Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe

Grüner Zoo Wuppertal hat große Pläne

Der Zehn-Jahres-Plan für den Zoo sieht Begegnungen der Besucher mit der Tierwelt aus Südostasien vor – wie hier mit Gibbons. Fotos: Andreas Fischer
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Der Zehn-Jahres-Plan für den Zoo sieht Begegnungen der Besucher mit der Tierwelt aus Südostasien vor – wie hier mit Gibbons.

Wuppertal. Direktor Arne Lawrenz legt ein neues Konzept vor.

Von Andreas Boller

Von 3000 auf 10 000 Quadratmeter soll die Elefantenanlage erweitert werden. Die Planungen sehen auch ein neues Elefantenhaus vor.

Seit seinem Amtsantritt als Zoodirektor im Jahr 2013 hat Dr. Arne Lawrenz die Marke „Grüner Zoo Wuppertal“ geprägt. Der von dem langjährigen Tierarzt des Zoos eingeschlagene Weg, die Tierhaltung in Wuppertal zu überdenken und an wissenschaftlichen Erkenntnissen der Tiergartenbiologie auszurichten, hat sich als zukunftsweisend erwiesen. Menschen nehmen Tiere in Zoologischen Gärten anders wahr als früher. Und sie erwarten, dass sich der Zoo in diesem Sinne zum Wohle der Tiere verändert.

„Es müssen separate Räume für den Bullen, die Kühe und ihren Nachwuchs sowie eine Junggesellengruppe geschaffen werden.“

Zoodirektor Arne Lawrenz über die Pläne der Elefantenhaltung

Um dieses Ziel zu erreichen, hat Arne Lawrenz den Entwicklungsplan „150 Jahre Grüner Zoo Wuppertal“ erarbeitet, mit dem sich nun die Politik befassen muss. Unter den großen Ratsfraktionen zeichnet sich eine grundsätzliche Zustimmung für die Pläne ab. Nach Informationen des ST würden rund 28 Millionen Euro für Investitionen in den Zoo in den kommenden Doppelhaushalt 2022/2023 eingestellt werden müssen.

Vor einem grundlegenden Wandel steht nicht allein der Grüne Zoo in Wuppertal, sondern dieser Herausforderung müssen sich aktuell die meisten traditionsreichen Zoos und Tierparks stellen: Anlagen und Gehege für Zootiere, die vor Jahrzehnten als spektakulär für die Besucher und fortschrittlich für die Tiere galten, wären heute nicht mehr genehmigungsfähig. Der Wandel hat Tempo aufgenommen, und so legt Arne Lawrenz für den Grünen Zoo jetzt eine Überarbeitung seines Entwicklungsplans aus den Jahren 2013/2014 vor.

Als Lawrenz vor acht Jahren die Leitung des Zoos übernahm, hatten seine Ideen für eine artgerechtere Tierhaltung ein überwiegend positives Echo ausgelöst. Doch es gab auch Kritik, weil der Zoo die Haltung von Tierarten aufgegeben hat, um Platz für die Vergrößerung anderer Gehege zu schaffen. Der größte Teil der Pläne konnte allerdings aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden. Auf der Prioritätenliste des Gebäudemanagements der Stadt Wuppertal (GMW) rückte der Zoo durch Projekte im Schul- und Kitabau nach hinten. Nun nimmt Arne Lawrenz einen neuen Anlauf und sagt: „Es handelt sich bei dem Konzept um die Weiterentwicklung und Priorisierung des bisherigen Plans. Es gibt Punkte, bei denen ich mit meinen Überlegungen heute ein Stück weiter bin als vor einigen Jahren.“

Neuer Schwerpunkt liegt auf den Außenflächen

In den bisherigen Überlegungen spielte das in den Zoosälen geplante Carl Fuhlrott Zentrum die entscheidende Rolle. Doch die Schaffung einer künstlichen Wupper-Flusslandschaft bleibt eine Utopie, die nicht finanzierbar ist. Nun heißt es: Der Grüne Zoo Wuppertal benötigt langfristig eine neue, moderne, transparente Veterinärmedizin und ein Zoopädagogisches Zentrum mit einem Labor der Erkenntnisse, die in den Historischen Zoosälen verortet sein könnten. Die Stadt hatte nach dem Auszug der Zoo-Gastronomie das Dach des historischen Gebäudes erneuert. Rund sieben Millionen Euro wurden in die Sicherung der Gebäudesubstanz investiert, doch seit 2014 stehen diese sanierten Räume leer.

Der neue Schwerpunkt der Planung liegt auf der Schaffung von sogenannten Ökosystemkomplexen. Das Kürzel „KAREN“ steht für eine künstliche Landschaft im unteren Bereich des Zoos. Ein von Besuchern begehbares Gebäude soll von Gibbons, Ottern und Hirschebern bewohnt werden.

Einen weiteren Schwerpunkt soll die Erweiterung der Elefantenanlage bilden. „Wenn wir als Zoo die erfolgreiche Zucht der afrikanischen Elefanten weiterbetreiben wollen, dann muss das Gehege von 3000 auf 10 000 Quadratmeter erweitert werden“, sagt Matthias Nocke, der für den Zoo zuständige Dezernent. „Das ist nicht etwas, was wir uns zusätzlich leisten, sondern dieser Umbau ist ein absolutes Muss, da die Haltung der Elefanten den geänderten Standards angepasst werden muss“, so Nocke.

„Es müssen separate Räume für den Bullen, die Kühe und ihren Nachwuchs sowie eine Junggesellengruppe geschaffen werden. Die Elefanten sollen zusammen mit afrikanischen Huftieren ohne direkten Kontakt zu den Tierpflegern leben“, beschreibt Arne Lawrenz die Pläne, mit denen die Elefantenhaltung als Markenzeichen des Zoos betont werden soll. Für die Kinder ist ein neuer Naturspielplatz in der Nähe zum Okavango geplant.

150-jähriges Jubiläum ist Ansporn für den Wandel

2031 wird der Zoo 150 Jahre alt. Arne Lawrenz sieht das Jubiläum als Motivation, den Wandel jetzt einzuleiten, unabhängig davon, ob 2031 der Grüne Zoo wichtiger Bestandteil der Bundesgartenschau wird. „Der alte Baumbestand und die Grünanlagen sind ein weiterer Schatz, der intensiver Pflege bedarf“, erinnert Matthias Nocke an die Bedeutung des Zoos als Landschaftspark.

Moderne Technik soll durch ein 5G-Campusnetz und eine CO 2- neutrale Energieversorgung im Zoo Einzug halten. Alle großen Gebäude des Zoos sollen an ein Nahwärmenetz angeschlossen werden. Längst überfällig ist die Modernisierung der Sozialräume für die Belegschaft in einem seit 1957 betriebenen Wirtschaftsgebäude.

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