Standort Wuppertal

Ikea feiert Fünfjähriges – nicht allen gefällt das

Die Hecke ist zu dünn und hat laut Beate Petersen von der Bürgerinitiative bewusst eingeschnittene Sichtfenster.
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Die Hecke ist zu dünn und hat laut Beate Petersen von der Bürgerinitiative bewusst eingeschnittene Sichtfenster.

Bürgerinitiative kritisiert, dass bauliche Vorgaben in Wuppertal nicht im Sinne der Natur umgesetzt wurden. Ikea und Stadt Wuppertal widersprechen.

Von Martin Lindner

Wuppertal. Fünf Kerzen brennen auf der Torte des Ikea Wuppertal. Das Einrichtungshaus feierte kürzlich sein erstes Jubiläum am östlichen Stadtrand. Für Susanne Schweitzer, Markt Managerin bei Ikea Wuppertal, ein großer Grund zur Freude.

„Wir sind besonders stolz darauf, dass wir aus Wuppertal und unserem gesamten Einzugsgebiet immer wieder viel positives Feedback für unsere Arbeit bekommen“, sagt sie. Zum feierlichen Anlass wurden den Kunden Aktivitäten wie eine Fotowand und ein Gewinnrad geboten. Auch die Mitarbeiter wurden bedacht: für sie habe es unter anderem freies Essen im Mitarbeiterrestaurant und ein persönliches Geschenk gegeben, so Unternehmenssprecher Marc Willcox.

Im Vorfeld der Ansiedlung des Möbelriesen hat es viel Kritik gegeben, unter anderem von der Bürgerinitiative „Energie zum Leben – auch in W-Nord“ bezüglich des Umweltschutzes und der Verkehrsbelastung. Und noch längst sind nicht alle Gräben zu. „Wir bekämpfen uns nicht gegenseitig, dulden uns eher, sind aber auch nicht die guten Nachbarn, wie es mit der ehemaligen Ausstellung Eigenheim und Garten dort gegenüber über 40 Jahre lang war“, erklärt Beate Petersen für den Vereinsvorstand.

Die Initiative bemüht sich, dass es auf den von Ikea angelegten Ausgleichsflächen wieder „summt und brummt. Leider kränkelt die laut Bauplanung vorgesehene Buchenhecke“, bemängelt Petersen, sie sei zu dünn und habe bewusst hineingeschnittene Sichtfenster. Der prognostizierte Dauerstau in W-Nord sei aber ausgeblieben. „Dies mag auch an der erfolgreichen Verhinderung des ursprünglich mitgeplanten Einkaufszentrums liegen“, sagt sie.

Initiative: Ein Biotopverbund sei zerstört worden

Ob alle Vorgaben von Ikea eingehalten wurden, die mit dem Bau einhergingen, beantwortet Petersen mit einem „Jein.“ Theoretisch sei dies geschehen, „aber nicht im Sinne der Natur umgesetzt.“ Es sei beispielsweise ein Biotopverbund zerstört worden, den man aber gut wieder reparieren könnte.

Der von der Initiative angeregte Ausweichstandort für Ikea, das ehemalige Metro-Gelände, sei auch weiterhin eine ungenutzte Brache: Die Verkaufsfläche mit Parkraum hätte nach Petersens Einschätzung für das Einrichtungshaus ausgereicht. „Dieses Gelände wäre auch wegen einem fußläufig erreichbaren S-Bahnhof und nahegelegenem Container-Bahnhof definitiv besser geeignet, das war aber leider nicht gewollt.“ Der Gegenwind aus der Politik und der Verwaltung sei stark gewesen, erinnert sie sich.

Ikea-Unternehmenssprecher Marc Willcox erklärt gegenüber unserer Zeitung: „Ikea hat beim Bau des Einrichtungshauses Wuppertal alle rechtlichen Vorgaben eingehalten und wie vereinbart Ausgleichsflächen neu angelegt und bepflanzt. So haben wir unter anderem eine Obstwiese auf unserem Grundstück angelegt, weitere Bäume gepflanzt sowie die Fläche hinter dem Einrichtungshaus renaturiert und an die Stadt Wuppertal zurückgegeben.“

Martina Eckermann vom Presseamt der Stadt Wuppertal bestätigt, dass „die festgesetzten Kompensationsflächen alle umgesetzt und auch Ausfälle ersetzt worden sind.“ Aus der Sicht der Unteren Naturschutzbehörde seien die Auflagen über das von Ikea beauftragte Gutachterbüro „kompetent und zielführend umgesetzt worden.“

Ein gewichtiges Argument damals in Diskussionen für den Standort der Filiale am Stadtrand war die Belebung der Barmer Innenstadt, die von Ikea profitieren sollte. Eine solche kann Bezirksbürgermeister Hans-Hermann Lücke (CDU) auf WZ-Anfrage nicht erkennen. Eine Untersuchung diesbezüglich wurde seines Wissens nach auch nie durchgeführt. Für viele Menschen sei das Möbelhaus eine Attraktion. Aber sie verknüpften einen Besuch nicht mit einem Bummel in der Innenstadt. „Dieses Argument gab es schon mit dem Zoo“, erinnert sich Lücke. Er nehme jedoch nicht wahr, dass Geschäfte von diesem profitiert haben. Überdies habe es in den fünf Jahren nie eine gemeinsame Organisation von Ikea und der Barmer Innenstadt gegeben, um einen gegenseitigen Nutzen zu haben.

Oberbarmens Bezirksbürgermeister Burkhard Rücker (CDU) kann weder Nach- noch Vorteile durch Ikea für die Geschäfte in seinem Stadtteil erkennen. „Ich sehe kein Angebot, das Ikea anderen Läden in Oberbarmen wegnimmt“, sagt er sachlich. Für viele Wuppertal sei der Möbelriese aber eine Bereicherung, weiß er, wie ihm ein Blick auf die Autokennzeichen der Parkplätze verrät.

Hintergrund: Ikea in Wuppertal

Am Standort Wuppertal beschäftigt Ikea rund 300 Mitarbeiter. Jährlich besuchen zwischen 900.000 und 1.200.000 Kunden die Filiale. Zum Umsatz am Standort Wuppertal könne keine Angabe gemacht werden.

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