Grifflenberg

Hoch zur Uni: Quetschen oder schwitzen

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Sina Tischbierek hat sich auf das Experiment eingelassen und ist den Weg vom Hauptbahnhof zur Uni zu Fuß gelaufen. 

WUPPERTAL Sina Tischbierek testet den Aufstieg auf den Grifflenberg. Wie sie stehen täglich Studierende vor dem Problem: Wie komme ich zur Uni?

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. Der Bus kommt „sofort“. Das sagt zumindest die Haltestellen-Anzeige an der Wuppertaler Stadthalle. Doch wer die Sprache des ÖPNV spricht, weiß: „sofort“ bedeutet „demnächst“. Nach zwei Minuten fährt der WSW-Bus der angekündigten Linie ein, die massenweise Studenten auf den Grifflenberg transportiert. Die Tür geht auf – und die Menschen geben sich Mühe, nicht heraus zu fallen. Damit ein Fahrgast aussteigen kann, muss ein ganzes Rudel junger Leute mit Stöpsel im Ohr auf den Bürgersteig treten. Es gibt nur noch Stehplätze für kontaktfreudige Menschen.

Sina Tischbierek (23) kommt leicht abgehetzt an der Haltestelle an. Ihre Bahn hatte Verspätung. Die Master-Studentin pendelt im zweiten Semester von Köln nach Wuppertal. Jedes Mal kommt sie am Hauptbahnhof an und steht vor einer Entscheidung: Entweder am Busbahnhof in eine reguläre Buslinie steigen, die ihrer Erfahrung nach 15 Minuten bis zum Haupteingang der Uni benötigt, oder einen der E-Busse nehmen, die zwischen Stadthalle und Uni pendeln. Dann muss man ein Stück gehen, dafür fahren die Busse in fünf Minuten zur Uni durch.

Insgesamt findet Sina Tischbierek die Situation nicht so recht befriedigend. „Ein Shuttle-Bus vom Bahnhof zur Uni mit eigener Busspur wäre gut“, sagt Tischbierek. Schließlich brauche der Bus bei Verkehr und bei mehreren roten Ampeln teilweise doppelt so lange hoch auf den Grifflenberg wie es auf ihrer WSW-App angezeigt wird.

Es sei keine Seltenheit, dass Studenten zu spät zur Vorlesung kommen. „Natürlich weiß man nie, ob das mit den Bussen zusammenhängt oder andere Gründe hat.“

Weiterer Kritikpunkt: In der vorlesungsfreien Zeit fahren weniger Busse, obwohl einige Studenten trotzdem die Uni ansteuern müssen. Eine gute Lösung wäre aus Sicht der Kölnerin die am Bürgerwillen gescheiterte Seilbahn gewesen.

Die Studenten-Beschwerden über die Anfahrt zur Uni werden manchmal hämisch kommentiert. „Die Studenten können doch das kleine Stück zu Fuß gehen“, schreiben Leute, die nach eigenen Angaben früher teils kilometerweit zur Schule laufen mussten.

Routenplaner: Zum Seminar wären es 40 Minuten Fußweg

Sina Tischbierek lässt sich auf das kleine Experiment ein und geht den Weg von der Stadthalle bis zum Haupteingang der Uni zu Fuß. Die 23-Jährige legt auf dem Weg die Straße Kleeblatt hoch einen flotten Schritt vor. Der Elan wird an der großen Kreuzung Südstraße gestoppt. Es gilt, zwei Überwege mit Ampeln zu überbrücken, die Geduld erfordern – eine grüne Welle für Fußgänger gibt es nicht.

Weiter geht es den Oberen Grifflenberg hoch, bis zu einer Wendeltreppe, die auf eine Brücke führt. Tischbierek kennt den kürzesten Weg. „Hoch bin ich noch nie gegangen, nur runter.“ Wenn ein Bus ausfalle lohne es sich gelegentlich loszujoggen, um den Zug im Tal noch zu bekommen.

Der abschließende Aufstieg hat es in sich: Bei den vielen Treppen kommt man ins Schnaufen. Nach 16 Minuten ist der Grifflenberg bezwungen von einem lockeren Aufstieg kann nicht die Rede sein.

Manchmal hat die 23-Jährige Seminare am Campus Freudenberg. Das würde einen mehr als zwei Kilometer langen Spaziergang bedeuten, für den der Routenplaner fast 40 Minuten Fußweg vorhersagt. Realistisch gesehen bleibt der Bus da die beste Option. Andere bevorzugen das Auto, wie die vielen Fahrzeuge am Straßenrand zeigen. Radfahrer sind selten.

Sina Tischbierek besucht die Wuppertaler Uni vorrangig, weil hier ein seltener Studiengang angeboten wird: „Sustainability Management“ - das Planen mit Nachhaltigkeit. Doch Tischbierek sagt: „Ich weiß, dass Studienkollegen ihren Standort auch danach auswählen, wie der Campus angebunden ist.“ Dabei habe Wuppertal schon das Nachsehen.

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