Weihnachten

Die Galicier gehen mit der Corona-Krise gelassen um

Das mittelalterliche Noia ist ein pittoreskes Küstenstädtchen in der Provinz A Coruña. Foto: Eva Pick
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Das mittelalterliche Noia ist ein pittoreskes Küstenstädtchen in der Provinz A Coruña.

Die Remscheiderin Eva Pick feiert mit ihrer kleinen Familie Weihnachten in ihrer Wahlheimat Spanien.

Von Andreas Weber

Remscheid/Spanien. Der Weihnachtsbaum hängt bei Eva Pick und Anette Schindler im Miniatur-Format an der Wohnzimmerwand. Dem Original nachempfunden mit Ästen, Fichtenzweigen und Deko, werden Heiligabend-Gefühle aus der alten Heimat geweckt. Für die Spanier gehört ein geschmückter, echter Tannenbaum nicht zur Tradition. Ebenso wenig spielt der 24. Dezember als Festtag eine große Rolle. Großfamilien treffen sich am 1. Weihnachtsfeiertag. Der Haupttag für Kinder und Geschenke ist aber der 6. Januar, der Tag der Heiligen Drei Könige. „Da gibt es die großen Umzüge durch die Orte, wie bei Karneval“, wissen die Lebensgefährtinnen. Alle sind dann – in normalen Zeiten – auf den Beinen.

Im Garten ihres Hauses: Anette Schindler und Eva Pick (rechts) haben Galicien zu ihrer Wahlheimat erkoren.

Anfangs haben die Betreiberinnen der Agentur Knulps Reisen in Galicien eine „weiße Weihnacht“ vermisst, obwohl es Schnee in Deutschland in den letzten beiden Jahrzehnten kaum an Heiligabend gab. „Bei uns an der Küste im Nordwesten Spaniens müssen wir darauf verzichten. Hier gehen die Jahreszeiten nahtlos vom Herbst in den Frühling über“, meint Eva Pick. Die 46-jährige Remscheiderin lebt mit ihrer Partnerin Anette (43) seit 2012 in einer bis auf den Jakobsweg touristisch weitgehend unerschlossenen Region.

Das malerische Galicien bringen sie Individualreisenden als einziger deutscher Spezialreiseveranstalter mit selbst ausgewählten Routen für Wanderer, Radfahrer und Mietwagen-Urlaubern näher. Corona legte ihre Branche lahm. „Erst gab es im Frühjahr eine riesige Umbuchungswelle, dann im Herbst eine Stornierungswelle“, meint Anette Schindler. Bis auf einen Stammkunden und eine zehntägige Gruppenreise auf dem Fischerweg (Rota Vicentia) im Südwesten Portugals blieben Gäste 2020 aus.

Das Paar, das mit seinem dreijährigen Sohn Milan ein paar Kilometer südlich von dem Städtchen Noia wohnt, hat sich als deutsche Reiseagentur mit zwei Sofort- und Überbrückungshilfen des Staates über Wasser gehalten und in seinem gemieteten Haus in dem Dorf Pousada (Gemeinde Lousame) bescheiden gelebt. Die kleine Familie kam gesund durch die neun Monate.

Spanier halten sich gewissenhaft an die Regeln

Corona-Panik brach nie aus. Nicht nur, weil die Infektionszahlen in der abgelegenen Region viel niedriger als in den Metropolen waren. „Es liegt sicherlich auch daran, dass die Galicier von ihrer Natur aus gelassen mit Krisen umgehen. Bislang waren es Finanzkrisen, aber auch über Corona wird nicht diskutiert und lamentiert wie in Deutschland. Die Menschen hier halten sich gewissenhaft an die Spielregeln. Schlechte Stimmung kommt nicht auf“, beobachtet Eva Pick.

Klagen gehört nicht zum guten Ton. „Wenn es einem nicht gut geht, wird das nicht an die große Glocke gehängt.“ Mundschutz wird in Geschäften wie auch draußen getragen. Der Einzelhandel ist - im Gegensatz zum zweiten Lockdown in Deutschland - offen. „An den Eingängen werden die Hände mit Desinfektionssprays eingerieben. Schlangen sind kein Problem. Die Galicier sind geübt im Warten.“

Verzicht aufs obligatorische „Küsschen links, Küsschen rechts“

Vom 23. Dezember bis 6. Januar gelten in der Region, in der die Reiseagentinnen leben, besondere Einschränkungen: Privat sind nur Treffen bis sechs Personen aus maximal zwei Haushalten erlaubt, Kinder bis zehn Jahre nicht eingerechnet. Bei Feiern soll man kein Essen teilen, an großen Tischen sitzen, mindestens 1,50 Meter Abstand halten, bei Begrüßungen auf das obligatorische „Küsschen links, Küsschen rechts“ verzichten, sich möglichst draußen aufhalten. Was bei Pick/Schindler im Garten mit Sonnenbrille und T-Shirt momentan möglich ist, wenn nicht gerade ein Sturm durchfegt oder es regnet. Allein die Temperaturen lassen Weihnachten in ihrer Wahlheimat zu einem anderen Fest werden als im Bergischen.

Für 2021 sind die Betreiberinnen von Knulps Reisen optimistisch. „Ein Grund dafür ist, dass besondere Reiseversicherungen jetzt auch Coronaschutz anbieten, die unter anderem bei Quarantäne greifen. Zusätzlich bieten wir unseren Kunden coronabedingt vereinfachte Umbuchungs- und Stornierungsbedingungen an. Wer bei uns bis Ende Januar bucht, kann, egal ob eine Reisewarnung besteht oder nicht, bis vier Wochen vor Antritt die gebuchte Reise kostenfrei umbuchen oder stornieren. Das erleichtert die Entscheidung“, hoffen sie.

Natürlich spekuliert Knulps Reisen auch darauf, dass nach vielen Monaten der Distanz, Urlauber vermehrt Reiseziele suchen, die nicht so überlaufen sind. Da könnte Galicien - abseits des Jakobsweges - 2021 erste Wahl werden.

Hintergrund

Knulps Reisen wurde benannt nach der Hauptfigur einer Novelle von Hermann Hesse. Nach einem Jahr Stillstand soll es bei Knulps mit einer Gartenreise zur Kamelienblüte nach Galicien im März 2021 weitergehen. Neu ist eine Wandertour um Noia in den bis zu 685 Meter hohen Gebirgszug Sierra del Barbanza;

www.knulpsreisen.de

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