Ein Haus für minderjährige Missbrauchsopfer

Stefanie Ritz-Timme, Direktorin der Rechtsmedizin, und Ertan Mayatepek, Direktor der Kinderklinik, im Düsseldorfer Childhood-Haus. Foto: Andreas Bretz
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Stefanie Ritz-Timme, Direktorin der Rechtsmedizin, und Ertan Mayatepek, Direktor der Kinderklinik, im Düsseldorfer Childhood-Haus. Foto: Andreas Bretz

In einer neuen Einrichtung am Universitätsklinikum können Kinder gegen Täter aussagen

Von Verena Kensbock

Düsseldorf Im Regal neben den bunten Sesseln stehen Bilderbücher, darauf sitzen Stofftiere. Die Räume des neuen Childhood-Hauses auf dem Campus des Universitätsklinikums sind kindgerecht, wie es so oft heißt. Sie sind aber nicht nur ein Ort zum Spielen, sie haben einen ganz anderen Zweck. Hier werden Kinder versorgt, die missbraucht wurden, und hier können sie gegen die Täter aussagen. Es ist kaum vorstellbar, wie Kinder oder Jugendliche leiden, wenn sie Opfer von Gewalt oder Missbrauch werden. Dieses Trauma müssen sie oftmals mehrfach durchleben – wenn sie bei der Polizei und vor Gericht aussagen. Diesen Prozess soll das Childhood-Haus verändern.

„Die meisten Fälle passieren unbemerkt.“

Stefanie Ritz-Timme, Rechtsmedizinerin

Das Haus ist vieles zugleich, vor allem aber ein geschützter Raum für gerichtsfeste Vernehmungen. Besteht der Verdacht, dass ein Kind missbraucht wurde, muss es eine ganze Reihe von Befragungen hinter sich bringen. Vier bis acht Vernehmungen durch Polizisten, Anwälte und Richter seien normal, sagt Anja Köllen, Koordinatorin des Childhood-Hauses. „Und nicht alle Leute, die Befragungen mit Kindern machen, sind auch dafür geschult“, sagt die Sozialpädagogin. Für die traumatisierten Kinder kann das zur Tortur werden. Im Childhood-Haus könne das Verfahren auf zwei Vernehmungen von Polizei und Richter verkürzt werden.

Dazu gibt es drei separate Räume, die mit Kameras und Bildschirmen verbunden sind. In dem kindgerechten Raum mit den bunten Sesseln können Richter die Kinder befragen. Die mutmaßlichen Täter sehen bei der Vernehmung in einem separaten Raum zu und können per Tablet Fragen stellen. In einem dritten Zimmer sitzen die anderen Prozessbeteiligten: Staatsanwaltschaft, Vertreter von Polizei und Jugendamt. Auch sie können das Gespräch verfolgen und Fragen schicken. Die Vernehmung wird aufgezeichnet und kann bei einer Verhandlung als Beweismittel dienen. So müssen die minderjährigen Opfer die Täter nicht sehen oder sprechen – und sie müssen nicht bei Gericht erscheinen und sich in einem großen Saal der Befragung stellen. In dem frisch umgebauten Gebäude gibt es zudem einen Untersuchungsraum, in dem Kinder medizinisch versorgt werden können. Ziel ist es, Verletzungen zu dokumentieren und für eine Verhandlung bei Gericht festzuhalten.

Etwa 200 Kinder, die Opfer von Missbrauch wurden, werden alleine im Universitätsklinikum jedes Jahr behandelt. „Und das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Stefanie Ritz-Timme, Direktorin der Rechtsmedizin. „Die meisten Fälle passieren unbemerkt.“

Ziel ist eine Bündelung der Angebote in einem Gebäude

Der Rechtsmedizin angeschlossen ist die Ambulanz für Gewaltopfer, die betroffene Kinder medizinisch betreut. Das sozialpädiatrische Zentrum der Kinderklinik leistet mit seinem Therapieangebot einen Beitrag zur Prävention und Nachsorge von Gewalttaten. Stefanie Ritz-Timme und Ertan Mayatepek, Direktor der Kinderklinik, haben darum schon viele Kinder betreut, die Opfer sexuellen oder körperlichen Missbrauchs wurden. Für sie ist mit der Eröffnung des Childhood-Hauses aber noch nicht Schluss. Sie sehen es als einen von mehreren Bausteinen für den Kinderschutz.

Ihr Ziel ist der Bau des Trube-Becker-Hauses – benannt nach der ersten Professorin für Rechtsmedizin. Das Gebäude auf dem Campus soll die Ambulanz für Gewaltopfer, das Childhood-Haus und das sozialpädagogische Zentrum räumlich zusammenbringen. Von den benötigten acht Millionen Euro sind bislang jedoch nur etwa zwei Millionen durch Spenden zusammengekommen.

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