Spaß

Seifenkisten-Touren: Fahrtwind, Motorbrummen und Benzingeruch

Rick und Sylvia Rosenberger geben Gas: Sie bieten Seifenkisten-Touren durch Wuppertal an.
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Rick und Sylvia Rosenberger geben Gas: Sie bieten Seifenkisten-Touren durch Wuppertal an.

Wuppertal. Familie Rosenberger bietet Seifenkistentouren durch Wuppertal an.

Von Alina Komorek

„Brööömmm“, macht der Motor der Seifenkiste. Das weiße Mini-Auto wackelt, es zittert ein bisschen beim Druck auf das Gaspedal, dann passiert erst nichts – und dann geht es ab.

Mit einem etwas wackligen Gefühl in der Lenkung und der Angst, dass der linke Fuß nicht schnell genug das Bremspedal findet (Herr im Himmel, mit Links bremsen?!) rauscht das Hot Rod (Englisch für „frisiertes Auto“ – in dem Fall eher eine motorisierte Zauberkiste) über den Asphalt. Bis der erste Bordstein kommt, über den es die Seifenkiste nur mit einigem Ruckeln schafft. Doch der Fahrtwind und das überraschte Lächeln der Menschen, die einem neben, auf oder an der Straße so begegnen, macht das etwas ungefederte Fahrgefühl wieder wett.

Das weiß auch Sven Rosenberger, dem diese Idee ganz unvermittelt kam: „Man muss damit rechnen, an jeder Ampel fotografiert zu werden.“ Familie Rosenberger kennt sich mit Spaß aus: Schon seit Jahren führen Rosenbergers den Upsalla-Kinderpark. „Wir hatten Spaß für Kinder – und wir wollten auch Spaß für Erwachsene“, erklärt Sven Rosenberger und lacht.

Jetzt ist sein 24-jähriger Sohn Rick Geschäftsführer, seine Frau Sylvia hat schon einen richtigen Bleifuß beim Fahren der Seifenkisten entwickelt, und der 51-Jährige hat erst vor Kurzem zu den bestehenden acht noch weitere 14 Fahrzeuge bestellt. Zum Unternehmen gehört auch noch Hüseyin Güzel, der heute nicht da ist.Auch abgesehen von den brummenden Motoren passiert auf dem Gelände der Upsalla-Halle zurzeit ziemlich viel: Ein Zelt zum Feiern für Gruppen nach den Touren wird eingerichtet, die Garage der Seifenkisten wird von dem Wuppertaler Künstler Thomas Eiffert bemalt, mit historischen Motiven von Seifenkisten, und auf der Terrasse neben der Halle entsteht noch dazu ein Sitzbereich.

Außerdem wird noch ein weiterer Raum mit Theke ausgebaut, in dem die Versicherungsunterlagen ausgefüllt werden können: „Man muss sich auch absichern, falls es mal jemand übertreibt“, sagt Sven Rosenberger – denn er weiß, dass es Spaß macht. Auf einer der ersten drei Touren wurde bereits ein Seifenkisten-Raser geblitzt, erzählt die Familie.So eine Tour mit der Seifenkiste ist genau das Richtige für alle, die Fahrtwind, Motorbrummen und Benzingeruch lieben – und die Nähe zum Asphalt bei bis zu 100 Kilometern pro Stunde, die eine Seifenkiste schafft. Nachdem der Helm festgezurrt ist, geht es hinunter auf die Sitzfläche der Seifenkiste. Handbremse lösen, Vorwärtsgang einlegen, rechts auf das Gas drücken und links, wenn es sein muss, bremsen. Das Blinken läuft wie beim Motorrad (in der Mitte drücken, wenn genug geblinkt wurde) und Licht und Hupe gibt es auch. Fahren dürfen alle, die einen Autoführerschein haben.

„Die Touren dauern zwischen 90 Minuten und drei Stunden“, erklärt Rosenberger. Mehr sei auch nicht mehr schön, weil es in der Seifenkiste mit dem Fahrtwind, dem Ruckeln am Rücken, der flattrigen Lenkung und den (zumindest bei Personen unter 1,70 Metern) komplett durchgedrückten Beinen doch etwas anstrengend wird. Bei längeren Touren müsste ohnehin nachgetankt werden: in eine Seifenkiste passen ungefähr fünf Liter Benzin – die für etwa 60 Kilometer reichen. „Beim Gasgeben verbraucht man mehr – aber das macht ja eben Spaß“, findet Rick Rosenberger. Verfahren wird sich wohl niemand, auch nicht bei den geplanten Nachttouren, denn es fährt immer jemand von den „Hot Rods“ vor.

Mit einer warmen Jacke fahren die Leute auch im Winter

Seifenkisten-Erfahrung hat die Familie nicht. „Es war einfach eine Schnapsidee“, gibt Rosenberger zu. Nun wird der Fuhrpark erst einmal aufgestockt, es werden erste Touren unter der Schwebebahn entlang, Richtung Talsperren oder eben bei Nacht geführt.

Die Rosenbergers empfehlen die Touren vor allem bei freundlichem Wetter, die Hauptsache aber sei, dass kein Schnee liege. „Mit einer warmen Jacke setzen sich die Leute im Winter bestimmt trotzdem rein“, vermutet Sven Rosenberger und grinst. Dann reicht er seinem Sohn den Helm an, um eine kleine Fahrt zu starten. „Am Anfang bin ich auch etwas langsamer gefahren, bis ich mich daran gewöhnt habe“, sagt Sylvia Rosenberger aufmunternd – und spielt mit dem Gas, bis die Tour losgeht. Und es stimmt: Trotz der flattrigen Lenkung und des ungefederten Gefühls im Rücken macht so eine Fahrt entlang der Felder und Wiesen einfach ziemlich gute Laune.

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