Diskussion

Heimatpreis: Wuppertal klärt Missverständnis um Jury-Votum auf

Leonid Goldberg kann den Preis für den Verein nicht nachvollziehen. Archivfoto: Stefan Fries
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Leonid Goldberg kann den Preis für den Verein nicht nachvollziehen.

Stadt zeichnete Palästinensischen Freundschaftsverein aus – Jüdische Kultusgemeinde kritisiert die Entscheidung

Von Manuel Praest

Wuppertal. Die Entscheidung für den Palästinensischen Freundschaftsverein als einen der Sieger des Heimatpreises 2020 sei per Punktevergabe erfolgt. Das erklärt die Stadt nun auf Anfrage dieser Redaktion und revidiert damit auch die Aussage von Sonntag, wonach die Preisvergabe einstimmig erfolgt sei. Das hatte nämlich die Jüdische Kultusgemeinde verneint. Ihre Vertreterin hätte nicht für den Verein gestimmt.

Im Internet war am Wochenende eine Diskussion entbrannt, ob der Freundschaftsverein ein angemessener Preisträger sei. Ex-Bundestagsmitglied Volker Beck als Vorsitzender des Tikvah Instituts, das sich gegen Antisemitismus einsetzt, warf dem Verein Israelfeindlichkeit vor und forderte sogar die Aberkennung des Preises. Hintergrund war eine Landkartensilhouette in einer Grafik, die der Verein zur Werbung für eine Demo im Mai verwendet hatte und auf der, so der Vorwurf, Israel gar nicht eingezeichnet war.

Der Verein selbst wehrte sich gegen die Kritik und auch die Stadt stellte sich hinter den Preisträger, der aufgrund seines Engagements in vielen Bereichen ein würdiger Vertreter sei. Wobei OB Uwe Schneidewind schon einräumte, dass die bildliche Darstellung unglücklich sei. Eine Aberkennung des Preises, der bereits im vergangenen Jahr öffentlich gemacht wurde, aber wegen Corona erst kürzlich verliehen wurde, sei kein Thema.

Kritisch hatte sich zuletzt aber auch der Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde, Leonid Goldberg, geäußert und dabei erklärt, dass er den Preis nicht nachvollziehen könne – und eben, dass die Vertreterin der Kultusgemeinde in der Jury auch kein Votum für den Verein abgegeben habe. Stadtsprecherin Martina Eckermann erläuterte jetzt noch einmal das Verfahren. Eine Abstimmung sei es in dem Sinne nicht gewesen. Acht Jury-Vertreter – darunter auch Eckermann als Vertreterin der Stadt – hätten anonym Punkte an die nominierten Projekte vergeben. Bereits in der zweiten von drei Runden hatte der Freundschaftsverein die meisten Punkte gesammelt und stand damit schon als erster Sieger fest. Als zweiter und dritter Sieger folgten in der Runde drei der Förderverein Bandwirker-Bad Ronsdorf und das Nachbarschaftsheim Wuppertal. Da die Punktevergabe anonym sei, sei natürlich sehr gut möglich, dass die Vertreterin der Kultusgemeinde dem Freundschaftsverein keine Punkte gegeben hat, so Eckermann. Die Formulierung „einstimmige Entscheidung“ vonseiten der Stadt sei deshalb falsch gewesen. „Es war eine einhellige Entscheidung.“

Nach Bekanntgabe im Oktober lediglich eine Beschwerde

Darüber habe es auch innerhalb der Jury, in der einige Mitglieder den Verein über sein Engagement gut kennen würden, keine Diskussionen gegeben. Auch nach der Bekanntgabe des Preises im Oktober 2020 habe es nur eine Bürgerin gegeben, die sich gegenüber der Stadt kritisch geäußert habe. Hintergrund war ein Facebook-Post des Vereins, so Eckermann. Die Linke im Rat der Stadt Wuppertal äußert ihr Befremden über Kritik an der Verleihung des Heimatpreises. „Die Landesregierung hat bei Stiftung dieses Preises ausdrücklich hervorgehoben: „Heimat zu haben, heißt unsichtbare Wurzeln in sich zu tragen – egal, wo ein Mensch herkommt, egal wo sie oder er hingeht. Heimat findet in Nordrhein-Westfalen ihren Ausdruck in einem solidarischen Miteinander in gegenseitigem Respekt voreinander.“

Gerd-Peter Zielezinski (Linke) ist überzeugt: „In diesem Sinne betätigt sich auch der Freundschaftsverein. Die Kritiker sollen den Nachweis führen, dass der Verein gegen die Ziele des vom Rat am 11. Mai 2020 einstimmig ausgelobten Heimatpreises arbeitet.“

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