Wirtschaft

Alexander Unger kritisiert die Politik: „Gastronomen wirtschaften sich kaputt“

Gastronom Andreas Unger hat die Corona-Zeit genutzt und unter anderem ein eigenes Bier gebraut: Das Hus Alt.
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Gastronom Andreas Unger hat die Corona-Zeit genutzt und unter anderem ein eigenes Bier gebraut: Das Hus Alt.

Haan. „Es ist eine Menge im Argen in der Gastronomie.“ Dieser Meinung ist Gastronom Alexander Unger.

Von Tanja Bamme

Er betreibt seit 2020 das Restaurant Becherhus an der Kaiserstraße, hatte pünktlich zum zweiten Lockdown eröffnet. Untätig war er in der Zeit nicht. Aus der eigenen Herstellung sind Gewürze, Wein, Tee und Kaffee entstanden. Sogar ein eigenes Altbier, das „Hus-Alt“, hat Unger in der Zeit auf den Weg gebracht. Leer blieben jedoch die Gästeräume. Oder sie waren „mit Abstand“ gefüllt. Jetzt, nach etlichen Lockdowns und Zeiten mit Hygieneabstand und Sicherheitsmaßnahmen bleiben erschöpfte und ausgebrannte Gastronomen zurück.

Und das hat gleich mehrere Gründe: „Wir bekommen kaum mehr Personal, weil sich etliche Menschen umorientiert haben“, sagt Unger, der selbst in jedem seiner Bereiche vakante Stellen aufweist. Schuld hat in seinen Augen die Politik. „Ich sehe das schon alleine bei den Mini-Jobbern, die man kaum mehr bekommt. Während zahlreiche Angestellte finanzielle Hilfen bekommen haben, ist diese Berufsgruppe völlig vergessen worden. Meine Aushilfen mussten sich nach etwas anderem umgucken, schlichtweg weil sie das Geld brauchen“, so der Fachmann. Aber auch das Interesse, heute in der Gastronomie beruflich Fuß zu fassen, wird laut Unger von der Politik vermiest. „Wir gehörten schon immer zu den Geringverdienern, aber jetzt wird von Seiten der Politik suggeriert, dass wir kein sicherer und verlässlicher Arbeitgeber sind, weil wir in der Corona-Zeit wieder schließen könnten. Da muss sich grundlegend die Einstellung zu unserem Berufsstand ändern.“

In seinem Lokal bildet Alexander Unger selbst aus und zieht sich den eigenen Nachwuchs groß. Die Azubis direkt als vollwertige Arbeitskräfte ansehen, das ist nicht möglich. „Die jungen Menschen sind bei uns, um zu lernen. Mit ihnen können wir nicht den Personalnotstand kompensieren“, sagt er.

Mehrpreis kann nicht mehr an Kunden weitergegeben werden

Kopfzerbrechen bereitet dem Becherhus-Betreiber auch der Blick in seine Geschäftsbücher. Den gesetzlich vorgeschriebenen Rohgewinnzuschlag für seine Speisen und Getränke zu verhängen, das kann Alexander Unger schon lange nicht mehr. Erst kürzlich hat er auf seiner Speisekarte ganz auf Steak verzichtet. „Da lag das Kilo Steak beim Einkauf mal eben bei 30 Euro anstatt 20 Euro. Diesen Mehrpreis hätte ich nicht an die Kunden weitergeben können“, gibt er wieder. Zwar haben sich die Preise auf dem Fleischmarkt diesbezüglich erholt, bei anderen Waren sehe das aber ganz anders aus. „Ich zahle allein für unser Öl schon 7000 Euro mehr im Jahr. Und das ist nur einer von vielen Posten“, erklärt er.

Die Nebenkosten haben sich ebenfalls schmerzhaft in die Höhe geschraubt. So fallen bei Alexander Unger allein an Stromkosten 2000 Euro im Monat mehr an. „Das sind 24 000 Euro im Jahr, das kann ich gar nicht mehr umlegen, sonst würde niemand hier essen kommen.“ Schon mehrmals hat Alexander Unger die Politik kontaktiert, auch politische Gäste in seinem Restaurant angesprochen. Zurück geblieben sind betroffene Blicke und zuckende Schultern. „Es ist so ärgerlich, dass man uns einfach nicht beachtet. Wir haben einen viel größeren Personalstamm als beispielsweise die Autoindustrie. Die wiederum hat eine wesentlich größere Lobby. Wir Gastronomen wirtschaften uns gerade kaputt. Selbst wenn die Restaurants gut gefüllt sind, kämpfen wir gegen Windmühlen. Überall schließen Kolleginnen und Kollegen, weil sie sich die Kosten einfach nicht mehr leisten können.“

Er selbst wäre zu Gesprächen bereit, würde sich gerne einmal mit Vertretern der Politik, egal ob von Bund oder Land, an einen Tisch setzen und die Probleme darlegen. „Auch eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema fände ich interessant. Man soll uns einmal hören uns wahrnehmen.“ Alexander Unger weiß ganz genau, wovon er redet. Seit 38 Jahren ist er Gastronom und das aus Überzeugung. Neben dem Betrieb des Restaurants unterstützt er andere Gastronomen dabei, Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. „Ich liebe meinen Beruf, im nächsten Jahr möchten wir auch Spirituosen auf den Markt bringen und das Konzept weiter ausbauen“, verrät Unger. „Und wenn all diese Probleme nicht wären, könnte unser Leben so schön sein.“

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