Graureiher fühlen sich willkommen

So nisten die majestätischen Graureiher derzeit an der Düssel. Foto: Bernhard Stoll
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So nisten die majestätischen Graureiher derzeit an der Düssel.

An den Teichen im Neandertal haben sich Kolonien niedergelassen

Mettmann Das kehlig-raue, laute Krächzen weist Wanderern den Weg: Im Neandertal haben sich zwei Kolonien von Graureihern niedergelassen und ihre Nester gebaut. Dass ihnen Menschen vom Wanderweg aus bei der Brut und der anschließenden Aufzucht der Jungen zuschauen werden, irritiert die Wildvögel nicht, sagt Wolfgang Sternberg vom Naturschutzbund Nabu: „Die beiden Reiherkolonien im Neandertal sind an Spaziergänger gewöhnt, solange die Menschen auf Abstand bleiben und nicht über den dortigen Zaun klettern.“

Mit dem Handy oder einem Fotoapparat lassen sich in diesen Tagen tolle Bilder machen – wie Bernard Stoll beweist, der das nebenstehende Foto geschossen hat. „Entlang der Teiche habe sich die Graureiher häuslich eingerichtet“, beobachtet Nabu-Experte Sternberg.

Bis in die 1970er-Jahre waren die Vögel vom Aussterben bedroht

Dabei sah es lange Zeit nicht gut aus für den Graureiher. Denn Angler und Fischer stellten den Raubvögeln nach, die sich von Fischen und Amphibien ernähren und deshalb als lästige Räuber galten. Auch die Eigentümer von Gartenteichen, in denen teils eindrucksvoll gemusterte und dementsprechend wertvolle Koi-Karpfen gründeln, wissen von den pfeilschnellen und immer hungrigen Räubern ein Lied zu singen. „In Richtung Haan hatten sich einige Reiher regelrecht darauf spezialisiert, die Gartenteiche regelmäßig zu besuchen“, berichtet Sternberg. Sobald sich die Gelegenheit dazu biete, schlage sich ein Graureiher, salopp formuliert, den Magen voll.

Dass Wanderer fünf bis sechs der Großvögel auf den Feldern oberhalb des Neandertals stehen sehen, ist keine optische Täuschung. Denn neben allerlei Wassergetier bestimmen Mäuse den Speisezettel der Graureiher. „Um diese flinken Nager zu fangen, stehen die Graureiher meist sehr lange völlig unbeweglich an einem Ort – und schlagen erst dann zu, wenn die Mäuse arglos vorbei laufen“, berichtet Sternberg.

„Im Neandertal fühlen sich die Reiher wohl“, sagt Sternberg, der an der Kolonie alle paar Wochen nach dem Rechten sieht. Graureiher waren bis Mitte der 1970er Jahre vom Aussterben bedroht. Die Bestände gingen immer weiter zurück, weil Angler und Fischzüchter den Reihern nachstellten, wo immer sie das konnten. Seit die Art unter Naturschutz gestellt ist, sind Uhu und Waschbär die größten Fressfeinde der Reiher – vor allem, wenn Eier im Nest liegen oder Junge frisch geschlüpft sind. „Mein Eindruck ist, dass die Angler mittlerweile gelassener mit den Graureihern umgehen“, sagt Sternberg.

Der Erfolg des Naturschutzes sei – unter anderem im Neandertal – sichtbar: Auch dort sei die Reiherpopulation wieder deutlich angewachsen. Im Kreis Mettmann tauchen die eleganten Flieger in größerer Zahl unter anderem am Elbsee und dem benachbarten Dreiecksweiher auf. Wer sich dort in die Langbeine verguckt, kann laut Sternberg in der Zeit nach Corona einen Ausflug in die Bretagne machen. Dort findet sich Jahr für Jahr die größte Reiherkolonie Europas ein. „Bis zu 1900 Brutpaare wurden in der Bretagne bereits gezählt.“ Im Neandertal sind es in der größeren Kolonie am Wanderclub bis zu 40 Brutpaare, an der Winkelsmühle zählte er 15 Reiher-Eltern.

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