Brennpunkt

Im Quartiersprojekt treffen sich verschiedene Lebenswelten

Elina Schniewind, Martin Roth und Samar Arar-Al-Refaei (v. l.) betrachten ein Modell des Bob-Campus.
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Elina Schniewind, Martin Roth und Samar Arar-Al-Refaei (v. l.) betrachten ein Modell des Bob-Campus.

Wuppertal. Samar Arar-Al-Refaei und Martin Roth engagieren sich im Wuppertaler Projekt Bob-Campus.

Von Marvin Rosenhoff

Der Wuppertaler Stadtteil Oberbarmen ist ein echter Schmelztiegel. Mehr als 40 000 Menschen aus mehr als 100 Ländern leben hier dicht an dicht. Nebeneinander und miteinander. Gleichzeitig hat der Bezirk aber auch mit den typischen Problemen eines Brennpunkts zu kämpfen. Viele Bewohner sind abgehängt. Dass das nicht so bleibt, ist die Mission von Samar Arar-Al-Refaei und Martin Roth. Die beiden sind als Bob-Botschafter in Oberbarmen unterwegs und Teil des Quartiersprojekts Bob-Campus.

„Bob“, das stand ursprünglich für Bünger Oberbarmen und ist der Name einer ehemaligen Textilfabrik an der Wichlinghauser Straße. Die Zeiten sind allerdings vorbei. Seit 2017 entsteht in dem leerstehenden Fabrikgebäude neben der Nordbahntrasse und auf dem angrenzenden Gelände mit dem Bob-Campus ein Treffpunkt für die Menschen aus dem Viertel, samt Wohnungen, Büros und Möglichkeiten zur gemeinsamen Freizeitgestaltung. Auch ein Nachbarschaftspark wird gerade gebaut. Die Idee dahinter: Einen Ort fürs Quartier schaffen, an dem sich die verschiedenen Lebenswelten der Oberbarmer gegenseitig befruchten können. Das treibt auch die Bob-Botschafter an. Mit ihrem Engagement wollen sie den Stadtteil weiter nach vorne bringen. Dafür rühren sie in ihren Communitiy für das Projekt die Werbetrommel, sammeln Ideen oder setzen sich mit ihrem Know-how ganz konkret für die Menschen vor Ort ein. „Oberbarmen ist ein bisschen wie eine Knospe, die man nur zur Blüte treiben muss“, findet Arar-Al-Refaei. Die 50-Jährige ist im Bezirk groß geworden. Das Viertel und seine Eigenheiten kennt sie ganz genau. Dass der Stadtteil und seine Einwohner mehr draufhaben, als viele denken, ist für sie keine Frage. „Es gibt hier so viele unentdeckte Potenziale. Mit unserer Arbeit wollen wir versuchen, diese herauszukitzeln“, sagt sie.

„Es gibt hier so viele unentdeckte Potenziale. Mit unserer Arbeit wollen wir versuchen, diese herauszukitzeln.“

Samar Arar-Al-Refaei

Dreimal in der Woche hilft die Grundschullehrerin im Projektbüro an der Wichlinghauser Straße Kindern aus dem Bezirk bei den Hausaufgaben. Ihr Chef hat sie auf die Idee gebracht. Lange gezögert hat Arar-Al-Refaei nicht. „Wir können damit ein Stück weit dafür sorgen, dass die Kinder und Jugendlichen hier die gleichen Chancen haben wie überall“, erklärt sie. Als Tochter palästinensischer Einwanderer weiß Arar-Al-Refaei, worauf es in dem multikulturellen Viertel ankommt. Und die Leute vertrauen ihr. „Die Eltern der Kinder kennen mich aus der Grundschule und wissen, dass das etwas Gutes ist, was hier passiert.“

Martin Roth ist durch einen Flyer auf das Bob-Projekt aufmerksam geworden. Sofort hat der 46-Jährige überlegt, wie er sich einbringen kann. Als Geiger im Wuppertaler Sinfonieorchester war schnell klar, wohin für ihn die Reise gehen würde. „Musik verbindet alle“, sagt er. „Gerade in einem so vielfältigen Viertel hat Musik das Potenzial, Brücken zwischen den verschiedenen Kulturen zu bauen.“ Deshalb möchte Roth in Zukunft gemeinsam mit den Leuten aus dem Viertel musizieren. „Es wäre spannend, die verschiedenen Einflüsse hier zusammenzubringen und den Sound des Quartiers einzufangen“, sagt er.

Arar-Al-Refaei und Roth sind zwei der insgesamt 15 Bob-Botschafter, die sich ehrenamtlich für das Viertel einsetzen. Mitmachen kann jeder. „Das ist keine Sozialarbeit, die wir hier machen“, betont Projektleiterin Elina Schniewind. „Grundsätzlich sind alle willkommen, sich mit ihren Ideen und Fähigkeiten für den Campus einzubringen.“ Die Bob-Botschafter sind dabei das Bindeglied zwischen dem Campus und den Menschen aus dem Quartier. Über ihre Kollegen, Freunde und Nachbarn bringen sie den Gedanken des Projekts unter die Leute. „Aber auch durch unsere Arbeit vor Ort erfahren immer mehr Menschen davon“, ergänzt Arar-Al-Refaei. „Die Leute sehen, dass hier in den Räumen an der Wichlinghauser Straße etwas passiert und fragen dann natürlich, was wir machen.“ Im August wird der Campus eröffnet. Martin Roth ist überzeugt: „Für die Stadt ist das Projekt ein absoluter Mehrgewinn.“

Bob-Campus

Zwischen Wichlinghausen und Oberbarmen entsteht im Gebäude der ehemaligen Textilfabrik Bünger und dem angrenzenden Gelände der Bob-Campus, ein gemeinnütziger Begegnungsort für die Menschen im Viertel. In wenigen Wochen sollen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen werden. Am 19. und 20. August findet die Eröffnung statt.

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