Ausstellung

Fotos porträtieren geschichtsträchtige Bauten

Die Ausstellung ist bis zum 29. Mai im Kunstarchiv Kaiserswerth zu sehen. Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Uwe Schaffmeister
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Die Ausstellung ist bis zum 29. Mai im Kunstarchiv Kaiserswerth zu sehen.

Düsseldorf. Ausstellung mit Werken von August Sander, Bernd und Hilla Becher im Düsseldorfer Kunstarchiv Kaiserswerth.

Von Stephan Eppinger

Die Sichtung der Archive sowohl von August Sander als auch von Bernd und Hilla Becher bringt immer wieder neue Aspekte ihres fotografischen Schaffens zum Vorschein. Die Ausstellung „Kulturlandschaft Niederrhein – Düsseldorf Rheinhafen. Fotographien von August Sander und Bernd & Hilla Becher“ stellt bis zum 29. Mai im Kunstarchiv Kaiserswerth zwei bisher weitgehend unbekannte Motivkreise gegenüber.

Einerseits sind es 50 Fotografien von August Sander aus den 1930er-Jahren, von beispielsweise geschichtsträchtigen Wasserburgen, Industrieanlagen und Ortsansichten, die ein vielseitiges Porträt der Kulturlandschaft am Niederrhein zeichnen. Andererseits erweisen sich großformatige Ansichten vom Rheinhafen in Düsseldorf als Entdeckung. Bernd und Hilla Becher hatten dort zwischen 1978 und 1990 historische Lagerhäuser und Zweckbauten in dem für ihre Arbeit typisch sachlichen Stil dokumentiert.

Sander setzt auf Erschließung der menschlichen Gesellschaft

August Sander (1876-1964) ist vor allem für sein bedeutendes Porträtwerk bekannt. Seit seiner frühen Selbstständigkeit als Fotograf hat er sich auch dem Thema der Landschaft zugewandt. Für ihn stellte sich in der Landschaft eine dem Porträt parallele Herausforderung, die er mit vergleichbarer Zielsetzung verfolgte. Sanders visuelle Aufmerksamkeit zielte generell insbesondere auf Phänomene, in denen sich typische Momente der Zeit niederschlagen. Dabei war ihm die fotografische Erschließung der menschlichen Gesellschaft mit ihren Persönlichkeiten wichtig, ebenso aber auch das Studium der Landschaft, die gleichermaßen Lebens- und Geschichtsraum ist und als solche ein facettenreich individuelles Profil trägt.

Die für diese Ausstellung getroffene Auswahl an Fotografien bezieht sich auf die Region des Niederrheins, einem Gebiet, dem sich Sander neben dem Siebengebirge, dem Mittelrhein, dem Bergischen Land, dem Westerwald, der Eifel, dem Moselgebiet und dem Saarland zuwendete. Im seinem Archiv liegen für das Gebiet des Niederrheins rund 250 Negative und knapp ebenso viele Originalabzüge vor, wobei es zwischen diesen beiden Konvoluten eine große Schnittmenge der Motive gibt.

Für die aktuelle Ausstellung aber wurden in den vergangenen beiden Jahren analoge Neuabzüge geschaffen. Die Bildausschnitte der Neuabzüge orientieren sich dabei weitmöglichst am Vintage-Material. Insgesamt versteht sich das Projekt zugleich als ein Beitrag zur Archivsicherung und erweiterten Sichtbarmachung des Bildmaterials für die interessierte Öffentlichkeit.

Motivauswahl geht auf mehrere Quellen zurück

Die Motivauswahl geht auf mehrere Quellen zurück. So zum Beispiel auf die 1935 mit 32 Tafelabbildungen ausgestattete Publikation „Am Niederrhein“ von August Sander, erschienen im L. Holzwarth-Verlag. Wenn auch nicht alle der in dieser Veröffentlichung aufgenommenen Motive in die hiesige Ausstellung eingehen, so bietet sie einen thematischen Querschnitt.

Dieser bot die Grundlage für die Sichtung von Sanders Archiv und damit auch für die Auswahl der Exponate: ausgehend von Landschaftsansichten mit ihren botanischen Gegebenheiten, Kulturdenkmälern wie Wasserburgen, Schlössern und Kirchen, typischen Architekturen, Ortsansichten – so etwa von Düsseldorf, Duisburg, Kalkar, Kaiserswerth, Köln, Mülheim/Ruhr, Wesel und Xanten – bis hin zu Aspekten der Industrie und des Verkehrs. Bemerkenswert ist überdies, dass vereinzelt Fotografien vorkommen, die Erich Sander aufgenommen hatte und seinem Vater zur Einbeziehung in sein Werk zur Verfügung stellte.

Blickt man auf Sanders Landschaftsansichten, so stellt man schnell fest: Sein Augenmerk galt weniger einer überhöhten landschaftlichen Schönheit, als vielmehr einem grundlegend naturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Interesse. Mit seinen Fotografien bietet Sander dem Betrachtenden sowohl eine topographische Beschreibung einer Landschaft mit einer Vielzahl ihrer für sie typischen Momente, als auch einen Einblick in seine Auffassung der eigenen Lebenswirklichkeit als eine natürliche sowie kulturell historisch gewachsene Umwelt.

Konstruktionen des Rheinhafens stehen im Mittelpunkt

Bei den acht großformatigen Exponaten mit Werken von Bernd und Hilla Becher (1931-2007/1934-2015) stehen industrielle Zweckbauten und Konstruktionen des Rheinhafens Düsseldorf im Mittelpunkt. Diese waren im Kontext der Speicherung, Produktion und Lagerung wie auch dem Weitertransport von Waren von Bedeutung und sind heute nur teilweise noch existent beziehungsweise in eine neue Architektur eingebunden. Sie beleuchten das Thema der Kulturlandschaft am Niederrhein gewissermaßen noch einmal aus eigener Perspektive, wobei insbesondere der Bereich Industrie und Verkehr wiederholt angesprochen wird.

Entstanden sind die Schwarz-Weiß-Aufnahmen in den 70er bis 90er Jahren, wobei allein zwei Motive bislang veröffentlicht wurden – und zwar 2006 im Buch über die Getreidesilos. Entsprechend finden sich in den Exponaten insbesondere Lagerhäuser, ein altes Mälzereigebäude, Ent- und Beladekonstruktionen sowie Silos dargestellt, die Bernd und Hilla Becher objekthaft nüchtern, zentral ins Bild gesetzt haben.

Über diese bildbestimmenden Motive hinaus, berichten die Aufnahmen jedoch auch über die Standorte der Bauten selbst, was bei näherer Betrachtung zudem die Erinnerung an eine vergangene Atmosphäre und Zeit hervorzurufen vermag. Ab Ende der 70er Jahre hat der Rheinhafen – heute Medienhafen – eine Umstrukturierung erfahren. Dies trug mit dazu bei, dass sich für Bechers auch hier die nachdrückliche Aufgabe gestellt hatte, die wenigen vor Ort noch erhaltenen Bauten der Industriearchitektur des frühen 20. Jahrhunderts, die damals teilweise vor dem Abriss standen, zu dokumentieren, um sie in ihrem Werk zu verewigen.

Hintergrund

Das Kunstarchiv Kaiserswerth, Suitbertus-Stiftsplatz 1 (Eingang Stiftsgasse 2), ist freitags, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Es gilt die 2G-Regel. Abstandsregeln sind ebenfalls zu beachten. Zudem besteht die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske.

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