Pandemie

In Peking gibt´s wieder ein (fast) normales Leben

Die Wuppertalerin Julia Dörnen lebt seit über 20 Jahren in Peking. Foto: Dörnen
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Die Wuppertalerin Julia Dörnen lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Eine Wuppertalerin berichtet, wie sie die Pandemie in China erlebt

Von Miriam Karout

Wuppertal. Schon im Januar des vergangenen Jahres schickte Julia Dörnen eine Art Pandemie-Tagebuch an ihre Freunde und Verwandten in Deutschland. Die gebürtige Wuppertalerin lebt seit über 20 Jahren in Peking und erlebte, wie die Pandemie in China zuerst ihren Lauf nahm. Mittlerweile ist der Alltag fast wieder normal, Clubbesuche und Abendessen im Restaurant sind wieder möglich - die Maske und Kontakthinterlegung aber bleiben bestehen.

„Wir hatten hier natürlich erstmal 2003 im Hinterkopf, Sars 1“, erinnert sich Julia Dörnen an die Anfänge der Corona-Pandemie in Peking. Das habe zunächst dazu geführt, dass die Leute zuhause blieben und sehr verängstigt waren. „Vor allem Leute in Hochhäusern, die durch das Nadelöhr, den Aufzug, müssen, oder auf den ÖPNV angewiesen waren, blieben zuhause“, so Dörnen.

Um ihre Familie und Verwandte zu informieren, wie es ihnen ergehe und wie die Situation in Peking ist, schrieb Julia Dörnen eine Art Tagebuch über den ersten Monat der Pandemie. Am Ende ihres Tagebuchs, Ende Februar 2020 also, sei ihr erst bewusst geworden, dass ihre Erlebnisse in Peking wie ein Blick in die Zukunft für Europa und Deutschland waren. Auf beiden Seiten. Sowohl die Gesundheitskrise als auch die Wirtschaftskrise erlebten Dörnen und ihre Familie wenige Wochen vor Deutschland.

Schaue man aktuell auf Peking, fällt es auf den ersten Blick nicht auf. Die Menschen tragen weiterhin Masken, aber auch das sei aufgrund des Smogs in der Millionenstadt nicht ungewöhnlich. Aber über die Super-App „WeChat“ muss man sich an öffentlichen Gebäuden scannen, beim Einkaufen und Restaurantbesuch auch. Jeder Mensch hat über die App einen Code, der gescannt wird und zeigt, ob man sich zuvor in einem Hotspot-Gebiet aufgehalten hat. Anders als bei der Corona-Warn-App funktioniert das Programm nicht über Bluetooth, sondern mit GPS-Daten. „Das kann man sich hier nicht aussuchen“, meint Dörnen. „Wenn man das nicht aushalten kann, dann muss man gehen.“ Ohne App und Smartphone funktioniert es nicht.

Doch so ist der Alltag fast wieder normal. „Meine Tochter wird am Freitag sicherlich wieder in den Club gehen, ich war gestern zum Essen verabredet“, sagt Dörnen. Im Kino müsse man Karten vorbestellen, in den öffentlichen Parks müsse man sich teilweise vorher anmelden. „Im Prinzip ist unser Leben fast wie vorher, wir haben nur noch minimale Einschränkungen.“

Dörnen ist zuständig für Training und Kommunikation interner Regeln (Compliance) bei Siemens in Peking. Auch hier muss sie sich mit der App jeden Tag registrieren, um ins Gebäude zu kommen. Zu Beginn der Pandemie habe sie zwei Wochen im Homeoffice verbracht. Ihre Tochter war fast acht Monate lang im Distanzunterricht.

Massives Testen steht auf der Tagesordnung

Die chinesische Regierung sei von Anfang an strikt gewesen und die Bevölkerung habe es mitgetragen. „Ich habe wenig knurren und murren gehört“, so Dörnen. „Ich habe mich über die Maskendebatte in Deutschland gewundert. Hier trägt jeder eine Maske. Es hält ausgeatmete Luft ab und wirkt gegen Erkältungen, das nie jemand angezweifelt.“ Nach dem Motto „es wird schon nicht schaden“ seien Chinesen in Dörnens Augen ein wenig pragmatischer als die Deutschen. Obwohl nun fast wieder Normalität herrscht, gehe Dörnens chinesische Schwiegerfamilie bis heute kaum raus. Da seien sie aber in der Minderheit.

Am Donnerstag, den 11. März, sei schon der 38. oder 39. Tag in Folge, an dem in Peking keine neuen Corona-Fälle gezählt wurden. Trotz massiver Testungen. „Das geht hier rapp zapp“, beschreibt Dörnen das Testen. „Im Herbst habe ich aus meinem Schlafzimmerfenster beobachtet, wie tausende Auslieferjungs getestet wurden. Innerhalb kürzester Zeit.“ Auch die Digitalisierung sei in China fortgeschrittener. Es gebe kaum Leute in Shanghai und Peking, die kein Smartphone besitzen.

Ursprünglich hatten Dörnen und ihre Familie geplant, in den nächsten Jahren zurück nach Deutschland zu kehren. Nach dem Abitur ihrer 17-jährigen Tochter. In einen Lockdown in Deutschland möchte Julia Dörnen aber nicht. Peking sei ihr Zuhause. Eine spannende Stadt, in der es Spaß mache und die sich unglaublich schnell verändere. Nun wünscht sich Julia Dörnen aber, dass „sich alle zusammenreißen“. Als Deutsche in Peking Lebende seien sie und ihre Familie eingeschränkt, hätten seit über einem Jahr nicht nach Deutschland fliegen können. Es ist eben eine globale Pandemie.

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