G9: Gymnasien brauchen Platz für mehr Schüler

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Schüler und Eltern freuen sich mehrheitlich über die Rückkehr zu G9. Allerdings birgt auch die Rück-Umstellung Tücken. Symbolfoto: Armin Weigel/dpa

Um das Ziel zu erreichen, muss angebaut werden. Die Stadt hofft auf Landesmittel von bis zu acht Millionen Euro.

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. Auf alle neun Wuppertaler Gymnasien kommen mit der Wiedereinführung der 13. Jahrgangsstufe (G9) einige Herausforderungen zu. Die größte ist das Platzproblem.

Derzeit besuchen 7453 Schüler die Wuppertaler Gymnasien. Wenn zum Schuljahr 2026/27 zum ersten Mal wieder eine neue 13. Jahrgangsstufe gebildet wird, gibt es plötzlich überall einen zusätzlichen Jahrgang – und damit rund 960 Schüler mehr.

Zwar ist 2026 noch weit weg, aber jetzt müssen schon die Weichen für den Schülerzuwachs gestellt werden. Schuldezernent Stefan Kühn sagt: „Wir brauchen Klassenräume für einen zusätzlichen Abiturjahrgang. Dafür benötigen wir Geld.“

Aktuell werde geprüft, welche Schulen noch räumliche Reserven haben und wo ein möglicher Anbau nötig wird. Die Stadt setze aber fest auf den sogenannten „Konnexitätsausgleich“ durch das Land. Bedeutet: Durch ein neues Gesetz hat NRW in Wuppertal Mehrkosten verursacht, die das Land ausgleichen muss. Kühn: „Wir rechnen grob geschätzt mit sieben bis acht Millionen Euro.“ Unklar sei aber – wie so oft – ob dieses Geld auch die tatsächlichen Kosten decken wird.

Klar ist: Dort, wo die Stadt ohnehin schon Gymnasien saniert, wird der neue Platzbedarf gleich mitgedacht und entsprechend erweitert. Am Cronenberger Carl-Fuhlrott-Gymnasium (CFG) wird wohl allein wegen der Umstellung auf G9 ein Anbau nötig werden. So schätzt das Schulleiter Reinold Mertens ein. „Wir benötigen Platz für 180 Schüler mehr. Das bedeutet mindestens sechs Klassenzimmer sowie zusätzliche Fach- und Nebenräume. Und übrigens auch rund neun neue Lehrer.“

Sitzenbleiber müssen gleich zwei Jahre dranhängen

Ein weiterer Reibungspunkt bei dem Übergang von G8 auf G9 tut sich beim Thema Versetzung auf. Die heutigen Siebtklässler sind an den Wuppertaler Gymnasien der letzte G8-Jahrgang, die aktuellen Klassen 5 und 6 sind bereits auf G9 umgestellt. Ein Schüler, der aus dem letzten „Turbo-Abi“-Jahrgang“ nicht versetzt wird, wiederholt nicht nur ein Jahr, sondern bekommt wegen der Umstellung noch ein zusätzliches Jahr bis zum Abitur aufgebrummt.

Müssen betroffene Schüler einfach damit leben? Schuldezernent Kühn zuckt mit den Schultern: „Da bin ich nicht zuständig.“ Gute Lösungen bietet das Schulministerium für diesen Fall auch nicht an, es gibt lediglich die Empfehlung, auf eine andere Schulform zu wechseln, um die doppelte Ehrenrunde zu vermeiden. Die Schulen werden mit der Problematik allein gelassen.

Hildegard Harwix, Schulleiterin am Barmer Gymnasium Sedanstraße, sieht für ihre Schule keine Alternative: „Im Moment ist uns rechtlich nichts an die Hand gegeben worden. Die Schüler müssen dann zwei Jahre länger an der Schule bleiben. Das ist dann so.“ Reinold Mertens vom CFG macht klar, dass er diesen Fall auf jeden Fall umgehen möchte: „Unser großes Ziel ist es, durch gezielte Förderung eine solche Wiederholung zu vermeiden.“

Schulstoff wird wieder neu auf neun Jahre verteilt

Aktuell arbeiten die Schulen an der Umsetzung der neuen Kernlernpläne, denn der Schulstoff muss nun wieder neu auf neun Jahre verteilt werden. Direktor Mertens, der trotz aller Wachstumsschmerzen sehr froh über die Umstellung ist, sagt: „G9 bedeutet nicht die gleiche Bildung in noch mehr Zeit, sondern insgesamt mehr Bildung für die Schüler.“

In die neuen Lehrpläne könnten nun auch Aspekte wie Digitalisierung und Verbraucherbildung besser eingearbeitet werden. Zudem habe man endlich wieder Freiräume, etwa um die Kreativität der Schüler zu fördern.

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