Verkehr

Initiative kritisiert Wuppertals Radwege scharf

An der Einmündung der Friedrichstraße auf die Neumarktstraße komme es oft zu Konflikten mit Busfahrern, so Cycleride.
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An der Einmündung der Friedrichstraße auf die Neumarktstraße komme es oft zu Konflikten mit Busfahrern, so Cycleride.

Stadt erhält Negativ-Auszeichnung „Silberner Pannenflicken“ – Rathaus verweist auf enge Straßen.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Die Stadt Wuppertal hat erneut einen Negativpreis für Radwege erhalten: Die Initiative Cycleride hat ihr für die Verbindung zwischen Mirker Bahnhof und Hauptbahnhof den „Silbernen Pannenflicken“ verliehen. Diese heftige Kritik wird von heimischen Experten nicht geteilt, wenn es auch grundsätzliche Kritik am schleppenden Ausbau der Radverkehrswege gibt. Im vergangenen Jahr hatte die Initiative Wuppertal den Goldenen Pannenflicken verliehen.

Von einer „abenteuerlichen Wegführung“ ist in der Begründung für den Negativpreis zu lesen, auch die weitere Kritik ist oft polemisch. Fotos und Videos dokumentieren auf der Internetseite der Initiative die Gefahrenstellen. „Vieles wurde nicht zu Ende gedacht, gegen zahlreiche Vorschriften massiv verstoßen“, so der Vorwurf.

Die Friedrichstraße ist nun mal eng. Wir können sie nicht breiter machen.

Klaus Lang, ADFC, ist mit der „Auszeichnung“ nicht glücklich

So fehle etwa eine eigene Ampel für Radfahrer an der Kreuzung Friedrichstraße/Karlstraße, sei die Friedrichstraße in ihrem unteren Teil neben dem Elberfelder Verwaltungshaus zu eng, Radfahrer könnten entgegenkommenden Fahrzeugen nur ausweichen, wenn sie die Fußwege nutzen. Dort handelt es sich um eine für Radfahrer geöffnete Einbahnstraße. Besonders viel Kritik wird an der Situation an der Einmündung der Friedrichstraße zur Neumarktstraße geäußert: Dort nähmen Busse regelmäßig die Kurve zu großzügig und gefährdeten damit Fußgänger und Radfahrer, von einer „brutalen Rücksichtslosigkeit der Wuppertaler Busfahrer“ ist die Rede.

Im weiteren Verlauf der Strecke gibt es Negativpunkte für die neue Markierung auf der Isländer Brücke. Von der Brücke können Radfahrer auf den Zweirichtungsradweg abbiegen, der sie unter der Döppersberg-Brücke her bis zur Kreuzung Brausenwerth bringt. Dafür gibt es auf der Isländer Brücke eine eigene Radfahrer-Abbiegespur für Radfahrer. Doch der Platz sei dort zu klein, die Abbiegespur werde ebenfalls regelmäßig überfahren, so der Vorwurf.

Stadtsprecherin Martina Eckermann sagt: „Ich gehe davon aus, dass eine Anfrage um Stellungnahme auch in diesem Jahr nicht erfolgt ist, so dass uns jede Möglichkeit genommen wurde, die von Cycleride geschilderten Missstände nachzuvollziehen.“ Dass die Pressemitteilung mit einem Foto von einem Falschfahrer auf einem Radweg illustriert ist, hält sie für fragwürdig.

Cycleride erklärt auf seiner Internetseite, allen kritisierten Städten im Vorfeld Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. „Wir haben keinerlei Reaktion aus Wuppertal erhalten“, erklärt der Vorsitzende Ralf Epple auf Nachfrage. Er vermutet, dass es an dem Ärger im letzten Jahr liegt: „Offenbar ist man ziemlich sauer auf uns. Aber so ist das nun mal bei gefährlichen Radverkehrsplanungen in einer solch großen Stadt.“

Dabei kann Martina Eckermann grundsätzlich zustimmen, dass es am besten wäre, Auto- und Radverkehr zu trennen. Aber die Friedrichstraße sei zum Beispiel nicht breiter. „Wir müssen mit dem arbeiten, was wir haben.“ Sie versichert zudem: „Wir beschäftigen uns mit jeder Kritik.“ So sei ja auch die Situation am Wall durch Verlegung der Taxistände entschärft worden. Die Stelle hatte Cycleride im vergangenen Jahr kritisiert, dabei war die Veränderung schon auf den Weg gebracht. Daran erinnert auch Klaus Lang, Vorsitzender des Radfahrerverbands ADFC. Er lässt durchblicken, dass er mit der „Auszeichnung“ nicht glücklich ist. Es gebe natürliche einige Stellen in der Stadt, die aus Radfahrersicht schwierig sind. Zu den konkret vorgeworfenen Kritikpunkten sagt er: „Die Friedrichstraße ist nun mal eng. Wir können sie nicht breiter machen.“

Lang: Der Stadt fehlt das Personal

Auch auf der Isländer Brücke sei nicht viel Platz. „Wir sind ja froh, dass es mit dem Umbau der Friedrichstraße zur Fahrradstraße endlich eine durchgehende Verbindung zwischen Nordbahntrasse und Hauptbahnhof gibt.“ Lang ist eher grundsätzlich frustriert: „Es passiert ja gar nichts mehr in Wuppertal.“ Der Umbau der Friedrichstraße sei offenbar das letzte große aktuelle Projekt. Die Fortsetzung des Radwegs Unterdörnen sei erst in der Planung. „Sonst ist nichts mehr in der Pipeline.“ Der Stadtverwaltung fehle Personal. Im Bereich Nahmobilität sei derzeit Nora Peinelt, die Beauftragte für den nichtmotorisierten Verkehr, allein, eine weitere Stelle werde erst am 1. September wieder besetzt. Damit fehlten auch Personen, die Anträge auf Fördergeld stellen können: Radverkehrsprojekte würden oft bis zu 90 oder 95 Prozent gefördert, etwa die Hatzfeldtrasse.

Initiative

Cycleride ist nach eigenen Angaben auf der Internetseite „eine bundesweite Initiative von Radfahrern für eine praxistaugliche Radverkehrspolitik“. Seit 2006 verleiht sie den Negativpreis „Pannenflicken“. Über die Auszeichnung zu entscheiden, seien alle 200 Mitglieder eingeladen, dazu ein externer Fachjuror, so die Auskunft des Vorsitzenden.

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