Musikhochschule

Florence Millet: „Werden gesehen und gehört“

Florence Millet ist Konzertpianistin und Direktorin der Musikhochschule in Wuppertal.
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Florence Millet ist Konzertpianistin und Direktorin der Musikhochschule in Wuppertal.

Die Direktorin der Musikhochschule Wuppertal ist seit zwei Jahren im Amt und tritt wieder an.

Von Monika Werner-Staude

Wuppertal. Manchmal vergeht Zeit wie im Flug. Bald zwei Jahre leitet Florence Millet nun schon die Musikhochschule am Sedansberg. Doch es fühlt sich an, als habe sie ihre Aufgabe erst vor Kurzem angegangen. Das ist halt so, wenn man im Jetzt lebt, einem sehr intensiven Jetzt dazu, zwischen Wuppertal, Köln und Paris. Sie lebe ein Leben im Dauerlauf, mit gefühlten „80 Stunden-Tagen“, hat sie vor knapp zwei Jahren gesagt. Energisch, schwungvoll und neugierig auf das, was vor ihr lag. Schließlich sei sie Künstlerin und Pädagogin, keine Verwaltungsexpertin. Nun blickt sie zurück auf ein forderndes Jahr, das auch Krisen brachte, ihre Energie aber nicht schmälerte. „Ich schaffe das“, sagt sie und stellt sich Ende Januar/Anfang Februar der Wiederwahl.

Sie braucht kein festes Büro in Wuppertal

Sie ist eine Teamarbeiterin – privat und als Künstlerin. Teamarbeit in Institutionen aber sei anders, sagt sie. Trotz Erfahrung in Organisations-, Kuratoriums- und Gremien-Arbeit habe sie erst mal verstehen lernen müssen, „was gewollt und was meine Aufgabe ist“. Das brauchte Zeit. Gut, dass ihr von Anfang an Kolleginnen und Kollegen im Direktorium zur Seite standen, mit denen sie sich die Arbeit teilte: Carmen Heß (Pädagogik), Dirk Peppel (Bläser) und Werner Dickel (Streicher). Sie selbst übernahm die Vertretung der Hochschule nach außen, inklusive Kontaktpflege mit den Kölner und Aachener Musikhochschul-Standorten.

Bis heute ist Millet viel in der Domstadt, ist viel unterwegs, braucht kein festes Büro in Wuppertal. Die Zusammenarbeit im Führungsquartett sei von Verständnis und Toleranz geprägt, man sei ein „Dir-Team“ (was sich aus dem Wort Direktorium herleitet), und ein „Dear-Team“, das sich auch ohne Worte verstehe. Bis auf Carmen Heß, die anderweitig gebunden ist, treten alle für zwei weitere gemeinsame Jahre an.

Verbund mit Zentrale in Köln und Standort in Aachen

Die Wuppertaler Musikhochschule bildet mit der Zentrale in Köln und dem Standort Aachen einen Verbund, der sie zu den größten ihrer Art in Europa macht. Zugleich sei sie klein („aber fein“) mit kurzen Wegen im denkmalgeschützten Gebäude, durch das Millet am Tag der offenen Tür auch schon mal selbst geführt hat. Sechs Mitarbeiterinnen sind in der Verwaltung tätig – gerade wird eine Mutterschutzvertretung im Direktoriumsbüro gesucht, erzählt die Direktorin. Der Umgang sei freundschaftlich und respektvoll, das Interesse an Kunst verbindet, schafft eine schöne Atmosphäre. 89 Lehrkräfte (darunter 19 Professorinnen und Professoren) unterrichten aktuell 177 Studentinnen und Studenten. Unterstützt vom Förderverein, der Projekte und Stipendien ermöglicht. „Wir werden gesehen und gehört“, freut sich Millet. Die gute Studentenzahl zeigt, dass die Coronadelle ausgebeult werden konnte. Und: Das Niveau sei in den letzten Jahren gestiegen.

Kooperationstätigkeit wurde intensiviert

Als sie ihre neue Aufgabe antrat, nahm sich die gebürtige Belgierin vor, weiterhin als Künstlerin zu arbeiten und die Kooperationen der Musikhochschule auszubauen. Die Corona-Pandemie unterband die Auftritte. Also ging die Konzertpianistin ins Studio. An die zehn CDs sollen 2023 erscheinen. Die Konzerttätigkeit hat sie mittlerweile wieder aufgenommen, war auch schon drei Mal wieder in den USA. Dennoch will sie künftig nicht mehr so weit reisen, lieber lokal auftreten. Demnächst auch wieder in Wuppertal, beim Neujahrskonzert der Musikhochschule (am 12. Februar).

Intensiver gestaltete sich die Kooperationstätigkeit: Beim Tanztheater entwickelte sich aus der Klavierbegleitung bei den Proben zu „Orpheus und Eurydike“ die Teilnahme an der Gastspielreise der Compagnie. Zwölf Schlagzeuger wirkten bei „Intolleranza“ an der Oper mit, ein Student durfte zweimal bei Patrick Hahn dirigieren. Fortsetzung folgt. Die Kontakte zur Stadt, zum Von der Heydt-Museum und zu Stiftungen wurden intensiviert. Außerdem kam der WDR erstmals nach Wuppertal, um Werke von im Dritten Reich verfolgten Komponisten im Rahmen des Projekts der „Musica Non Grata“ aufzunehmen (Sendetermin ist der 27. März). Studenten aus Deutschland und Tschechien spielten sie in Prag, Theresienstadt und eben auch daheim. Die Kooperation mit der Historischen Stadthalle wurde fortgeschrieben, so dass das Orchester der Musikhochschule auch künftig am 1. Mai und 1. November dort auftreten kann.

Gerade werden Solisten gesucht, die dabei ihre Konzertfähigkeit verbessern können. Und weil 2023 das Jahr der Mandoline ist, soll auch dieses Instrument eine Rolle spielen. Schließlich wurde die Kooperation mit der Alewitischen Gemeinde intensiviert, in deren Zentrum seit zwei Jahren die Balama steht. Und wurden Kooperationen mit anderen Standorten ausgebaut: Studenten können Exkursionen und Meisterkurse an der europäischen Akademie in Italien (Montepulciano) besuchen, zusammen arbeiten und kulturelle Eindrücke sammeln.Florence Millet hat sich auf den Weg gemacht, ihr Tempo ist ungebrochen, manchmal zu schnell für andere. Sie lernt viel, ein Büromensch wird sie nicht werden, „für mich sind die Menschen zentral“.

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