Corona-Krise

Hohe Betriebskosten nagen am Eigenkapital der Stadthalle

Der Fünf-Jahresplan der Stadt zu den Finanzen der Stadthalle sagt dem Wuppertaler Aushängeschild Verluste beim Eigenkapital voraus.
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Der Fünf-Jahresplan der Stadt zu den Finanzen der Stadthalle sagt dem Wuppertaler Aushängeschild Verluste beim Eigenkapital voraus.

Wuppertal. Die Finanzplanung der Stadt rechnet bis 2026 mit Verlusten von bis zu 300.000 Euro pro Jahr.

Von Jonas Meister

Die Corona-Krise lässt auch Wuppertals kulturelles Aushängeschild wirtschaftlich nicht kalt. Im Finanzausschuss legte die Verwaltung unter der Woche den Fünf-Jahresplan der Historischen Stadthalle vor. Darin wird klar, dass die Stadt in Zukunft auch hier durchgängig mit roten Zahlen rechnet. So geht die aktuelle Hochrechnung davon aus, dass das Eigenkapital der Stadthalle bis zum Jahr 2026 fast um die Hälfte von 1,58 Millionen Euro auf nur noch knapp 795.000 Euro abschmelzen wird. In der Vorlage heißt es konkret: „Die Fünf-Jahres-Planung weist ab dem Jahr 2023 negative Ergebnisse zwischen 199.000 Euro und 303.000 Euro vor Gewinnabführung auf.“

Kostentreiber sind dabei vor allem die laufenden Betriebskosten. So hat man auch in der Stadthalle, wie in allen Bereichen des Lebens aktuell, vor allem mit steigenden Energiepreisen zu kämpfen. Für 2022 sind unter dem Punkt Raumkosten zunächst noch 669.975 Euro veranschlagt, 2026 dagegen schon 825.578 Euro. Zahlen, die Stadtkämmerer Johannes Slawig allerdings nicht in Alarmstimmung versetzen: „Natürlich sind die Auswirkungen der Pandemie einmal mehr ein Anlass, die Lage genau zu beobachten. Aber auch wenn der Weg aus diesem finanziellen Tal auch für die Stadthalle jetzt länger dauern wird, sind wir nicht besorgt. Gerade beim Eigenkapital gibt es aus ökonomischer Sicht noch genügend Polster.“

Ähnlich sieht es die Geschäftsführerin der Stadthalle, Silke Asbeck: „Diese Planung ist am Ende sehr hypothetisch und dient in allererster Linie als Orientierungshilfe für weitere Schritte. Corona ist und bleibt auch für uns der Grund für diese schwierige Lage, deshalb werden wir natürlich finanziell gegensteuern müssen. Aber wie diese Maßnahmen aussehen ist, Stand jetzt, sehr schwer vorherzusagen.“ Fest steht dabei, dass auf dem Johannisberg definitiv nicht am Personal gespart wird. Die jährlichen Kosten für die Mitarbeiter sind mit mehr als 1,1 Millionen Euro mit Abstand der größte Posten in der Fünf-Jahresplanung. „Aufseiten des Personal werden die Kosten auch steigen, wenn auch nur minimal. Allerdings wird es hier kein Gegensteuern geben, weil sie für die Aufrechterhaltung des Veranstaltungsbetriebes essenziell sind“, versichert Slawig gegenüber der unserer Zeitung.

Auf das Kerngeschäft möchte sich auch Silke Asbeck nach fast zwei Jahren Pandemie wieder konzentrieren, zumal man sich gerade im letzten Sommer auf einem guten Weg sah. Doch dann kamen der Winter und vor allem die Omikron-Welle dazwischen: „Mit Blick auf unseren Veranstaltungskalender ist die Entwicklung mittlerweile schon besorgniserregend, gerade nach der Vielzahl von Events die wir Mitte des letzten Jahres veranstalten konnten. Wenn es jetzt etwas in die Rückschau auf den Januar 2022 geht, dann sehen wir hier eine große Zurückhaltung nicht nur bei den Gästen, sondern auch bei den Kunden. Da sind wir unheimlich zurückgefallen. Ursprünglich waren 44 Veranstaltungen geplant. Am Ende konnten wir sieben durchführen.“

Gerade Geschäftskunden hätten das laufende Jahr schon jetzt abgeschrieben und würden nach eigener Aussage erst zurückkommen, wenn es die Infektionslage zulasse. Ganz so düster sieht die Stadthallen-Geschäftsführerin die Lage jedoch nicht: „Wir sind uns sicher, dass es besser wird. Hier setzen wir stark auf das Vertrauen in unsere Arbeit und gerade im Kulturbereich ist auch eine unheimliche Vorfreude auf 2022 zu spüren. Streaming-Konzepte haben sich stark weiterentwickelt, doch bei Konzerten ersetzt einfach nichts das Live-Erlebnis.“Im Rahmen des aktuellen Fünf-Jahresplans der Verwaltung wird dabei für die Berechnung der Erlöse durch den Veranstaltungsbetrieb der Mittelwert aus den starken Jahren 2016 bis 2019 zu Grunde gelegt. Das bedeutet ab 2023 jeweils mehr als zwei Millionen Euro pro Jahr auf der Habenseite: „Hier arbeiten wir natürlich mit einer starken Marke, die sicher wieder erreichbar ist“, so Johannes Slawig.

Um den Einbruch der Umsatzerlöse an Wuppertaler Bühnen, des Sinfonieorchesters und des Tanztheaters Pina Bausch durch die Pandemie in der Spielzeit 2019/2020 abzufedern, veranlasste die Stadt etwa durch Kurzarbeit Einsparungen von 1,6 Millionen Euro alleine bei den Personalkosten. Dazu kamen noch Senkungen im geplanten Materialetat von knapp 436.000 Euro.

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