Hinweise gesucht

Flut schwemmt rätselhaften Grabstein an

Heike Hartwich zeigt den angeschwemmten Grabstein. Foto: Andreas Fischer
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Heike Hartwich zeigt den angeschwemmten Grabstein.

Wuppertal. Wer kennt Helene Götte? Heike Hartwich will der möglichen Barmerin eine Zeremonie mit Trauerredner widmen.

Von Daniel Neukirchen

Als der Morsbach Mitte Juli nach starken Regenfällen über die Ufer trat, entwurzelte er Bäume, setzte Keller unter Wasser und riss sogar ganze Gartenlauben mit. Und er schwemmt einen Grabstein an. Das Geheimnis um dieses ungewöhnliche Treibgut lässt Heike Hartwich nicht mehr los. „Helene Götte geb. Müller“ lautet die Inschrift. Sie wurde am 18. September 1899 geboren und ist am 5. Februar 1968 gestorben. Mehr verrät die schwere Steintafel nicht, die sich nach der Flut in der nassen Erde zwischen Ufersteinen ein neues Zuhause gesucht hat.

Für Heike Hartwich ist das alles kein Zufall. Sie sagt: „Ich glaube, Helene Götte möchte nicht vergessen werden.“ Der Stein ist quasi im Garten von Heidi und Axel Armborst gestrandet. Das Inhaber-Paar der Traditionsgaststätte Wildschütz Aue wohnt an der Morsbachtalstraße. Das Gelände ist vom Morsbach begrenzt.

Sachspenden für Flutopfer gesammelt

Nach der Flut hatten die Armborsts eigentlich anderes im Sinn, als nach Treibgut zu suchen. Ihr Keller stand meterhoch unter Wasser. „Der Schaden liegt bei etwa 120 000 Euro“, sagte Axel Armborst. Trotzdem fiel dem Paar plötzlich der Grabstein im wieder zahm gewordenen Morsbach auf. Armborst: „Da haben wir uns schon gewundert.“

Heike Hartwich hat sich mehr als gewundert. Das Rätsel um den Stein zog sie regelrecht in seinen Bann. Als Helferin besuchte Hartwich – die unter dem Motto „Helfende Hand“ Sachspenden für Flutopfer sammelt – das Grundstück der Armborsts und wurde so auf den Stein aufmerksam. Sofort war ihr klar: „Helene will Beachtung haben.“

Also machte sich Hartwich an die Recherche nach Helene Götte. Sie schrieb Wuppertals Einwohnermeldeamt an, mehrere Stadtarchive und Friedhöfe im Bergischen. Das Ergebnis: „Überall Fehlanzeige.“ Mit Helene Götte konnte niemand etwas anfangen. Doch Hartwich, die Ahnenforschung liebt, stachelte das noch mehr an: „Das machte den Fall für mich nur noch mysteriöser.“

Über einen Aufruf bei Facebook kam dann aber schließlich doch etwas Licht ins Dunkel. Sie wurde von einer Frau kontaktiert, die bei einem Ahnenforschungsregister angemeldet ist. Dort war Hartwichs Helene wirklich registriert. Jetzt kennt ihre Fluthelferin zumindest den Geburts- und den Todesort.

Das Licht der Welt erblickte Auguste-Helene Müller 1899 in Barmen (Rheinprovinz, Preußen, Deutschland) und gestorben ist sie in Solingen-Wald. Das Geburts- und das Todesdatum passen überein.

 Aber wie kam der Grabstein von der letzten Ruhestätte in den Morsbach? Hartwich hat nach ihrer Recherche zwei Theorien. Nach einer Ruhezeit von 20 bis 30 Jahren werden Gräber in der Regel aufgelöst. Danach können die Hinterbliebenen den Grabstein mitnehmen, wenn sie wollen. Hartwich sagt: „Vielleicht hat sich den jemand in den Garten gestellt, wo er von der Flut erfasst wurde.“ Oder: Es gab eben keine Angehörigen und der Grabstein sollte entsorgt werden oder er wurde auf unbestimmte Zeit zwischengelagert, als das Hochwasser ihn auf eine neue Reise mitnahm.

Helene Götte – der Name lässt Hartwich nicht mehr los. Neulich war sie in Ronsdorf in einer Boutique und hörte in der Umkleidekabine, wie eine Frau den Namen sagte... Götte. „Ich bin sofort aus der Kabine gestürmt und habe sie befragt“, sagt Hartwich lachend. Leider konnte die Zufallsbegegnung nichts mit einer 1899 geborenen Helene anfangen. Aber sie sagte Hartwich, dass es mehrere Göttes in Wuppertal gibt – in Barmen etwa. Sie habe gesagt: „Ich bekomme manchmal deren Post.“

Helene Götte soll symbolisch zur letzten Ruhe gebettet werden

Diese Zeitung kontaktierte zwei Barmer Familien mit dem Namen Götte. In einem Fall wurde die Anfrage abgelehnt, im zweiten Fall lautete die Auskunft: Wir kommen eigentlich nicht aus Barmen. Also wieder eine Spur, die nirgendwohin geführt hat.

Jetzt will es Hartwich mit einem neuen Aufruf probieren, um etwas über die Unbekannte zu erfahren. Denn: Sie sammelt Material für eine Trauerrede. Heike Hartwich will Götte symbolisch zur letzten Ruhe betten – erneut. Sie habe Kontakt zu einem Solinger Friedhof aufgenommen und das Versprechen erhalten, dass sich auf dem Parkfriedhof wohl ein Plätzchen finden wird.

Hartwich plant dort eine Zeremonie mit einem ihr befreundeten Trauerredner. Die Wuppertalerin freut sich schon darauf – vor allem, wenn sie vorher noch etwas über die Unbekannte erfahren kann, die sie so fasziniert.

Eines ist für Hartwich klar: „Sie hat zwei Kriege erlebt und hatte sicherlich ein bewegtes Leben.“

Aufruf

Heike Hartwich sucht Leser, die etwas zur Person Helene Götte oder über die Geschichte des Grabsteins sagen können.

Hinweise bitte per E-Mail: redaktion@solinger-tageblatt.de

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