Bildung

Fern-Uni auch im Wintersemester?

Auch am Campus Haspel herrscht ungewöhnliche Stille. Die meisten Uni-Angebote finden online statt. Archivfoto: Gerhard Bartsch
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Auch am Campus Haspel herrscht ungewöhnliche Stille. Die meisten Uni-Angebote finden online statt.

Eine Rückkehr zum Präsenzbetrieb ist derzeit nicht abzusehen – vieles läuft online.

Von Martin Wosnitza

WUPPERTAL Für Wuppertaler Studenten gilt in diesem Sommer: Uni@Home. Das könnte zum Winter verlängert werden, denn die Hygiene- und Distanzregeln des Robert- Koch-Instituts lassen sich an der Bergischen Universität kaum umsetzen.

„Sollten sie im Herbst und Winter wie bisher weiter gelten, wird sich im Vergleich zu jetzt nichts Entscheidendes ändern“, erklärt Jasmine Ait-Djoudi, Leiterin der Universitätskommunikation. „Für ein Seminar mit 30 Personen benötigen wir einen Hörsaal mit 240 Plätzen und für eine normale Vorlesungsgröße mit 300 Hörern so etwas wie ein Kongresszentrum mit 2400 Plätzen“, sagt Ait-Djoudi: „Angesichts hunderter Veranstaltungen wöchentlich, allein an unserer Universität, ließe sich nach Adam Riese nur ein Bruchteil in Präsenz durchführen.“

Auch vom Wissenschaftsministerium NRW heißt es dazu: „Eine vollständige Rückkehr zur Präsenzlehre ist nach derzeitiger Lage nicht die wahrscheinlichste Option.“

Fritz Berger, Geschäftsführer des Hochschul-Sozialwerkes, teilt diese Einschätzung. Sie gelte „auch für unsere Mensen und Cafeterien, die im laufenden Semester täglich von Tausenden von Gästen unangemeldet besucht werden und häufig bis auf den letzten Platz besetzt sind“. Dank Kurzarbeitergeld und Nothilfen macht er sich keine Sorgen um das Sozialwerk. Anders sieht er die Auswirkungen auf die Studenten: „Studieren ist nicht nur trockene Wissensaufnahme. Zum Studium gehört auch: vor der Vorlesung das leckere Brötchen in der Cafeteria, der Milchkaffee, der Treff mit der Arbeitsgruppe, die Verabredung zum Mittagessen in der Mensa und das Kennenlernen neuer Kommilitonen.“

Das alles findet nun im digitalen Raum statt, wie Studentenvertreter Nico Quittmann, AStA-Pressesprecher, berichtet.

Das Green Lion Racing Team (GLRT) ist im Wartemodus. Es wurde mitten in den Vorbereitungen für die Formula Student getroffen. „Das Fahrzeug hat von Tag zu Tag mehr Form angenommen“, berichtet Teamleiter Theodoros Theodorou. Die Saison wurde auf 2021 verschoben, der Rennwagen wartet auf seine Fertigstellung. Problematisch werde es, wenn auch im Winter nicht weitergeschraubt werden kann: „Unser ganzes Existenzmodell ist darauf ausgelegt, dass wir Veranstaltungen besuchen dürfen und so auch unsere Sponsoren vertreten.“

Uni-Chor probt virtuell – es gibt sogar ein Konzert

Christoph Spengler, Leiter von Uni-Chor und -Orchester, probt per Livestream. Konzerte mussten abgesagt werden. Trotzdem wird es zum Ende dieses Semesters etwas zu hören geben: „Ich habe alle Mitglieder gebeten, eines unserer Stücke als ‚virtueller Chor‘ aufzunehmen.“ Die Aufnahmen schneide er derzeit zusammen: „Es klingt beeindruckend, wenn man bedenkt, dass jeder nur für sich gesungen hat. Wir werden das Video in wenigen Wochen stolz präsentieren.“ Ähnliches plant er für das Orchester. Wichtig ist ihm die soziale Komponente: „Oft ist auch Raum für ein persönliches Wort.“

Studentin Gisela Resmja wäre froh, wieder zur Uni gehen zu können, und glücklich, „wenn zunächst einmal die Bibliothek als Lernumgebung öffnen könnte und kleinere Seminare möglich wären.“ Ihr fehlt der Uni-Alltag: „Am meisten fehlt mir der soziale Kontakt und der Austausch mit den Dozierenden.“ Für sie ist Uni@Home keine Alternative. Sie und viele ihrer Kommilitonen haben das Gefühl, in diesem Semester insgesamt weniger gelernt zu haben.

Hintergrund: Bergische Uni

Alltag: Die Bergische Universität Wuppertal ist inzwischen eine Volluniversität mit breitem Fächerspektrum. Gegründet wurde sie 1972 damals noch als Fachhochschule, wurde 2002 in eine Universität umgewandelt. Anfangs zählte sie 3500 Studierende, heute 14 000. Sie hat 1200 Mitarbeiter, davon sind 270 Professoren.

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