Pflanzen

Hanf auf Blühstreifen sorgt für viel Spott

Eine Hanfpflanze steht am Heckenweg in Berghausen an einem Blühstreifen. Foto: Ralph Matzerath
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Eine Hanfpflanze steht am Heckenweg in Berghausen an einem Blühstreifen.

In Langenfeld waren Cannabispflanzen entdeckt worden – von Stadt gefördertes Saatgut war verunreinigt.

Von Stephan Meisel

Langenfeld. Cannabis auf städtischerseits bezuschussten Blühstreifen: Langenfeld hat mit Hanfpflanzen, die auf Wildbienen-Wiesen aufgespürt wurden, in sozialen Netzwerken Spott auf sich gezogen. Auch wenn es sich um sogenannten Nutzhanf handelt, der nicht zur Haschischherstellung taugt. Schließlich gibt die Stadt den Landwirten für diese Blühstreifen entlang der Felder reichlich Geld und zusammengemischtes Saatgut.

Durch die ungewollt in diesen Mix geratenen Hanfsamen sprießen nun überall Stängel mit den markant grüngezackten Blättern in die Höhe. „Das gibt nach außen natürlich gerade kein so gutes Bild ab“, räumt Heike Müller vom Langenfelder Ordnungsamt ein. Von einer Straftat, geschweige denn einem Drogendelikt, geht die Polizei nicht aus.

Nachdem Spaziergänger neben einem Getreidefeld die ersten Hanfblätter entdeckt und gemeldet hatten, nahm die Polizei die Pflanzen im Juni mit. Im Labor stellte sich laut Polizeisprecher Daniel Uebber dann aber heraus, dass es sich um Nutzhanf mit einem für die Erzeugung von Drogen zu geringen Anteil von Tetrahydrocannabinol (THC, siehe Kasten) handelt. „Die Staatsanwaltschaft hat daher keinen Straftatbestand erkannt, so dass wir unsere Ermittlungen in dieser Sache eingestellt haben.“

Die Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs haben indes alle Hände voll damit zu tun, vor Ort den nicht gewollten Hanf zunächst aufzuspüren und aus der Erde zu reißen. „Wir haben über unser Blühstreifen-Programm ja in diesem Jahr auf insgesamt rund 90 000 Quadratmeter Fläche aussäen lassen“, sagt Langenfelds Planungsamtsleiter Stephan Anhalt, „nicht nur an den Rändern, sondern ganze Felder.“ Für diese Rekordfläche in dem 2013 gestarteten Sonderprogramm sei der Geldbetrag in diesem Jahr von zuvor 8000 auf nun 20 000 Euro aufgestockt worden.

Landwirte bekommen einen städtischen Zuschuss von 20 Cent pro Quadratmeter, wenn sie einen zwei bis vier Meter breiten Randstreifen nicht beackern, zudem erhalten sie das mit Langenfelder Umweltverbänden besprochene Saatgut. Hanf stand Anhalt zufolge „selbstverständlich nicht auf dieser Liste“, die Samen waren eine ungewollte Dreingabe.

2021 soll der Zulieferer gewechselt werden

Die Hanfpflanzen zu entdecken, sei nicht einfach, so Anhalt. „Je nach Standort sind sie unterschiedlich groß und teils zwischen den Blumen versteckt.“ Es werde wohl noch einige Tage dauern, bis die Blühstreifen wieder komplett hanffrei sind – so wie es vorgeschrieben ist. Denn: Landwirten werde behördlich nur der Anbau von zertifiziertem Nutzhanf genehmigt. „Und das ist bei unserer Samenmischung ja nicht gegeben.“

„Wir werden dafür den Zulieferer der Saatgut-Mischung in Regress nehmen“, hat die Stadt Langenfeld angekündigt. Die für das Blühstreifen-Programm ausgewählte Firma habe durch die Verunreinigung mit Hanfsamen „nicht nur die Ermittlungsbehörden beschäftigt, sondern auch für einen zusätzlichen Personaleinsatz der Stadtverwaltung gesorgt“. Erste Konsequenz: Für das Saatgut 2021 werde ein anderer Zulieferer gewählt.

Hanf-Anbau und Blühstreifen

Geschichte: Über Jahrhunderte war Hanf (Gattung: Cannabis) in Deutschland eine bedeutende Kulturpflanze. Wegen der berauschenden Wirkung seiner Blüten ist der Anbau von Cannabis sativa, so der botanische Name, in Deutschland zwischen 1982 und 1996 jedoch verboten worden.

Gegenwart: Seit 1996 darf Nutzhanf wieder angebaut werden, unter strengen Auflagen – und nur dann, wenn der Gehalt an THC (Tetrahydrocannabinol), das ist der in den Blüten enthaltende psychoaktive Wirkstoff, unter 0,2 Prozent liegt. Dieser Nutzhanf ist nicht zur Erzeugung von Haschisch und Marihuana geeignet.

Blühstreifenprogramm: Seit 2013 gibt die Stadt Langenfeld Landwirten Geld, wenn sie einen zwei bis vier Meter breiten Streifen neben ihrem Feld nicht beackern.

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