Einschränkungen in diesem Jahr

Feuerwerk: Es muss ja nicht immer größer werden

Solche Szenen wird es heute Abend nicht geben: Große Feuerwerke sind verboten. Archivfoto: Christian Beier
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Solche Szenen wird es heute Abend nicht geben: Große Feuerwerke sind verboten.

Uni-Professor Peter Wiesen über die Auswirkungen der Knallerei – und die Einschränkungen in diesem Jahr.

Das Gespräch führte Michael Bosse

Wuppertal Die Folgen der Corona-Pandemie werden auch dem Jahresübergang ihren Stempel aufdrücken. Der Verkauf von Feuerwerkskörpern ist in diesem Jahr verboten, Menschenansammlungen auf größeren Plätzen zu Silvester sind untersagt. Prof. Dr. Peter Wiesen ist Atmosphärenchemiker an der Bergischen Universität und erklärt, welche Vorteile die Einschränkungen für Umwelt und Gesundheit haben.

Herr Professor Wiesen, dieses Jahr ist zu Silvester alles etwas anders. Begrüßen Sie die Maßnahmen?

Peter Wiesen: In der gegenwärtigen Situation bleibt gar nichts anderes übrig als so zu entscheiden. Deshalb begrüße ich die Einschränkungen. Ich hoffe, dass die Bürger nicht meinen, sie müssten die Restbestände an Feuerwerk verballern, die in den letzten Jahren übrig geblieben sind.

Aber auch als Experte und Wissenschaftler sehen Sie die Einschränkungen in Sachen Silvesterfeuerwerk vermutlich positiv?

Wiesen: Es gibt viele Gründe, warum man auf das Silvesterfeuerwerk verzichten könnte. Die will ich hier gar nicht alle aufführen. Bei den Umweltaspekten gibt es unterschiedliche Aussagen von Experten dazu, was das ausmacht. Die frühere Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, hatte 2018 einmal gesagt, dass in Deutschland zu Silvester 15,5 Prozent der jährlich im Kraftfahrverkehr emittierten Feinstaubmenge in die Atmosphäre gelangt. Die Zahl scheint aber nicht korrekt zu sein.

Der Wuppertaler Peter Wiesen ist seit 2011 Professor für die Untersuchung atmosphärischer Prozesse.

So hat eine Mitarbeiterin meines Instituts im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit die Jahreswechsel von 2002/03 bis 2019/20 untersucht und die Daten von etwa 60 Messstationen des Landesumweltamtes NRW ausgewertet. Ergebnis: Für die Stickoxide hatte das Feuerwerk keine Auswirkungen, bei den Feinstäuben ergibt sich jedoch ein Anstieg von etwa drei Prozent im Jahresdurchschnitt. Diese Zahlen sind also deutlich niedriger als jene, die bisweilen in den Medien auftauchen. In der Regel geht die Feinstaubbelastung am Neujahrstag nach wenigen Stunden wieder auf das normale Niveau zurück. Zudem hängen die Messergebnisse auch immer von der Wetterlage ab.

Dennoch: Wer sich länger in einer Feinstaubwolke gerade explodierter Knaller aufhält, der tut seiner Gesundheit nichts Gutes?

Wiesen: Richtig. Bei Feinstaub handelt es sich um Partikel mit einer Größe von bis zu zehn Mikrometern (PM10), also zehn millionstel Meter. Und vor allem die Ultrafeinstäube (PM1) sind für Menschen gefährlich. Die Ultrafeinstaubpartikel können beim Atmen leicht in Bronchien und Lunge vordringen. Manche ultrafeine Partikel können sogar in den Blutkreislauf übergehen und dort gesundheitliche Schäden bei den Betroffenen verursachen. Die größeren Partikel, die man auch mit dem Auge sehen kann, bleiben überwiegend in der Nase hängen.

Und so hat Corona letztlich doch etwas Gutes. Da alle Gesichtsmasken tragen müssen, schützen diese vielleicht vor der Belastung durch Feinstäube. Sofern sie nicht heruntergezogen werden zum Trinken oder Rauchen.

Wiesen: Das stimmt. Eine Mund-Nasen-Bedeckung bringt gerade bei großen Partikeln eine Menge. Bei den ultrafeinen Partikeln braucht es für einen richtigen Schutz schon eine FFP2-Maske. Und die muss dann auch richtig sitzen.

Trotz aller Bedenken: Eine grundsätzliche und komplette Abschaffung des Silvesterfeuerwerks würden Sie jetzt nicht fordern?

Wiesen: Nein, dafür würde ich nicht plädieren. Man muss den Leuten ja nicht jeden Spaß nehmen. Es ist ja auch eine Tradition. Vielleicht könnte man das Ganze aber etwas einschränken. Es muss ja nicht immer größer und immer mehr werden. Gerade diese Feuerwerksbatterien werden ja von Jahr zu Jahr aufwendiger. Und man sollte nicht vergessen, wie viel Müll bei den Feuerwerken entsteht.

Regeln

In Remscheid gelten, ebenso wie im Rheinisch-Bergischen Kreis, die NRW-weiten Beschränkungen – also ein Verbot von Partys und öffentlichem Feuerwerk. Ob privat alte Bestände verböllert werden, bleibt jedem selbst überlassen.

Solingen hat eine nächtliche Ausgangssperre verhängt – sie gilt normalerweise von 22 bis 5 Uhr, an Silvester bzw. Neujahr erst ab 1 Uhr. Zudem gilt ein Pyroverbot in Fußgängerzonen, auf Plätzen und Straßen mit Maskenpflicht, im Bereich des Südparks und in der Anlage Bärenloch.

Der Oberbergische Kreis hat wegen der hohen Infektionszahlen ein generelles Böllerverbot im öffentlichen Raum erlassen. Die Silvesterknallerei begünstige Menschenansammlungen – und die sollen auf jeden Fall vermieden werden. In besonders stark betroffenen Kommunen im Oberbergischen – darunter Radevormwald – sind aus dem gleichen Grund alle Präsenzgottesdienste bis 10. Januar untersagt.

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