Denkmäler sind Schätze

In Wuppertal entsteht neuer Wohnraum in Altbauten

+
An der Friedrich-Ebert-Straße sollen im Winter einige Fassaden saniert werden. 

WUPPERTAL An der Friedrich-Ebert-Straße entsteht neuer Wohnraum in Altbauten.

Von Andreas Eichhorn

Wuppertal nutzt seinen Bestand an Altbauten viel zu wenig, um den aktuellen und zukünftigen Wohnungsbedarf zu decken. Das kritisiert Christian Baierl, Vorstand der Immobilienfirmen Rockhedge AG und Renaissance AG. Rockhedge hat in den vergangenen vier Jahren in Wuppertal 200 Wohnhäuser mit insgesamt 1000 Wohnungen erworben und saniert, darunter 103 Denkmäler.

Durch die Sanierung der mehr als 10 000 leerstehenden Wohnungen in Wuppertal könne man den Wohnungsbedarf in den kommenden Jahren komplett decken, ist Baierl überzeugt. Die von der Politik angestoßene und als schwierig geltende Suche der Stadtverwaltung nach 110 Hektar Bauland für Wohnungen hält er für weitgehend überflüssig und zu teuer.

Ein besonderes Pfund Wuppertals seien die vielen, meist denkmalgeschützten Altbauten in den Gründerzeitvierteln. „Der Standort Wuppertal ist total unterbewertet“, sagt Baierl. Die Sanierung der Denkmäler könne ein Zeichen für einen städtischen Wandel sein und auch viele wohlhabende Neubürger nach Wuppertal ziehen, ist Baierl überzeugt. Vorbild sei für ihn Leipzig. „Leider wird die Denkmalbehörde in Wuppertal stiefmütterlich behandelt.“ Nicht nur die personelle Besetzung sei der Größe der Stadt nicht angemessen.

Über die Denkmäler wäre ein Zuzug aus der Region zu generieren

Man könnte über die Denkmäler einen deutlichen Zuzug generieren. Diese böten gute Voraussetzungen für Gutverdiener aus der Region. Erst kürzlich habe er eine 138 Quadratmeter große Altbauwohnung an eine Frau aus Köln vermietet: „Eine solche Wohnung hätte sie nach eigener Aussage in Köln in 100 Jahren nicht gefunden.“ Doch auch für die Suche nach bezahlbarem Wohnraum böten die Altbauten enormes Potenzial.

ROCKHEDGE

INFO Firma Rockhedge hat seit 2014 in Wuppertal 200 Wohnhäuser mit 1000 Wohnungen saniert, davon 103 Denkmäler.

INVESTITIONEN Dafür hat das Unternehmen 20 Millionen Euro investiert.

Baierl wundert sich, wie stark viele Altbauten in Wuppertal verfallen sind. Zum Beispiel gegenüber des Bayer-Werks an der Friedrich-Ebert-Straße. Dort seien manche Häuser sogar einsturzgefährdet gewesen. Die Sanierung laufe derzeit. Zwei Häuser hätten bereits neue Dächer bekommen. Zwei Häuser sollen bis Jahresende, der Rest bis Ostern bezugsfertig sein. Acht von 16 Häusern dieses Straßenzugs gehörten seinem Unternehmen. „Wenn wir sanieren, dann kommen die Nachbarn eher auf die Idee, auch zu sanieren“, sagt Baierl. So könne ein Aufbruch vor Ort aussehen. Ein Aufbruch, für den kein Steuergeld eingesetzt werden müsste: „Die Investitionen bekommen dann eine Eigendynamik“, ist Baierl überzeugt.

Eine Eigendynamik, von der die Stadt gleich mehrfach profitiere. Rockhedge vergebe Aufträge zur Hälfte an Firmen vor Ort. Und mit den Zuzügen aus der Region lasse sich die Einkommenssteuer und der Handel vor Ort steigern. „Der Wandel kann über die Denkmäler laufen“, sagt Baierl. „Es muss verinnerlicht werden, dass Denkmalschutz etwas Gutes für die Stadt ist“, sagt Baierl. Eine klare Vision hat Baierl bereits: „Wichlinghausen wird das In-Viertel der Stadt in ein paar Jahren.“ Der Stadtteil biete genau die Voraussetzungen, wie sie der Prenzlauer Berg in Berlin oder Düsseldorf-Flingern böten: ein geschlossenes Viertel aus Altbauten.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Autofahrer durch herabfallenden Ast schwer verletzt
Autofahrer durch herabfallenden Ast schwer verletzt
Rekordherbst am Flughafen: Ist Flugscham ein Thema?
Rekordherbst am Flughafen: Ist Flugscham ein Thema?
Schwebebahn stand am Morgen 90 Minuten still
Schwebebahn stand am Morgen 90 Minuten still
Kohlenmonoxid in Wuppertal ausgetreten - Drei Menschen im Krankenhaus
Kohlenmonoxid in Wuppertal ausgetreten - Drei Menschen im Krankenhaus

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren