Corona

Gastronomie: Es wird nicht einfach wieder alles wie vorher sein

Noch dürfen keine Stühle draußen stehen. Doch selbst, wenn es wieder losgehen darf, werden die Umsätze nur langsam wieder steigen, fürchtet die Dehoga-Sprecherin. Symbolfoto: Sebastian Gollnow/dpa
+
Noch dürfen keine Stühle draußen stehen. Doch selbst, wenn es wieder losgehen darf, werden die Umsätze nur langsam wieder steigen, fürchtet die Dehoga-Sprecherin. Symbolfoto: Sebastian Gollnow/dpa

Isabel Hausmann vom Gaststättenverband Dehoga spricht über Tatendrang in ihrer Branche.

Von Martin Lindner

Wuppertal. Hotels und Gaststätten gehören zu den Branchen, die im Bergischen wirtschaftlich am heftigsten von den Corona-Regeln betroffen sind. Das ganze Ausmaß ist noch nicht absehbar, sagt Isabel Hausmann, stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Nordrhein, der fürs Bergische Land zuständig ist. Dies werde sich erst im Laufe des Jahres zeigen, wenn die Insolvenzantragspflicht nicht mehr ausgesetzt ist.

„Viele haben Hoffnung, dass es bald weitergeht und halten noch durch“, weiß Hausmann. Andere haben keine Ressourcen mehr, um weiterzumachen, wie das alteingesessene Hotel Astor in Elberfeld, das kürzlich seine Schließung bekanntgeben musste.

„Die Gastronomen haben viele innovative Ideen, und sie lassen sich einiges einfallen.“

Isabel Hausmann über die Branche

„Nach der letzten Umfrage des Dehoga Bundesverbandes bangen 72 Prozent der Gastronomen und Hoteliers um ihre Existenz“, schildert Hausmann. Viele Betriebe seien seit mehreren Monaten oder sogar schon einem Jahr geschlossen. Andere – zum Beispiel der Kitchen Club in Elberfeld – versuchen, die finanzielle Dürreperiode zu überbrücken, indem sie sich zum Schnelltestzentrum transformieren. Nach dem Motto: testen statt tanzen.

Zwar hätten die finanziellen Hilfen von der Politik geholfen, dennoch fielen immer wieder Betriebe durchs Raster. Auch würden maximal 90 Prozent der Fixkosten erstattet. „Die Frage, woher man nach Monaten des Zuschusterns aus den Rücklagen die fehlenden zehn Prozent nehmen soll, stellt sich den Unternehmern“, so Hausmann.

Für die Zeit nach der Pandemie denkt sie, dass es eine neue Wertschätzung geben wird über Dinge, die man wieder machen kann, die Freude darüber, sich an einen Tisch im Restaurant zu setzen oder ein Hotelzimmer als Urlaubsgast zu beziehen. „Man wird genug davon haben, Essen nach Hause geliefert zu bekommen“, sagt Hausmann. „Geselligkeit kann man nicht mitbuchen.“

Zwar schätzt sie, dass Firmen versuchen werden, die kostengünstigen Telefonkonferenzen den physischen Treffen vorzuziehen – „ich glaube aber auch, dass man den Mehrwert einer physischen Begegnung auch im Geschäftsbereich in seine Konzepte einbeziehen wird.“

Sich von der Pandemie nicht unterkriegen zu lassen und weiterzukämpfen oder in der schwierigen Zeit gar ein neues Lokal zu eröffnen – diesen Unternehmern zollt Hausmann tiefen Respekt. „Das ist gut so, dass sie es tun. Was würden wir machen, wenn es diesen Mut nicht gäbe und man nur auf Nummer sicher geht? Die Gastronomen haben viele innovative Ideen, und sie lassen sich einiges einfallen“, weiß Hausmann. Außerdem könne man die Produktion in der Hotel- und Gaststättenbranche nicht einfach ins Ausland verlegen: „Gegessen und getrunken wird immer.“

Isabel Hausmann ist stellvertretende Geschäftsführerin des Dehoga Nordrhein und damit auch zuständig für die Gastro-Betriebe im Bergischen.

Die verordnete Schließung von Hotel- und Gastgewerbe habe sie bis heute „nicht im Geringsten“ nachvollziehen können. „Wir sind nicht Pandemietreiber, das hat sogar das RKI festgestellt“, hebt sie hervor. Es sei in den Betrieben stets auf Abstände geachtet worden, Nachverfolgbarkeit von Infektionsketten konnte garantiert werden. Es sei aus Sicht des Verbandes zielführender, die Gäste unter Einhaltung der Hygieneregeln zu bewirten, als sie vermehrt in den Privatbereich zu drängen.

Bei den Hotels kann sie nicht nachvollziehen, warum die Privatgäste nicht beherbergt werden dürfen. „Die meiste Zeit verbringt der Gast im Hotel auf seinem Zimmer. Wenn argumentiert wird, dass der Traffic gering gehalten werden soll, fragt man sich, warum Mallorca gebucht werden kann.“

Sobald die Hotels und Gaststätten wieder öffnen dürfen, hofft sie darauf, dass die Gäste Vertrauen haben und wieder kommen. Auf den ersten Schritten müssen die Betriebe dennoch weiterhin mit finanziellen Hilfen unterstützt werden; der Umsatz könne nur langsam wieder in die Höhe geschraubt werden. „Man kann nicht einfach wieder die Tür aufmachen und alles ist wie vorher“, betont sie. Beispielsweise hätten Hochzeitsfeiern oft ein Jahr Vorlauf.

„Die Stadt Wuppertal könnte – ich bin mir sicher, das wird sie auch – die Gastronomen und Hoteliers bei der Außengastronomie unterstützen und mit wenig Bürokratie dafür sorgen, dass viele Plätze zur Verfügung stehen“, sagt sie.„Sicherlich werden sich auch manche Anwohner wieder daran gewöhnen müssen, dass die Gastronomie wieder zu hören ist.

Verband

Aufgabe: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband vertritt die Branche gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Hinzu kommen Beratung und Dienstleistungen für die Mitgliedsbetriebe.

Ortsgruppen: Es gibt eigene Ortsgruppen für die Betriebe in Remscheid (Vorsitz: Markus Kärst), Wuppertal (Vorsitzende: Marie Haus) und Solingen (Vorsitzende: Petra Meis-Wachauf).

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Warnungen vor Sturzfluten blieben ungehört
Warnungen vor Sturzfluten blieben ungehört
Warnungen vor Sturzfluten blieben ungehört
Schwebebahn steht bis Sommer 2021 an Werktagen still
Schwebebahn steht bis Sommer 2021 an Werktagen still
Schwebebahn steht bis Sommer 2021 an Werktagen still
Treibgut drückt gegen Brücken
Treibgut drückt gegen Brücken
Treibgut drückt gegen Brücken
Fenster fliegen aus einem Wuppertaler Gebäude
Fenster fliegen aus einem Wuppertaler Gebäude
Fenster fliegen aus einem Wuppertaler Gebäude

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare