Saison 2022

Freibad Eschbachtal: Hilfe kommt vom Niederrhein

Dank Benedikt May (vorne) konnten Karin Ittermann, Martin Sternkopf und Dennis Halbach das Freibad auch am Montag und Dienstag aufsperren, ein weiterer Austausch soll folgen.
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Dank Benedikt May (vorne) konnten Karin Ittermann, Martin Sternkopf und Dennis Halbach das Freibad auch am Montag und Dienstag aufsperren, ein weiterer Austausch soll folgen.

Im Eschbachtal herrscht Personalmangel. Mitarbieter aus Geldern haben Hilfe angeboten. Die zwei zusätzlichen Öffnungstage sind allerdings nur der Anfang der Zusammenarbeit.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. 25 Grad am Montag, am Dienstag sogar noch etwas mehr - die letzten beiden Ferientage boten perfektes Freibadwetter. Und obwohl das Freibad Eschbachtal in diesem Jahr wegen Personalmangels eigentlich nur von mittwochs bis sonntags geöffnet hat, gab es kurz vor Schulstart doch noch zwei Tage Badevergnügen. Dank tatkräftiger Unterstützung vom Niederrhein.

Aus dem Waldfreibad Walbeck in Geldern war Benedikt May, der Geschäftsführer des Trägervereins, nach Remscheid gekommen. In „seinem“ Bad stehe er nur noch selten am Becken, berichtete der 37-Jährige, die notwendige Qualifikation bringe er aber mit: „Die haben bei uns nahezu alle Mitarbeiter.“ Und weil der Verein über vergleichsweise viele davon verfüge, könne der Chef auch schon mal in Remscheid aushelfen - und so dazu beitragen, dass das Bad außerplanmäßig öffnet. Sehr zur Freude der Besucher, schon vor dem Start um 10 Uhr hatte sich eine kleine Schlange an der Kasse gebildet.

Für Benedikt May ist der Besuch in Remscheid mehr als eine einmalige Sache. Und auch mehr als eine kurzfristige Aushilfe. „Für uns hat so ein Austausch immer auch damit zu tun, dass wir etwas lernen können“, sagt er. Die Herausforderungen, vor denen die Bäder stehen, seien bundesweit ähnlich: „Digitalisierung, Fachkräftemangel, ein sich änderndes Nutzungsverhalten“, zählt May Beispiele auf. In der freien Wirtschaft sei es normal, sich auszutauschen. „Aber bei den Sportstätten kocht noch jeder sein eigenes Süppchen.“

Waldfreibad liefert gute Ideen das Freibad Eschbachtal auch außerhalb der Saison zu nutzen

Das ehemals kommunale Freibad Walbeck wird seit rund 20 Jahren von einem Verein betrieben, um die Einrichtung zu erhalten, hat man das Angebot seither deutlich ausgeweitet. „Der Freibadbetrieb ist auch bei uns defizitär“, sagt May. „Das müssen wir durch andere Aktivitäten ausgleichen.“ Heute gibt es dort „Comedy auf der Liegewiese“, Konzerte und Hundeschwimmen, aber auch einen Campingplatz und Ferienhäuser. Zudem kann die Location für private Feiern und Firmenevents gemietet werden.

Genau vor diesem Hintergrund hatte das Remscheider Sportamt schon vor einiger Zeit Kontakt mit dem Verein in Geldern aufgenommen. „Wir haben den Auftrag von der Politik bekommen, einen längeren Betrieb übers Jahr sicher zu stellen“, sagt Amtsleiter Martin Sternkopf. Ideen dazu sollte unter anderem das Waldfreibad liefern.

Die zusätzlichen Aktivitäten bieten nämlich nicht nur die Chance, das Defizit durch weitere Einnahmen zu reduzieren. Sie sorgen auch dafür, dass die Mitarbeiter nahezu das ganze Jahr über zu tun haben. „Wir bieten attraktive Jobs für junge Menschen“, sagt Benedikt May. Allein im Eventbereich habe der Verein 60 Aushilfen. „Und der Bühnenhelfer kann ja auch den Rasen mähen.“ Oder nach einem entsprechenden Kurs bei der DLRG als Badeaufsicht fungieren. May: „Wir investieren viel Zeit in die Ausbildung.“

Geschäftsführer des Waldfreibads ist begeistert vom Freibad Eschbachtal

Dass man sich unter den zahlreichen Anfragen, die man jedes Jahr bekomme, ausgerechnet für einen Austausch mit Remscheid entschieden habe, habe auch mit der „spannenden Geschichte“ des Freibades Eschbachtals zu tun, sagt Benedikt May. Das klare Votum von Politik und Verwaltung, in das Bad zu investieren, sei ein „gutes Zeichen“.

Außerdem gebe es auch hier für ihn einiges zu lernen, sagt der Geschäftsführer des Bädervereins. Es sei beeindruckend, wie gut das Freibad Eschbachtal trotz des offensichtlichen Investitionsstau funktioniere. „Wenn hier nicht so viel Eigenleistung erbracht würde, wäre das Bad noch viel öfters geschlossen.“

Hinzu kämen interessante Detaillösungen. Wie die Durchschreitebecken, in denen die Badegäste ihre Füße auf dem Weg ins Becken reinigen. Statt die ständig neu zu fliesen, wurden sie im Eschbachtal mit Edelstahl ausgekleidet. Eine gute Idee, die er gerne mitnehme. „Das hier ist auf jeden Fall viel mehr, als dass wir nur Personal gegen Geld ausleihen“, betont Benedikt May. „Wir bleiben auf jeden Fall im Austausch.“

Hintergrund

Das Freibad Eschbachtal, 1912 eröffnet, gilt als das älteste Binnenfreibad Deutschlands. Die Saison in diesem Jahr läuft noch bis Ende August, das Bad hat mittwochs bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Ab dem Herbst wird das Freibad dann aufwendig umgebaut.

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