Hauptbahnhof: Endspurt bei der Investorensuche

Der Wuppertaler Hauptbahnhof am Döppersberg. Archivfoto: Andreas Fischer
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Der Wuppertaler Hauptbahnhof am Döppersberg. Archivfoto: Andreas Fischer

Bis Ende des Jahres will die Deutsche Bahn Ergebnisse für das markante Wuppertaler Gebäude präsentieren

Von Manuel Praest

Wuppertal Derzeit wird am Wuppertaler Hauptbahnhof kräftig gearbeitet. Die Bahn modernisiert die Unterführung. „Endlich“, sagen viele, denn während rund um den Bahnhof schon viel passiert ist, tat sich an den Gleisen vergleichsweise wenig. Offen ist auch noch, wie es mit dem eigentlichen Bahnhofsgebäude weitergeht. Die Bahn sucht einen neuen Besitzer: Das Investorenauswahlverfahren rund um den Verkauf des historischen Empfangsgebäudes stehe kurz vor dem Abschluss.

Bis Ende des Jahres will die Deutsche Bahn, so eine Sprecherin, erste Ergebnisse präsentieren – sowohl was einen neuen Eigentümer, als auch ein Konzept angeht. Das eigentliche Verfahren liege in Händen der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft NRW (BEG). „Die Deutsche Bahn, die Stadt Wuppertal und die BEG arbeiten hier eng zusammen“, erklärt die Sprecherin. Die Stadt Wuppertal sei am Investorenauswahlverfahren, der Beurteilung der Konzepte und in den Jurysitzungen beteiligt gewesen. Weitere Mitglieder der Jury sind die BEG sowie die DB Station & Service AG.

Stark sanierungsbedürftiger Bau und kein einfaches Umfeld

Mehrere Investoren haben ihre Konzepte „zu einer gesamthaften Entwicklung des historischen Bahnhofsgebäudes und der angrenzenden Nebengebäude abgegeben“, so die Sprecherin. Die Bewertung der Konzepte erfolgte in mehreren Stufen. Die DB favorisiere nachhaltige und dem Standort gerechte Nutzungsideen – also Nutzungen rund um das Thema Reisen.

Unter den Interessenten sind auch einige Wuppertaler. Als ein Kandidat galt unter anderem die Clees-Gruppe, der schon die ehemalige Bahndirektion am Döppersberg gehört. Unter den Beteiligten wurde allerdings Stillschweigen vereinbart. Zu Details gibt es kaum Auskünfte. Auch von Clees-Seite heißt es nur: „Kein Kommentar“. Was feststeht: Auf den neuen Eigentümer wartet viel Arbeit. Das Innere des Gebäudes ist stark sanierungsbedürftig, das Gebäude müsste entkernt werden.

Stadtverwaltung bezieht bald das „dritte Rathaus“ ganz in der Nähe

Doch nicht nur die Immobilie selbst ist schwierig, so ist aus Interessentenkreisen zu hören, sondern auch das Umfeld. Dass in der Bahnhofsmall bereits Geschäfte wieder leer stehen, sei kein gutes Zeichen für eine Vermarktung der Ladenflächen im Empfangsgebäude. Das ziehe sich bis auf die Geschäftsbrücke am Döppersberg, an der einige Lokale bis heute noch gar nicht vermietet werden konnten. Das Umfeld sei zum Beispiel mit der Grund gewesen, warum die Renaissance AG, die in Wuppertal bereits einige denkmalgeschützte Fabrikimmobilien entwickelt, kein Interesse am Bahnhof gezeigt habe, so ein Sprecher. Auch andere sprechen von „hohen Hürden“.

Vermietung um jeden Preis lehnt aber auch die Stadt ab, sie wünscht sich eine hochwertige Belegung. OB Andreas Mucke sprach sich Anfang des Jahres klar gegen Discount-Geschäfte und Ähnliches aus, für Gastronomie und hoffte auf eine soziale Kontrolle für den oberen Platz.

Der wird bekanntlich an Bedeutung gewinnen, wenn die Stadt ihr „drittes Rathaus“ in der Bahndirektion beziehen und damit für deutlich mehr Publikumsverkehr in dem Bereich sorgen wird. Soziale Kontrolle, so die Hoffnung einiger, würde zudem dafür sorgen, dass sich das für so viele Bahnhöfe typische Klientel nicht auf dem Platz heimisch machen würde.

Oberbürgermeister Uwe Schneidewind – ab 1. November offiziell im Dienst - sieht es ähnlich wie sein Vorgänger. Ein Investor „muss in der Lage sein, im Bahnhofsgebäude ein Angebot zu schaffen, das erstens eine hohe Attraktivität für die Wuppertalerinnen und Wuppertaler sowie Reisende nach und von Wuppertal hat, und zweitens möglichst authentisch den besonderen Charakter des Gebäudes und Wuppertal-Bezüge aufnimmt“. So würde am Döppersberg etwas entstehen, „was sich erfrischend von den bisher eher austauschbaren und generischen Angeboten im Bahnhofsbereich absetzt“.

Das 1849 fertiggestellte Empfangsgebäude am Wuppertaler Hauptbahnhof ist einer der ältesten Großstadt-Bahnhöfe in Deutschland. Seine Gesamtfläche beträgt 1650 Quadratmeter – ohne Dachgeschoss und Keller. Aktuell beheimatet es unter anderem das Fundbüro der Deutschen Bahn, der Versteigerungsraum, einige Bahn-Büros, die Bundespolizei und die Bahnhofsmission mit ihrem Zugang zu Gleis 1.

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