Ab 2023

Gastronomen und Caterer in Wuppertal hadern mit dem Mehrweg-Pfand

Noch skeptisch: Kaspar Stange von Creme Eis. 
+
Noch skeptisch: Kaspar Stange von Creme Eis. 

Wuppertal. Das neue Verpackungsgesetz der Bundesregierung ist eindeutig: Nach und nach soll der Einsatz von Plastik bis 2030 in der Lebensmittelindustrie weiter reduziert werden, um „Abfälle zu vermeiden, Rohstoffe zu sparen und die Umwelt zu schonen“.

Von Jonas Meister

Der nächste Schritt in diesem Plan tritt schon ab 2023 in Kraft. Ab dem 1. Januar sind Caterer, Lieferdienste und Restaurants dann verpflichtet, Mehrwegbehälter als Alternative zu Einwegbehältern für Essen und Getränke zum Mitnehmen und Bestellen anzubieten, wenn es der Kunde ausdrücklich wünscht. Ein Schritt, mit dem einige Gastronomen in Wuppertal noch hadern.
„Für Wirte, die zehn Essen am Tag ausliefern, lohnt sich der Aufwand einfach nicht. Für mich ist das alles noch zu unausgegoren. Wenn das funktionieren soll, dann muss man sich auf ein einheitliches System einigen und das sehe ich bis Jahresende einfach nicht kommen. Dazu sollte man damit nicht die Wirte schikanieren, sondern beim Thema Verpackungen erstmal bei den Discountern anfangen“, findet Spiridon Bekiaris vom Restaurant Piräus in Barmen. Ähnlich sieht es Kaspar Stange, Geschäftsführer von Kaspar Catering und Creme Eis: „Mit solchen Gesetzen Nachhaltigkeit ankurbeln zu wollen begrüße ich natürlich sehr. Allerdings frage ich mich beim Blick auf Produkte wie Capri-Sun, wie nachhaltig dort die Einführung von zarten Papierstrohhalmen ist, wenn das Getränk selbst in einer mit Kunststoff isolierten Aluverpackung geliefert wird.“

Dass das Thema Nachhaltigkeit bei seinen Kunden angekommen ist, ist Stange bewusst. So würden etwa am Toelleturm die ersten Gäste mittlerweile eigene Tupperware für das Eis mitbringen. Dazu seien die Löffelchen und auch die Pappbecher die er im Angebot hat heute zu 90 Prozent kompostierbar und auch beim Catering können Kunden auf Wunsch zwischen Porzellan- und Papptellern wählen. Anders als Plastikbesteck sehen die Gastronomen andere Verpackungen vorerst nicht aus den eigenen Beständen Verschwinden. Müssen sie auch nicht, denn im Rahmen des Mehrweg-Pfandes gibt es auch Ausnahmen für kleine Betriebe geben, wie etwa Imbissbuden, die maximal fünf Beschäftigten haben und nur über bis zu 80 Quadratmetern Verkaufsfläche verfügen.

Ebenfalls intensiv mit dem Thema Mehrweg-Pfand hat sich Ahmad Daoud vom Neuenhof1 in Cronenberg beschäftigt: „Ich habe mich 2021 nach dem zweiten Lockdown dazu entschieden, ein eigenes Pfandsystem für den Außer Haus-Verkauf anzubieten. Insgesamt habe ich 7000 Euro in Glasbehälter von Emsa investiert.“ Die Kunden würden das Pfandangebot, das je nach Bestellwert auf 10, 15 oder 20 Euro gestaffelt ist, sehr gut annehmen. Warum er sich für Glas entschieden hat? „Gewisse Speisen wie Aufläufe kann ich einfach nicht in Pappe oder Kunststoff ausliefern“, erklärt Daoud, dem die Diskussion über ein Mehrweg-Pfand für seinen Betrieb jetzt zu spät kommt.

Unterstützung für das Gesetz gibt es von dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga: „Wenn sich die jeweilige Verwaltung für ein einheitliches Pfandsystem in ihrer Kommune entscheidet, dann muss das für die Wirte gar nicht teuer sein, weil dann jeder Kunde die Mehrwegbehälter überall abgeben kann“, erläutert die für Wuppertal zuständige Stellvertretende Geschäftsführerin des Dehoga-Nordrhein, Isabel Hausmann. „Es gibt mit Vytel, Recup oder Rebowl bereits viele Anbieter mit ausgereiften Pfand-Produkten. Die würden wir den Gastronomen vor Ort gerne vorstellen, wenn sich denn die Verwaltung für ein System entscheidet.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Motorradfahrer stirbt nach Unfall
Motorradfahrer stirbt nach Unfall
Motorradfahrer stirbt nach Unfall
Wupper-Tells: Auf Entdeckungstour entlang der Wupper
Wupper-Tells: Auf Entdeckungstour entlang der Wupper
Wupper-Tells: Auf Entdeckungstour entlang der Wupper
Nackte Menschen lagen in Wuppertal auf Krankenhausboden - Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein
Nackte Menschen lagen in Wuppertal auf Krankenhausboden - Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein
Nackte Menschen lagen in Wuppertal auf Krankenhausboden - Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein
Die zehn schönsten Regen-Songs aller Zeiten
Die zehn schönsten Regen-Songs aller Zeiten
Die zehn schönsten Regen-Songs aller Zeiten

Kommentare