„Hilfsbereitschaft wird skrupellos ausgenutzt“

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Kriminalhauptkommissar Eckhard Klesser über falsche Polizisten

Das Gespräch führte Lothar Leuschen

Wuppertal Der Trick mit dem falschen Polizisten hat Konjunktur. Dass die Täter nicht mehr davor zurückschrecken, sich als Polizeibeamte auszugeben, die vermeintlich der Hilfe ihrer Opfer bedürfen, ist für die Behörde besonders schwierig. „Das zerstört das Vertrauen der Menschen in uns“, sagt Kriminalhauptkommissar Eckhard Klesser von der Kreispolizeibehörde Wuppertal, die auch für Solingen und Remscheid zuständig ist.

Herr Klesser, was bedeuten solche Fälle für echte Polizisten?

Eckhard Klesser: Ich bin sehr froh, dass ich hier zu Wort kommen darf und auf ein Problem aufmerksam machen kann, dass vermehrt auftritt und das mir sehr am Herzen liegt. Es geht hier um Betrug zum Nachteil älterer Menschen und darum, dass wirklich jeder Opfer werden kann. Hier wird die Hilfsbereitschaft älterer Menschen skrupellos ausgenutzt. Zum Zweiten wird durch die Masche des falschen Polizisten auch meinen Kollegen und mir das Leben schwergemacht. Weil das grundsätzliche Vertrauen in die Polizei in Misskredit gebracht wird.

Seit wann haben wir solche Fälle vermehrt?

Klesser: Das Bekannteste ist ja der Enkeltrick. Den gibt es schon seit längeren Jahren. Die Masche des falschen Polizeibeamten hat sich in den vergangenen ein, zwei Jahren herauskristallisiert. Sie zeichnet sich auch noch dadurch aus, dass die Schadenshöhen noch deutlich größer sind als beim Enkeltrick.

Über welche Summen reden wir da?

Klesser: Unsere Statistik besagt, dass es in den Jahren 2017 bis 2019 in NRW um 13 Millionen Euro geht.

Was sind das für Einzelsummen, um die es da geht?

Klesser: Das hat sich inflationär gesteigert. In Einzelfällen reden wir von 40 000, 60 000 Euro.

Was sind das für Täter?

Klesser: Die sind schon dem Bereich organisierter Kriminalität zuzurechnen. Es gibt da eine ganz klare Arbeitsteilung. Da gibt es richtige Callcenter, die sich im Ausland befinden. Da wird wie in seriösen Callcentern im Schichtbetrieb gearbeitet. Da werden Telefonbücher abtelefoniert nach Merkmalen, die auf ältere Menschen hindeuten. Diese Täter sind sehr gut geschult, was psychologische Ansätze anbelangt. Sie sind rhetorisch sehr gut und können bei den Opfern eine hohe Glaubwürdigkeit erzeugen.

Woran kann ein Opfer erkennen, dass jemand versucht, es aufs Kreuz zu legen?

Klesser: Das ist sehr schwierig, weil man nicht auf die Tätermasche kommen kann, wenn man nicht den Hintergrund eines Polizeibediensteten hat. Da werden richtige Dienstgrade verwendet, da werden richtige Dienststellenbezeichnungen genannt, da wird der Sprachgebrauch der Polizei kopiert. Deshalb kann man in vielen Fällen nicht sagen: An dem Fakt kannst Du den Betrug erkennen. Auffällig ist immer nur, wenn in irgendeiner Form eine Notlage geschildert wird. Diese Notlage absolut eiliges Handeln erfordert. Da wird Druck aufgebaut. Da merken viele Geschädigte im Bauchgefühl, dass etwas nicht richtig ist.

Wie verhalte ich mich denn richtig, wenn ich das Gefühl entwickle, dass da etwas schiefläuft?

Klesser: Das Beste, um gar nicht in die Fänge der Täter gelangen, ist das Gespräch beenden, einfach auflegen. Aber gerade ältere Menschen sind sehr höflich und haben Taktgefühl, die tun sich damit sehr schwer. Wenn das Gespräch weitergeht, wäre eine Rückfrage bei Verwandten sinnvoll, wenn die im Tatablauf ins Gespräch gebracht werden.

Sie sagten, dass auf diese Art und Weise binnen zweier Jahre 13 Millionen Euro den Besitzer gewechselt haben. Das Geld ist weg, oder?

Klesser: Das Geld ist ersatzlos weg. Der überwiegende Teil der Geschädigten hat dann seine gesamten Ersparnisse verloren und mit 70, 80 Jahren auch keine Chance mehr, den Verlust durch Arbeit wieder auszugleichen.

Sie arbeiten im Opferschutz und in der Kriminalprävention. Die Polizei stellt sich also auf solche Fälle ein. Wie hat sich das in den vergangenen Jahren personell entwickelt?

Klesser: Es ist deutlich mehr geworden. Die Fallzahlen haben zugenommen, aber es ist oft sehr schwer, zu den Opfern durchzudringen. Die gehen ja davon aus, bisher auch mit richtigen Beamten gesprochen zu haben. Es ist sehr schwer, diese Kulisse aufzubrechen.

Kann ich als Angehöriger irgendwie feststellen, dass meine Eltern oder meine Großeltern gerade Opfer von solchen Straftaten werden könnten?

Klesser: Das wäre ein glücklicher Teil der Fälle, weil das Wirken der Täter darauf ausgerichtet ist, dass die Opfer absolute Verschwiegenheit wahren, um beispielsweise die Ermittlungsarbeit der Polizei nicht zu gefährden.

Können Sie Täter dingfest machen?

Klesser: Das können wir schon.

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