Gastronomie

Hotels fehlt das Personal zum Bettenmachen

Claudia Hempel und Jens Zimmermann haben das verwaiste Bett mit nach Wuppertal gebracht.
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Claudia Hempel und Jens Zimmermann haben das verwaiste Bett mit nach Wuppertal gebracht.

Protestaktion in Wuppertal

Von Martin Lindner und Miriam Karout

Wuppertal. In den Hotels und Restaurants herrscht ein Notstand: Es gibt zu wenig Betten, gekürzte Speisekarten und mehr Ruhetage. Grund dafür ist der akute Personalmangel in der Gastronomie.

Weil die Branche stark von den Corona-Maßnahmen betroffen ist, läuft das Personal davon. Viele sind aufgrund von Kurzarbeit und Schließungen in andere Jobs gegangen. Doch schon vor der Pandemie waren Berufe im Gastgewerbe unbeliebter, unter anderem weil das Bruttoeinkommen rund 43 Prozent geringer ist als das durchschnittliche Einkommen in allen Branchen in NRW.

Mit einem Bett mitten in der Wuppertaler City machte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nun auf diese Missstände aufmerksam. Das verwaiste Hotelbett steht dabei symbolisch für die Arbeit, die mehr erledigt werden kann: „Vom Koch bis zum Kellner, von der Rezeptionistin bis zum Zimmermädchen und Roomboy – Hotels, Restaurants und Gaststätten leiden extrem unter Personalschwund. Nach coronabedingter Kurzarbeit in Dauerschleife sind ihnen die Leute von Bord gegangen. Die Personaldecke ist nicht mehr dünn, sie ist gewaltig löchrig“, so Claudia Hempel.

„Die Gastro ist die Seele der Innenstadt“, meint sie außerdem. Das Bett in der Innenstadt soll auch daran erinnern. Viele Passanten kennen die Problematik. Sie kennen es, wenn das Lieblingsrestaurant plötzlich nicht nur montags, sondern zweimal die Woche einen Ruhetag einlege. Oder wenn es alternative Speisekarten gibt, weil das Personal fehlt, berichtet Jens Zimmermann.

Arbeitsbedingungen schrecken viele Bewerber ab

Auch Arbeitssuchende kamen auf die Protestler zu. Die sagten, dass sie sich in der Gastronomie um Stellen beworben haben, unter anderem als Koch, aber die Arbeitsbedingungen sie abgeschreckt hätten, so Hempel. Da sei nicht nur die Arbeit an Feiertagen und die hohe Arbeitsbelastung, sondern auch das niedrige Gehalt. „Mittlerweile gibt es immer weniger gute Gründe für einen Job in der Gastro“, sagt Hempel. Die Gewerkschafterin bezeichnet die Tätigkeit im Gastrogewerbe deshalb auch unverblümt als „subventionierten Niedriglohnsektor“.

Außerdem blieben Ausbildungsplätze frei, erklärt Hempel. Mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sei man sich aber einig, dass man die Situation für Auszubildende verbessern und den Beschäftigten mehr Gehalt gezahlt werden müsse. Solange der Grundtenor derselbe ist, werde die NGG kooperativ bleiben und nicht konfrontativ werden, sagt Hempel.

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