

In der Anilinstraße am Fuße des Nützenbergs im Elberfelder Westen wohnen viele Menschen unterschiedlicher Herkunft. Sozialarbeiter sind vor Ort. Archivfoto: Andreas Fischer
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In der Anilinstraße am Fuße des Nützenbergs im Elberfelder Westen wohnen viele Menschen unterschiedlicher Herkunft. Sozialarbeiter sind vor Ort.

Wuppertal. Sozialarbeiter unterstützen Familien in Wuppertal. Ein Schwerpunkt ist die Anilinstraße.

Von Anne Palka

Ein bisschen Small Talk, gemeinsam ein ungeöffnetes Schreiben einer Behörde öffnen, die Frage danach, wie es dem Kind in der Schule geht: So werden Kontakte und Vertrauen mit den Sozialarbeitern aufgebaut. Elf Sprachen beherrschen die 15 Mitarbeiter. Das ist ein wichtiger Teil des Projekts „Zuhause in Wuppertal“, das seit Anfang des Jahres läuft.

Es richtet sich vor allem an Zuwanderer aus der EU, möchte ihre Lebenssituation verbessern – für die Menschen selbst und für das Zusammenleben in Wuppertal. An der Anilinstraße am Fuße des Nützenbergs wohnen viele Menschen mit einer Zuwanderungsgeschichte. Für dieses Beispiel hat das städtische Ressort für Zuwanderung und Integration jetzt eine Zwischenbilanz des Projekts vorgestellt.

In der Präsentation im Ausschuss für Gleichstellung und Antidiskriminierung sind Fotos zu sehen. Im März lag Müll auf Gehwegen, auf der Straße, auf Hinterhöfen; im August sah der Straßenzug deutlich aufgeräumter aus. „Das Projekt ist ein guter Ansatz, aber natürlich keine Garantie dafür, dass die Anilinstraße immer top aussieht“ , sagt Arlin Cakal-Rasch, Fachbereichsleiterin im Zentrum für Integration, Bildung und kulturelle Vielfalt.

Bis November hatten die Sozialarbeiter Kontakt mit 21 Haushalten und drei Eigentümern von Immobilien an der Anilinstraße, außerdem haben sie zwischendurch einige Gespräche auf der Straße geführt. Sieben Haushalte wurden in das Projekt aufgenommen, werden also langfristig begleitet – bei allem, was gerade ansteht, was sie beschäftigt, wobei sie sich Unterstützung wünschen. „Das ist jetzt noch nicht das Ende der Geschichte. Das braucht Zeit und Kontinuität“, sagt Arlin Cakal-Rasch.

„Wenn man sagt, man ist eine zehnköpfige Familie aus Rumänien, dann findet man keine Wohnung.“

Arlin Cakal-Rasch, Zentrum für Integration, Bildung und kulturelle Vielfalt

Bei den Mietern gibt es eine hohe Fluktuation, es ziehen Menschen hin, es ziehen Menschen weg. Das Ziel ist, auf neue Mieter direkt zuzugehen. „Wir möchten Familien unterstützen, und nicht in eine Täterposition drängen: ‚Ihr habt den Müll dort hingeschmissen.’ Wir möchten die Gründe angehen, die dahinter liegen.“

Bei einer Analyse der Situation wurde deutlich, dass die Probleme der Familien vielfältig sind. Bei einigen sind es fehlende Deutschkenntnisse und wenig Wissen über Rechte und Pflichten. Einige haben keine Krankenversicherung, keine Verträge für ihre Arbeitsstellen und Wohnungen, wissen nichts von Mindestlohn, Urlaubsanspruch und Mülltrennung. Und darüber, wo sie Unterstützung bekommen können. Die Sozialarbeiter sind vor Ort. Im Projekt „Zuhause in Wuppertal“ arbeiten verschiedene Institutionen eng zusammen: das städtische Ressort für Zuwanderung und Integration, das Jobcenter, Caritas, Diakonie, die Sozialtherapeutische Kinder- und Jugendarbeit, der Internationale Bund, die Alte Feuerwache.

Wenn es um das Müllproblem geht, stehen sie auch mit der AWG in Kontakt und mit den Vermietern. Sie machen zum Beispiel auf fehlende Mülltonnen aufmerksam – eine kleine Änderung kann da viel bewirken. „Jeder bringt auch andere Möglichkeiten mit“, sagt Arlin Cakal-Rasch über die Zusammenarbeit.

Die Integrationsarbeit wird systematisch angegangen, und gleichzeitig an den Bedarf von einzelnen Menschen angepasst. So konnte durch das Projekt zwei Großfamilien schon geholfen werden, eine neue Wohnung zu finden. „Wenn man sagt, man ist eine zehnköpfige Familie aus Rumänien, dann findet man keine Wohnung“, erzählt Cakal-Rasch. Über den Kontakt zu einer Hausverwaltung konnten die beiden Familien aber umziehen.

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