Unfeine Art

Französische Stadt kopiert Wuppertaler Lego-Brücke

Seit 2011 gibt es die Lego-Brücke an der Schwesterstraße – die Idee machte Furore. Archivfoto: Rolf Dellenbusch
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Seit 2011 gibt es die Lego-Brücke an der Schwesterstraße – die Idee machte Furore.

Wuppertal. Künstler Heuwold war nicht informiert – man wusste nichts vom Original, heißt es aus Chalons-en-Champagne.

Von Manuel Praest

Die Stadt Chalons-en-Champagne wirbt mit dem „großartigen“ Fresko auf ihrer Brücke bei Instagram.

Tausende sind schon drüber her- und unten drunter durchgefahren: Die Lego-Brücke an der Schwesterstraße ist seit 2011 ein Markenzeichen der Nordbahntrasse – und hat bereits eine kleine Schwester gefunden. Seit 2020 gibt es ein Pendant an der Schwarzbachtrasse über die B7. Gestaltet hat sie Künstler Martin Heuwold – und mit seiner Arbeit international für Furore gesorgt. Der Wuppertaler hat schon Anfragen aus Südkorea und Mexiko zu seinem Kunstwerk bekommen. Neue Werke in diesem Stil lehnte er allerdings bislang ab. Umso erstaunter war er, als er übers Internet auf eine Lego-Brücke in Frankreich aufmerksam gemacht wurde. Ein Fall, der jetzt grenzübergreifend für Diskussionen sorgt.

In Châlons-en-Champagne kannte man das Wuppertaler Bauwerk nämlich offenbar nicht. Anders ist jedenfalls kaum zu erklären, dass seit Anfang Juni eine Brücke im Städtchen an der Marne steht, die von der Optik her selbst künstlerische Laien für eine Heuwold-Kopie halten dürften – und von der der Wuppertaler gar nichts wusste.

Französische Künstler: „Wollten nicht die Arbeit anderer stehlen“

„Es scheint so, du wärst gerade in Frankreich.“ Diese Nachricht habe ihm ein französischer Künstler via Instagram geschickt. „Und natürlich war ich nicht in Frankreich. Ich bin vor vollendete Tatsachen gestellt worden“, erzählt Heuwold. Auch ein Reporter einer Lokalzeitung habe ihn kontaktiert. In seinem Artikel zur „dritten“ Lego-Brücke erwähnt er Heuwold als Urheber der Idee. Vielleicht hatte zumindest der Autor ja Zugriff auf Wikipedia. In der Internet-Enzyklopädie existiert nämlich sogar eine französischsprachige Version des Beitrages zur deutschen Lego-Brücke. Die Stadt wolle den Wuppertaler kontaktieren, notierte der Journalist für die Zeitung.

Das passierte auch, zuerst telefonisch, dann per Mail, doch erhellend wirkt nicht, was der Zuständige der Stadtverwaltung „für Europäische und internationale Angelegenheiten“ schreibt. Keine Zeile etwa dazu, woher die Idee kam. Und eine Entschuldigung klingt auch nicht durch. „Während unseres Gespräches haben Sie mir Ihr Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht, dass Sie nicht im Vorfeld angefragt worden sind“, heißt es in der E-Mail an Heuwold. „Ich habe jedoch verstanden, dass Sie letztendlich keine Einwände und keine Formulierung von Forderungen gegen die Realisierung dieser Freske haben.“ Auf Fragen der Redaktion hat die Verwaltung von Châlons-en-Champagne noch nicht reagiert.

Eine Forderung wolle er ja erstmal gar nicht formulieren, sagt Heuwold. Er sei aber natürlich nicht einverstanden. Eine deutliche Entschuldigung sollte schon drin sein. Er habe immer befürchtet, „dass mal einer kommt und das kopiert“, so der Wuppertaler. „Immerhin ist die erste Lego-Brücke schließlich auch schon zehn Jahre alt.“ Aber dass man ihn dann zumindest kontaktiert, erwarte er schon: „Und nicht einfach kopiert.“

Das Künstlerkollektiv „Enter the Wall“, das im Auftrag der Stadt die 40 Meter lange Brücke verschönert, habe Heuwolds Werk vorher nicht gekannt. „Aber wir waren überzeugt, dass es dieses Design schon einmal gab.“ Die Bausteine – der Begriff Lego-Steine wird vermieden – seien seit langem Part der Populärkultur, besonders in der Streetart. Das Problem aus Sicht des Kollektivs: Ein Baustein sehe wie der andere aus. Man habe nie daran gedacht, „die Arbeit anderer zu stehlen“. Man habe niemanden verletzen wollen. „Wir haben einfach Bausteine auf eine Brücke gemalt.“ Offenbar hat die Diskussion aber Kreise gezogen. „Wir haben sehr unangenehme Nachrichten auf Deutsch erhalten“, so die Künstler.

Den ursprünglichen Künstler nicht zu fragen, sei schon eine „unfeine Art“, sagt Carsten Gerhardt, Chef der Wuppertalbewegung, in deren Auftrag Heuwold seine beiden Brücken gestaltet hat. Dass es nun eine Kopie in Frankreich gebe, zeige auch, was der Wuppertaler für eine gute Idee gehabt habe. Die einfach zu kopieren, „ist aber schon schlecht. Das würde bei Tony Cragg ja auch niemand machen“, ärgert sich Gerhardt.

Heuwold will nun erstmal abwarten. Dass es noch mal eine von ihm auch abgesegnete und möglicherweise selbst gefertigte neue Lego-Brücke geben wird, will er nicht ausschließen. „Es muss aber auf jeden Fall der richtige Ort sein.“

Historie

Heuwolds Frau Ninon Becker hatte die Idee, eine Brücke im Lego-Muster zu gestalten. 2011 war die in der Schwesterstraße fertig. Vom dänischen Spielwarenkonzern hatte Carsten Gerhardt, Chef der Wuppertalbewegung, die Erlaubnis eingeholt. Die Brücke wurde unter anderem mit dem Deutschen Fassadenpreis prämiert. 2020 eröffnete die zweite Lego-Brücke an der Schwarzbachtrasse.

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