Sanierung

Ein Gerichtssaal mit großer Geschichte

Die aktuelle Einrichtung des Schwurgerichtssaals stammt aus den 1950er Jahren. Foto: Justiz NRW
+
Die aktuelle Einrichtung des Schwurgerichtssaals stammt aus den 1950er Jahren.

Im Schwurgerichtssaal im Wuppertaler Landgericht fanden viele wichtige Prozesse statt – jetzt wird er saniert.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Der große Schwurgerichtssaal des Landgerichts Wuppertal wird umfassend saniert und modernisiert. Wenn die Arbeiten voraussichtlich im Frühsommer abgeschlossen sind, wird es dort mehr Platz für Verfahrensbeteiligte und Technik auf neuestem Stand geben. 300 000 Euro soll der Umbau kosten.

In diesem Saal fanden schon viele aufsehenerregende Prozesse statt, etwa das Verfahren gegen die als „Todesengel“ bekannte Krankenschwester, die mehrere Patienten mit einer Spritze tötete, der Prozess gegen den brutalen KZ-Aufseher Gottfried Weise, bekannt als „Wilhelm Tell von Auschwitz“, eines der Verfahren wegen des tödlichen Schwebebahnunfalls, der Prozess gegen den Polizistinnenmörder von Lennep, das Verfahren gegen die Frau, die ihr fünfjähriges Pflegekind Talea tötete, ein Verfahren gegen die jungen Männer, die als „Scharia-Polizei“ auftraten und Teile des Prozesses um die Ermordung des Springmann-Ehepaars.

Die zuletzt bestehende Einrichtung des Saals stammt aus den 1950er Jahren. 1955 war er neu eingeweiht worden, nachdem das Gerichtsgebäude 1943 schwer beschädigt worden, der Saal ausgebrannt war. Das denkmalgeschützte Gebäude selbst stammt von 1854, ist eines der ältesten Gerichtsgebäude Deutschlands. Es entstand nach Plänen des Schinkelschülers Carl Ferdinand Busse.

Elberfelder Bürger setzten sich für eine Landgericht-Gründung ein

Dass es damals überhaupt ein Landgericht in Elberfeld gab, ist der Hartnäckigkeit der Elberfelder Bürger zu verdanken. Sie wollten nicht hinnehmen, dass sie für das Austragen ihrer Streitigkeiten nach Düsseldorf mussten.

So soll der Schwurgerichtssaal nach der Sanierung aussehen. 300 000 Euro kostet der Umbau. Entwurf: Architekten Hebgen GmbH

Daher reisten Oberbürgermeister Johann Rütger Brüning und Stadtrat August von der Heydt im Februar 1834 nach Berlin und verhandelten mit König Friedrich Wilhelm III. und weiteren Regierungsstellen – nach dem Motto: „Ich reise erst wieder nach Elberfeld zurück, wenn das Landgericht bewilligt ist.“

Im Mai unterzeichnete der König den Erlass zur Gründung des Landgerichts. Am 24. November 1834 wurde das Gericht eröffnet, erst provisorisch in einem Bürgerhaus an der Herzogstraße. Auf Initiative der Stadt Barmen einigten sich die Nachbarstädte 1841 auf die Wupperinsel als neuen Gerichtsstandort – auf der Stadtgrenze zwischen Elberfeld und Barmen. In der Denkmalliste der Stadt heißt es, das Bauwerk gehöre „zu den qualitativ besten öffentlichen Bauten des Klassizismus im Rheinland“ und sei ein „wichtiges Zeugnis für die Geschichte der Stadt Wuppertal“.

Bei der Neueinrichtung des Saals 1955 wurde das Mosaik „Das salomonische Urteil“ der Künstlerin Adelheid Horschik an der Wand hinter der Richterbank angebracht. Es zeigt die berühmte Bibelszene von König Salomo und den um ein Kind streitenden Frauen. Das Mosaik soll erhalten bleiben.

Ansonsten wird viel erneuert: „Alle Möbel werden in Abstimmung mit dem Denkmalschutz ausgetauscht“, erklärt Gerichtssprecher Arnim Kolat. Der Boden, zuletzt mit Nadelfilz bedeckt, erhalte ein Stäbchenparkett. Unter die Decke kommen Reflektorwände, die Lichtverhältnisse und Akustik verbessern.

Die Tische werden aus dem gleichen Holz neu gebaut und zum Teil neu verteilt: Künftig werden Angeklagte aus Zuschauersicht rechts sitzen, die Staatsanwaltschaft links. „So können wir den Platz besser ausnutzen“, erklärt Arnim Kolat. Auf der rechten Seite gebe es ohne Tür mehr Raum für mehrere Angeklagte und ihre Verteidiger. Der Glaskasten zur Sicherung von Angeklagten wird verschwinden, vor den neuen Plätzen wird es eine Glaswand geben.

Aufgearbeitet werden die Türen, die Balustrade vor dem Zuschauerbereich sowie die halbhohe Wandverkleidung im Zuschauerbereich. Erneuert und erweitert wird die Technik für Mikrofone, Tonübertragung und Computeranschlüsse. Mehrere Leinwände sind für Bildübertragungen vorgesehen.

Während der Umbauarbeiten steht der größte Saal des Gerichts nicht zur Verfügung. Ein Prozess um Drogenhandel gegen sechs Angeklagte ist deshalb ans Landgericht Mönchengladbach verlegt worden, um die während der Coronazeit notwendigen Abstände einhalten zu können. Das bedeute zwar einen erheblichen Aufwand, erklärt Landgerichtspräsidentin Annette Lehmberg. „Die gefundene Lösung zeigt aber, dass die Justiz in der gegenwärtigen schwierigen Situation in der Lage ist, ihren Auftrag zu erfüllen, ohne den Gesundheitsschutz der Verfahrensbeteiligten zu vernachlässigen.“

Gemälde

Einst zierte ein Ölgemälde den Saal: Der Historienmaler Albert Baur der Ältere, Mitglied der Düsseldorfer Schule, hatte 1864 den Auftrag für die Ausschmückung des Schwurgerichtssaals in Elberfeld gewonnen und schuf eine Darstellung des Jüngsten Gerichts. Das Bild wurde wohl 1943 ebenfalls zerstört.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Gasflasche löste Explosion aus
Gasflasche löste Explosion aus
Gasflasche löste Explosion aus
Fenster fliegen aus einem Wuppertaler Gebäude
Fenster fliegen aus einem Wuppertaler Gebäude
Fenster fliegen aus einem Wuppertaler Gebäude
Pipeline-Gegner nach Flut besorgt
Pipeline-Gegner nach Flut besorgt
Pipeline-Gegner nach Flut besorgt

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare