Gericht gewährt junger Gewalttäterin letzte Chance

Dank Ausbildungsvertrag, Umzug und bereits 18 Monaten Haft

Haan/Wuppertal -magu- Einen Eindruck ihres aufbrausenden Auftretens lieferte die Angeklagte schon im Gerichtsflur. Harsch brüllte sie ihren Freund an: Der solle jetzt mal die Klappe halten. Der eingeschüchterte Mann wurde mit einem Küsschen besänftigt.

Die Nerven lagen augenscheinlich blank, im Berufungsprozess drohte eine erneute Haft wegen Körperverletzung und Beleidigung. Im Juli 2019 soll die 27-Jährige in der Flüchtlingsunterkunft an der Düsseldorfer Straße einen Asylbewerber attackiert und gegen den Kopf geschlagen haben. Der Mann war verletzt vom Stuhl gefallen und hatte sich zuvor noch anhören müssen, dass er stinke und das Land verlassen solle. Als das Amtsgericht im nachfolgenden Prozess sieben Monate Haft auf Bewährung verhängte, gefiel dem Staatsanwalt dieses Urteil nicht. Der Grund: Es hatte bereits eine frühere Verurteilung wegen Raubes und Körperverletzung gegeben.

Im März 2017 sollen die Angeklagte und ihr damaliger Lebensgefährte im Haaner Bachtal zwei Mädchen brutal verprügelt und beraubt haben. Die 27-Jährige soll damals auf einen Tisch gesprungen sein und einem der Opfer ins Gesicht getreten haben. Ihr Freund hatte das Mädchen in den Busch gezerrt und getreten.

Staatsanwaltschaft will Neuanfang nicht verbauen

Nur wenige Wochen zuvor hatten beide in der Marktpassage zwei weitere Frauen attackiert. Eine der Frauen wurde von der Angeklagten gegen eine Fensterscheibe gestoßen, ihr Freund brach dem Opfer mit einem Tritt ins Gesicht die Nase. Eine weitere Anklage lautete auf Volksverhetzung.

Offenbar reichte die Indoktrination bis in die Familie – der Richter sprach von Mutter und Großmutter, die das rechtsextreme Gedankengut verbreitet haben sollen. Mit der Familie will die Angeklagte mittlerweile gebrochen haben, ebenso mit dem kriminellen Ex-Freund. Wesentlich dafür, dass nun auch die Staatsanwaltschaft wegen des Übergriffs in der Flüchtlingsunterkunft einer Bewährungsstrafe zustimmte, war hingegen etwas anderes: Die 27-Jährige saß in den vergangenen 18 Monaten in Haft, wegen des Raubes im Haaner Bachtal. Sie habe dort eine Fortbildung abgeschlossen und nun einen Ausbildungsvertrag. Vom rechtsextremen Umfeld habe sie sich losgesagt, demnächst ziehe sie nach Viersen. Der Staatsanwalt verzichtete auf die geforderte Haftstrafe, um ihr den Neuanfang nicht zu verbauen.

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