Abzocke, Drogen und Körperverletzung

„Gucci“-Kinderbande macht Wuppertal unsicher

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Eine Kinderbande begeht in Wuppertal unter anderem Diebstähle (Symbolbild).

WUPPERTAL Eine Gruppe Jungen und Mädchen zieht durch Wuppertal-Barmen, nimmt Drogen und begeht Straftaten. Eine wirkungsvolle Lösung haben die Behörden noch nicht gefunden.

Von Katharina Rüth

Eine Gruppe straffälliger Kinder und Jugendlicher macht den Verantwortlichen Sorgen. In unterschiedlicher Zusammensetzung begehen sie Straftaten von Diebstahl über Einbrüche bis zum verharmlosend „Abzocke“ genannten Raub. Auch Körperverletzung und Drogendelikte gehen auf ihr Kerbholz. Davon berichten die Polizei und Jugendamtsleiterin Christine Roddewig-Oudnia.

Die genaue Größe der Gruppe, die sich selbst „Gucci-Bande“ nennen soll, kennen die Behörden nicht. Die Polizei spricht von aktuell fünf bis sieben Kindern unter 14 Jahren, dazu einigen Jugendlichen, Christine Roddewig-Oudnia von acht bis 15. Sie sagt, vor allem die Kinder unter 14 Jahren begingen die Straftaten – mit dem 14. Geburtstag höre das dann „schlagartig“ auf, in dem Bewusstsein, dass ab 14 Jahren Strafen dafür drohen.

KINDERKRIMINALITÄT

STATISTIK Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik gehen die Straftaten von Kindern und Jugendlichen in Wuppertal zurück: 2008 wurden 664 Tatverdächtige unter 14 Jahre gezählt, 2017 waren es nur 489, bei den 14- bis 18-Jährigen ging die Zahl von 1532 auf 1168 zurück. 

2017 Im vergangenen Jahr ging es bei den Kindern in der Hälfte der Fälle (246) um Diebstahl, Rohheitsdelikte wie Raub und Körperverletzung (159) waren wesentlich seltener. Bei den Jugendlichen gibt es fast gleich viele Diebstähle (389) wie Rohheitsdelikte (378). Und es kommen verstärkt Vermögens- und Fälschungsdelikte vor (239).

Offenbar hielten die dann älteren Jugendlichen die Jüngeren dazu an, die Straftaten zu begehen. Polizeisprecher Stefan Weiand berichtet, dass in Einzelfällen die Anzahl der Straftaten erheblich sei. In einem Fall hätten sie für einen 13-Jährigen innerhalb von neun Monaten rund 130 Verfahren aufgenommen.

Er erklärt: „Die agieren nicht organisiert, sondern in Kleingruppen, zu zweit oder zu dritt.“ Bei Diebstählen und Überfällen gehe es um Handys oder Bargeld. Als Opfer suchten sie sich „welche, die schwächer sind“, zum Beispiel ältere Menschen. Er sagt, bei den Drogendelikten handele es sich hauptsächlich um Haschisch. Christine Roddewig-Oudnia sagt, konsumiert würden auch Ecstasy und andere Amphetamine.

Die Clique ist Familienersatz

Zur Gruppe gehörten Jungen und Mädchen. Nach bisherigen Erkenntnissen seien es vor einer Weile sogar ältere Mädchen gewesen, die den Ton bei den jüngeren Jungen angaben. Aktuell seien jedoch auch jüngere Mädchen dazugestoßen. Denn die Gruppe habe eine gewisse Anziehungskraft, ziehe immer wieder neue Kinder an. Sie gelte als „cool“ und innerhalb der Gruppe gehe es sehr freundschaftlich zu, die Mitglieder kümmerten sich umeinander. „Dann ist die Clique Familienersatz“, sagt Christine Roddewig-Oudnia.

Einige Kinder kämen aus schwierigen Verhältnissen, einige lebten auch auf der Straße, es seien aber auch Kinder aus bürgerlichen Familien dabei. Ob es Verbindungen zu anderen Szenen gibt, wisse man nicht. Mitglieder kämen aus Oberbarmen und Wichlinghausen. „Wir wissen aber auch, dass sich Kinder aus Elberfeld und Vohwinkel mit diesen Kindern treffen.“

Von der Rosenau seien sie durch die dort verstärkt Streife laufenden Polizisten vertrieben worden, hätten sich auf dem Berliner Platz aufgehalten, aber auch auf verschiedenen Spielplätzen und auch mal an der Nordbahntrasse. „Die sind ziemlich mobil“, sagt Christine Roddewig-Oudnia. Sie wüssten auch nicht, ob es die selben Kinder seien, die in Elberfeld aufgefallen sind, unter anderem, als ein Kind nach einem Diebstahl einen Polizisten in den Finger biss.

Qualität des Phänomens ist neu

Dass Jugendliche auffällig werden, habe es immer gegeben, „aber nicht in dieser Qualität“, sagt die Jugendamtsleiterin. Nicht mit dem Phänomen, dass die Jugendlichen mit 14 aufhören, Straftaten zu begehen, und dann Jüngere für die Straftaten anwerben.

Wenn die Polizei Kinder erwischt, werden diese nicht juristisch belangt, aber Eltern und Jugendamt informiert – und versucht, mit den Familien zu arbeiten. Die Polizei arbeitet seit einiger Zeit mit dem Landesprogramm „Kurve kriegen“, bei dem Sozialarbeiter direkt bei der Polizei sitzen und Kontakte zu anderen Institutionen knüpfen.

Doch diese Ansätze hatten bei der Kinderbande bisher nicht den gewünschten Erfolg. Deshalb unternimmt die Stadt in Kooperation mit der Diakonie jetzt einen neuen Versuch, bei dem zwei Sozialarbeiter gezielt auf diese Gruppe zugehen, mit einem Bus die von ihnen aufgesuchten Plätze anfahren. „Wir wollen vor Ort ein ganz niederschwelliges Angebot machen“, unter anderem Essen anbieten. Es gehe darum, das Vertrauen der Kinder zu gewinnen, um unter anderem den Kindern zu helfen, die aus desolaten Verhältnissen kommen.

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