Sicherheitsdienst eingesetzt

Impfwillige randalieren in Wuppertaler Rathaus

Im Barmer Rathaus gibt es montags, dienstags, mittwochs und donnerstags ein Impfangebot.
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Im Barmer Rathaus gibt es montags, dienstags, mittwochs und donnerstags ein Impfangebot.

In der vierten Welle der Pandemie kochen die Emotionen hoch, auch im Barmer Rathaus. Außerdem werden erste Veranstaltungen coronabedingt abgesagt.

Von Andreas Boller und Jonas Meister

Wuppertal. In der vierten Welle der Pandemie kochen die Emotionen hoch, auch im Barmer Rathaus. Am Mittwoch gerieten Mitarbeiter der dortigen Impfstelle unter Druck, nachdem mehreren wütenden Impfwilligen die Spritzen versagt werden mussten. Der Grund: Sie wollten sich früher als es die Sechs-Monate-Frist vorsieht, ihre dritte Impfung abholen

.„Wir sagen ganz klar, dass es die Booster-Impfung in Wuppertal erst sechs Monate nach der zweiten Impfung geben wird und keinen Tag früher“, so Johannes Slawig, Leiter des Krisenstabs, in einer Pressekonferenz der Stadt am Donnerstag. Zu den chaotischen Szenen im Barmer Rathaus sei es gekommen, weil die Bundesregierung mit ihren Aussagen diese Frist in den letzten Tagen teilweise aufgeweicht habe, ohne dass für diesen Ansturm die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen worden seien.

„Diese unangenehmen Szenen kamen durch die wirre Kommunikation aus Berlin zustande. Dass unsere Mitarbeiter, von denen viele noch Studenten und Auszubildende sind, hier verbal massiv angegriffen werden, ist absolut inakzeptabel“, so Johannes Slawig. „Deshalb werden wir nun dafür sorgen, dass sich das, was sich dort abgespielt hat, nicht mehr wiederholt.“ Aus diesem Grund hat die Stadt für die Impfstelle im Barmer Rathaus jetzt einen privaten Security-Dienst engagiert.

Wuppertaler Ärzte fordern klare Impf-Regelungen aus der Politik

Oberbürgermeister Uwe Schneidewind und der Leiter des Krisenstabs informierten über die aktuelle Corona-Lage. Der Fokus lag auf der Erhöhung der Impfkapazitäten. Besonders gefragt sind aktuell die Auffrischungsimpfungen. Anfragen nach Impfterminen laufen derzeit nicht nur bei der Stadt, sondern auch massenweise bei den niedergelassenen Ärzten auf. Dr. Andre Altermann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Wuppertal, hatte zu bedenken gegeben, dass die Ärzte von den Aussagen des Gesundheitsministers Jens Spahn überrascht worden sind und erst ab der kommenden Woche die Zahl der Booster-Impfungen deutlich erhöhen können. Zunächst musste erst einmal zusätzlicher Impfstoff bestellt und geliefert werden. Die vierte Welle, mit einer stark ansteigenden Zahl an Neuinfektionen, werde aber durch Impfungen allein nicht gestoppt werden können“, warnte Dr. Altermann. Er fordert von der Politik klare Regelungen, sonst gehe man sehenden Auges in die Katastrophe.

 Derweil werden auf kommunaler Ebene Fakten geschaffen. In einigen Städten wurden Weihnachtsmärkte abgesagt, oder sie dürfen nur unter Auflagen stattfinden. In Wuppertal wurden die ersten Großveranstaltungen abgesagt. Am 24. November sollte im Großen Saal der Historischen Stadthalle das Volksbank-Symposium mit geladenen Gästen stattfinden. Als Gastredner hatte der frühere Ministerpräsident und EU-Kommissar Günter H. Oettinger zugesagt

.Der Vorstand der Volksbank begründet die Entscheidung so: „...Doch leider zeigen uns die jüngsten Entwicklungen schmerzlich, dass wir alle von Normalität noch weit entfernt sind. Angesichts der dramatisch steigenden Inzidenzzahlen und des Appells, unsere Kontakte wieder einzuschränken, um diese Pandemie endlich in den Griff zu bekommen, können wir nicht verantwortungsbewusst zu einer Veranstaltung mit mehreren hundert Gästen einladen. Ihre Gesundheit, die Ihrer Angehörigen und unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist uns wichtiger als ein gemeinsamer unterhaltsamer Abend, den wir hoffentlich im nächsten Jahr nachholen können.“

Abgesagt wurde vom Kirchenkreis Wuppertal der Evangelischen Kirche der für den 2. Dezember geplante Neujahrsempfang in der Citykirche. „Wir hatten uns gefreut, nach der zwangsläufigen Pause im letzten Jahr mit Ihnen das neue Kirchenjahr wieder gemeinsam zu begrüßen und zu feiern. Die aktuelle Lage hat uns nun dazu bewogen, diesen Termin auch in diesem Jahr abzusagen“, heißt es in einem Schreiben von Superintendentin Ilka Federschmidt. Und weiter: „Und seien Sie gewiss: Advent und Weihnachten finden statt!

Stadt will Impfkapazitäten auch im Alleingang aufstocken

Pfarrer Werner Jacken ist sich sicher, dass es kein Verbot von Gottesdiensten in den kommenden Wochen geben wird. „Wir sind als Kirche besser vorbereitet als vor einem Jahr und können uns kurzfristig auf Entwicklungen einstellen. Es ist erstaunlich, was selbst kleine Gemeinden inzwischen an Videoformaten produzieren. Zudem werden Außenveranstaltungen stattfinden und es werden vielleicht auch wieder Predigten über die Wäscheleine gehängt“, so Werner Jacken (siehe Seite 18). Der Neujahrsempfang sei abgesagt worden, weil „wir ahnen, dass es nicht besser, sondern schlechter wird“. Dieses Format setze auf Nähe und Begegnung. Es wäre wenig fürsorglich und vorbildlich, daran in der geplanten Form festzuhalten. Zudem sei eine wachsende Zurückhaltung und Vorsicht spürbar. „Zu dem gleichen Zeitpunkt hatten wir bei früheren Empfängen schon deutlich mehr Anmeldungen.“

Wegen der rasant steigenden Infektionszahlen, drückt man auch in Wuppertal jetzt bei den Impfungen wieder stark aufs Gaspedal. „Vakzine sind der beste Weg, um die Menschen vor Corona zu schützen. Deshalb müssen wir alles unternehmen und die Impfkampagne jetzt auch selbstständig ausbauen, ohne Belehrungen aus dem Bund“, erklärte Johannes Slawig am Donnerstag

.So sollen die Kapazitäten in den Impfstellen der Stadt jetzt auf 1500 Impfungen pro Tag aufgestockt werden. Dazu sollen die Öffnungszeiten, auch am Wochenende, verlängert werden. Schließlich befinden sich die Gespräche über jeweils eine neue Impfstelle in der Barmer und in der Elberfelder Innenstadt wohl auf der Zielgeraden.

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